Benedikt XVI. im Flug in den Libanon: Journalisten können der Welt zeigen, dass Gewalt keine Lösung ist

Fundamentalismus ist immer eine Verfälschung der Religion

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Von Jan Bentz

ROM, 15. September 2012 (ZENIT.org). – Während des Fluges von Rom nach Beirut hatten Journalisten traditionell die Gelegenheit, Papst Benedikt XVI. Fragen über seine Apostolische Reise und die politische Lage des Landes zu stellen. Nach einigen Einführungsworten P. Federico Lombardis beantwortete Benedikt XVI. die Fragen auf Französisch, der mehr oder weniger offiziellen Sprache des Besuchs und Italienisch.

Auf die Frage eines Journalisten, ob die Sicherheit bei den Überlegungen zur Entscheidung für diese Reise eine Rolle gespielt habe, antwortete der Papst gelassen, dass das brüderliche Zeichen seines Kommens wichtiger sei, als Bedenken der „komplizierten politischen Situation“. „Unter dem Schutz des Gebets und durch die Zusammenarbeit freue ich mich, einen wirklichen Dienst zum Wohle der Menschen und für den Frieden leisten zu dürfen.“

Wie die Kirche auf den in vielen Regionen der Welt wachsenden religiösen Fundamentalismus antworten könne, erwiderte der Heilige Vater, dass „der Fundamentalismus immer eine Verfälschung der Religion ist“. Die Aufgabe der Religion sei es, Frieden zwischen Gott und dem Menschen herzustellen und immer wieder zur Läuterung aufzurufen. „Fundamentalismus kann nur mit einer Bildung und Reinigung des Gewissens entgegnet werden.“

Es folgte eine Frage auf Italienisch, ob in Ländern wie dem Libanon, in dem das Christentum in der Minderheit sei, die Existenz der Christen nicht langfristig gefährdet sei. Benedikt XVI. kommentierte den arabischen Frühling als etwas „in sich Positives“, ein Wunsch nach mehr Demokratie, mehr Freiheit und mehr Zusammenarbeit. In diesem Schrei nach Freiheit, den auch die Christen teilten, werde aber oft die Toleranz gegenüber den Anderen vergessen, wie wir in der Geschichte oft sehen könnten. „Mit dem arabischen Frühling muss deswegen auch eine zunehmende Toleranz gegenüber Minderheiten und eine wachsende Zusammenarbeit von Muslimen und Christen einhergehen.“

Auf die Frage, wie die Kirche den Menschen helfe, die gegen ihren Willen und um ihr Leben zu schützen aus dem Land fliehen müssten, entgegnete der Papst: „Die wesentlichste Hilfe ist es, den Krieg zu beenden“. Dem Krieg müsse mit der Verbreitung einer Botschaft des Friedens erwidert werden und mit der Erkenntnis, dass ein Krieg niemals Probleme löse. „Vor allem die Arbeit der Journalisten ist hier bedeutsam, die sehr überzeugend zeigen können, dass die Gewalt nur zerstört, nichts aufbaut und für keinen von Vorteil ist.“ Hier sei auch von Bedeutung, keine Waffen mehr zu importieren, denn ohne Waffen gäbe es auch keinen Krieg. Vielmehr sollten Ideen des Friedens und der Kreativität gefördert werden, ein Respekt vor der Religion und vor dem Menschen als Geschöpf Gottes. „Die Liebe zum Nächsten ist grundlegend für alle Religionen.“

Zum eigentlichen Anlass seiner Reise, der Apostolischen Exhortation, die an alle Christen des Mittleren Ostens adressiert ist, befragt, erklärte Papst Benedikt XVI.: „Wir müssen die politische Meinung beeinflussen und die Politiker, damit sie sich mit aller Kraft und all ihren Möglichkeiten für den Frieden und gegen die Gewalt einsetzen.“ Eine Arbeit der Harmonisierung, der Bildung und der Reinigung sei von uns allen gefragt. Karitative Organisationen der Kirche sollen auch mit materieller Unterstützung helfen. „Ich sage noch einmal, dass die sichtbaren Zeichen der Solidarität, Tage des öffentlichen Gebetes und ähnliche Zusammenkünfte die öffentliche Meinung bilden können und wirklichen Einfluss ausüben. Wir wissen, dass das Gebet eine Wirkung hat, wenn es mit viel Glaube und Vertrauen verrichtet wird; es wird eine Wirkung haben!“.