Benedikt XVI. im Gespräch mit „seinem“ Klerus

Zwangloser Dialog des Papstes mit den Priestern der Diözese Rom

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ROM, 27. Februar 2009 (ZENIT.org).- Wie es mittlerweile schon zur Tradition gehört, hat sich Papst Benedikt XVI. auch in diesem Jahr zu Beginn der Fastenzeit mit dem Klerus seiner Diözese Rom getroffen. Am gestrigen Donnerstagvormittag stellte sich der Papst den Fragen einiger Priester, auf die er in freier Rede antwortete.



Es handelte sich um ein familiäres Gespräch, wie der Heilige Vater sofort unterstreichen wollte: Die Zusammenkunft der Priester mit ihrem Bischof finde statt, damit sie dem Papst ihre Erfahrungen, Sorgen und Leiden, aber auch ihre Freuden und Erfolge berichten könnten. „Somit würde ich sagen, dass es nicht so ist, dass hier ein Orakel spricht und ihr Fragen stellt, sondern dass wir uns in einem familiären Austausch befinden“.

„Auch ich möchte lernen“, hob Benedikt XVI. hervor. „Auch ich möchte der Wirklichkeit näher kommen, von der ein Apostolischer Palast auch ein wenig zu entfernt sein kann.“

Acht Priester trugen dem Heiligen Vater ihre Fragen und Anliegen vor. In seinen Antworten verwies der Papst auf die Kriterien, die für einen Priester bei der Verkündigung des Evangeliums zum Tragen kommen sollten. Benedikt XVI. verwies dabei auf das Binom „Wort-Zeugnis“ als den Weg, der zu verfolgen sei, um das Herz der heute oft verwirrten und orientierungslosen Menschen zu erreichen. Der Heilige Vater ermutigte die Priester, nicht die „Einfachheit der Wahrheit“ eines Gottes zu verlieren, der uns nahe sei und zu uns spreche.

Ein Pfarrer stellte die Frage, wie sich die Neuevangelisierung konkret verwirklichen lasse. Für Benedikt XVI. gibt es in diesem Zusammenhang keine fertigen Rezepte. Wesentlich sei, dass den Gläubigen geholfen werde zu erkennen, dass ihr Glaube nicht einfach eine Sache der Vergangenheit sei, sondern dass er heute und auch morgen wahr sei. „Sie brauchen dazu einen Pfarrer, der wirklich ein Hirte ist, der sie liebt und der ihnen hilft, heute das Wort Gottes zu hören. Das ist ein Wort an sie – nicht nur ein Wort an Personen der Vergangenheit.“

Der Bischof von Rom verwies auch auf die grundlegende Rolle, die der Pfarrer im Leben von Kirche und Gesellschaft einnimmt. Zum Pfarrer kämen die Menschen mit ihren Leiden und ohne Maske, „so wie sie sind“. Kein anderer Beruf biete diese Möglichkeit, den Menschen so zu kennen, wie er in seiner Menschlichkeit sei, nicht nur in seiner gesellschaftlichen Rolle.

Benedikt XVI. forderte die Priester auf, die Kirchen allen Menschen zu öffnen, die Gott suchten, und alte Erfahrungen wie das Katechumenat neu zu entdecken.

Die Gemeinschaft der Gläubigen sei eine wertvolle Wirklichkeit, die nie unterbewertet werden dürfe. Ihr Zeugnis zeige, dass der Glaube lebendig und nicht nur eine Angelegenheit der Vergangenheit sei.

Mit der Verkündigung des Wortes müssten das Zeugnis und die Aufnahme von Armen und Bedürftigen Hand in Hand gehen, so Papst Benedikt. Auch den Reichen sollte das Wort verkündet werden, damit sie ihre Herzen öffneten.

Die Gläubigen seien dazu berufen, ihrer Hoffnung Glaubwürdigkeit zu verleihen: „Die Christen sollten Sauerteig der Gerechtigkeit, der Integrität, der Aufrichtigkeit und der Liebe in unserer Gesellschaft mit ihren vielen Problemen sein, mit ihren Gefahren, aber auch mit der vielen Korruption, die es in ihr gibt.“ So würden die Christen – wenn sie tatsächlich „Menschen des rechten Weges“ seien – ihrem Missionsauftrag gerecht werden.