Benedikt XVI. in Cassino: „Die europäische Kultur ist die Suche nach Gott gewesen“

Für eine neue Menschheit im Zeichen der Aufnahmebereitschaft

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CASSINO, 25. Mai 2009 (ZENIT.org).- Was heute am meisten wahrgenommen wird, ist die Notwendigkeit, einen neuen Humanismus aufblühen zu lassen, der offen ist für die Suche nach Gott und die Bedürfnisse der Armen und sozial Schwachen wahrnimmt. Das ist der Kernaussage der Predigt, die Papst Benedikt XVI. gestern, Sonntag, bei seinem Besuch in der italienischen Stadt Cassino vor rund 20.000 Gläubigen hielt.



Die 14. Apostolische Reise des Papstes innerhalb Italiens führte den Heiligen Vater für einen Tag in eines der benediktinischen Herzen der italienischen Halbinsel. 29 Jahre nach Papst Johannes Paul II. (20. September 1980) besuchte ein weiterer Nachfolger des Petrus einen Landstrich und eine Stadt, die während des Zweiten Weltkrieges große Zerstörungen erlitten hatten.

Der erste Programmpunkt bestand in der Feier der heiligen Messe auf der „Piazza Bendetto XVI“ zum Hochfest Christi Himmelfahrt, das in Italien am gestrigen Sonntag gefeiert wurde. Der Stadtrat von Cassino hatte beschlossen, dass die vormalige Piazza Miranda mit dem Papstbesuch, also ab dem 25. Mai, einen neuen Namen bekomme - den des Papstes.

Die für die Eucharistiefeier errichtete Tribüne war mit liturgischen Ausstattungen geschmückt, die aus der Abtei von Montecassino stammten. Besonders erwähnenswert sind ein Bild der in den Himmel aufgenommenen Gottesmutter Maria, vor dem der Papst zu einem kurzen stillen Gebet innehielt, und eine Holzstatue aus dem 14. Jahrhundert, die den heiligen Benedikt von Nursia zeigt.

Der Baldachin und der Thron, auf dem der Heilige Vater Platz nahm, gehen auf das 18. Jahrhundert zurück. Bereits Papst Paul VI. hatte sie während der Messe am 24. Oktober 1964 benutzt. Bei dieser Gelegenheit hatte er die Basilika von Montecassino geweiht und den heiligen Benedikt zum ersten Patron Europas ausgerufen.

Benedikt XVI. verwies in seiner Predigt auf die Aktualität der monastischen benediktinischen Tradition, und er bekräftigte den Aufruf des heiligen Benedikts, Christus nichts voranzustellen. „In eurer Abtei berührt man gleichsam mit Händen das ‚quaerere Deum’, das heißt die Tatsache, dass die europäische Kultur die Suche nach Gott und die Bereitschaft dazu gewesen ist, auf ihn zu hören“, so der Papst. „Und dies gilt auch für unsere Zeit.“

Die benediktinische Spiritualität schlage ein Programm vor, das dem Evangelium folge und im Leitspruch „ora et labora et lege“ zusammengefasst sei: „Gebet, Arbeit, Kultur“.

Der Heilige Vater ging anschließend näher auf diese drei Säulen des christlichen Lebens ein, die der heilige Benedikt vorgeschlagen hatte. Das Gebet sei unter ihnen „das schönste Erbe“, das der Gründer des Benediktinerordens den Menschen hinterlassen habe.

„Wenn ihr an jedem Ort und in jedem Bezirk der Diözese den Blick erhebt, könnt ihr jene ständige Mahnung zum Himmel bewundern, die das Kloster von Montecassino darstellt, zu dem ihr jedes Jahr anlässlich der Pfingstvigil in Prozession hochsteigt.“

Das Gebet, zu dem die Glocke des heiligen Benedikts jeden Morgen die Mönche mit ihrem schweren Geläut einlade, sei der kostbare Weg, der direkt in das Herz Gottes führe: „Es ist der Atem der Seele, der uns in den Stürmen des Lebens neuen Frieden schenkt.“

Die Mönche hätten in der Schule des heiligen Benedikts stets eine besondere Liebe zum Wort Gottes in der „lectio divina“ gepflegt, die heute gemeinsames Erbe vieler geworden sei. In diesem Sinn lud der Papst die Gläubigen dazu ein, durch das Hinhören auf das Wort Gottes zu „Propheten der Wahrheit und der Liebe“ zu werden, die sich für die Evangelisierung und Förderung des Menschen einsetzen.

Die christliche Gemeinschaft sei heute wie damals, als Hüter der vom Geist des heiligen Benedikts durchdrungenen Sendung, dazu aufgerufen „zu verkünden, dass in unserem Leben nichts und niemand Jesus den ersten Platz nehmen darf“. Die Sendung, im Namen Christi eine neue Menschheit im Zeichen der Aufnahmebereitschaft und der Hilfe für die Schwächsten zu errichten, müsse verwirklicht werden.

Am Ende der heiligen Messe erinnerte der Papst die Anwesenden vor dem Mariengebet des „Regina caeli“ daran, dass er seine jüngste Reise in das Heilige Land als „Pilger des Friedens“ unternommen habe. In diesem Zusammenhang betonte er, „dass der Friede an erster Stelle Geschenk Gottes ist und somit seine Kraft im Gebet liegt“. Dieses Geschenk sei aber auch des Einsatzes des Menschen anvertraut, eines Einsatzes, der seine Kraft aus dem Gebet beziehe. Deshalb sei es von grundlegender Bedeutung, „ein echtes Gebetsleben zu pflegen, um die gesellschaftliche Weiterentwicklung im Frieden zu gewährleisten“.

Die Geschichte des Mönchtums lehre die Menschen, „dass eine große kulturelle Entfaltung durch das alltägliche Hören auf das Wort Gottes vorbereitet wird, das die Gläubigen zu einer persönlichen und gemeinschaftlichen Bemühung drängt, gegen jede Form von Egoismus und Ungerechtigkeit zu kämpfen“. Um zu wahren Friedensstiftern zu werden, gelte es zu lernen, „das Übel in sich selbst und in den Beziehungen mit den anderen zu bekämpfen und zu besiegen“.