Benedikt XVI. in der Heiligen Nacht: Gott lässt sich nicht aussperren

Es gibt Menschen, „die sein Licht sehen und es weitertragen“

| 2131 klicks

ROM, 25. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Die Menschheit sehne sich mehr oder weniger bewusst danach, „dass Gott sich unser annehme, aus seiner Verborgenheit heraustrete, die Welt heil werde und er alles erneuere“, bekräftigte Benedikt XVI. während der Christmette 2007 im Petersdom. Die Frage sei aber: „Haben wir Zeit und Raum für Gott? Kann er hereintreten in unser Leben? Findet er Raum bei uns, oder haben wir alle Räume unseres Denkens, Handelns, Lebens für uns selbst besetzt?“



Den päpstlichen Appell, sich nicht mehr nur mit den eigenen Dingen zu beschäftigen, um für die anderen und Gott offen zu sein, vernahmen neben Tausenden von Gläubigen, die die Petersbasilika bis auf den letzten Platz füllten, auch jene Millionen von Menschen, die in rund 60 Nationen die Fernsehübertragungen von 98 Rundfunkanstalten mitverfolgten beziehungsweise all jene, die über Radio zugeschalten waren.

Mit dem Heiligen Vater konzelebrierten mehr als 30 Kardinäle sowie zahlreiche Bischöfe und Priester. Viele Pilger nahmen vom Petersplatz aus an der Heiligen Messe teil. Dank riesiger Videowände konnten sie jede Einzelheit wahrnehmen.

Vier Kinder nahmen im Namen aller Kinder dieser Welt an der Eröffnungsprozession teil, brachten dem Jesuskind Blumen und dem Heiligen Vater einige Gaben. Als Benedikt XVI. das „Gloria“ anstimmte, läuteten die Gläubigen, und das Jesuskind wurde zum Altar getragen, neben das Evangelium.

Die Worte aus dem Lukasevangelium: „Weil in der Herberge kein Platz ist für ihn“, sind nach Worten Benedikts XVI. in ganz besonderer Weise auch auf uns heute gemünzt: „Der Gesandte kommt zu den Seinigen, aber man will ihn nicht... Der, durch den die Welt geworden ist, das schöpferische Urwort, tritt in die Welt herein, aber es wird nicht gehört, wird nicht angenommen.“

Die Weihnachtsbotschaft zeige allen dieses „Dunkel einer verschlossenen Welt“, eine Wirklichkeit, die man täglich erlebe. „Aber sie sagt uns auch, dass Gott sich nicht aussperren lässt...Dass es Menschen gibt, die sein Licht sehen und es weitertragen.“

Vor allem bezog sich hier Benedikt XVI. auf die Mutter Jesu, ihren Gemahl, die Hirten und die Heiligen Drei Könige. Und „so wie wir bei Lukas der Liebe der Mutter Maria und der Treue des heiligen Josef, der Wachheit der Hirten und ihrer großen Freude begegnen, bei Matthäus dem Besuch der Weisen, die von weither gekommen sind, so sagt uns auch Johannes: Denen aber, die ihn aufnahmen, gab er die Vollmacht, Kinder Gottes zu werden. Es gibt diejenigen, die ihn aufnehmen, und so wächst leise vom Stall, von außen her das neue Haus, die neue Stadt, die neue Welt.“

Ob man nun selbst ein Hirte oder ein Weiser – „das Licht und seine Botschaft rufen uns aufzubrechen, herauszugehen aus der Verschlossenheit in unsere eigenen Wünsche und Interessen auf den Herrn zu und ihn anzubeten. Wir beten ihn an, indem wir die Welt öffnen für die Wahrheit, für das Gute, für Christus, für den Dienst an denen, die am Rande stehen und in denen er auf uns wartet.“

Am Ende der Heiligen Nacht wurde das Jesuskind in Prozession zur Krippe getragen, die in einer Seitenkapelle des Petersdoms aufgebaut worden war. Der Heilige Vater und die Konzelebranten beten einige Zeit vor der Weihnachtsszene, während das berühmteste italienische Weihnachtslied gesungen wurde: „Tu scendi dalle stelle, oh re del cielo... - „Steig herab von den Gestirnen, o Himmelskönig...“, eine Komposition des heiligen Alfonso Maria de Liguori (1696-1787).

Von Marta Lago und Dominik Hartig