Benedikt XVI. in Österreich – ein starkes Zeichen

Von Herbert Schambeck

| 754 klicks

WÜRZBURG, 12. September 2007 (Die-Tagespost.de/ ZENIT.org).- Der Österreich-Besuch Benedikts XVI. anlässlich der 850-Jahrfeier von Mariazell ist vorbei. Der Auftrag aber, wie es der Heilige Vater ausdrückte, „mit Maria auf Christus zu schauen“, er bleibt. Das Jubiläum des Gnadenortes, der über Österreich hinaus eine pastorale Wirkkraft auch auf die benachbarten Nationen hat, war Anlass zur Besinnung. Papst Benedikt XVI. verstand seinen Besuch als Pilgerfahrt und erklärte wegweisend: „Pilgern heißt, eine Richtung haben, auf ein Ziel zugehen“.



Obgleich diese Pilgerfahrt mit Mariazell als Mittel- und Höhepunkt sowie nach Wien und Heiligenkreuz nur drei Tage dauerte, vermittelte Benedikt XVI. ein Programm für das spirituelle und soziale Leben, dessen Bedeutung weit über Österreich hinausgeht. Im Kern ging es darum, ganz im Sinne des Zweitens Vatikanums, Kirche in der Welt von heute zu sein. Diese Welt sucht Benedikt XVI. in ihrer Pluralität anzusprechen: Er betonte die Unverzichtbarkeit der Frage nach der Wahrheit und rief dazu auf, auch mit Andersgläubigen und Andersdenkenden über die Bedeutung allgemein anerkannter Werte zu sprechen, um den Gefahren des Relativismus zu begegnen.

Erneut trat Benedikt XVI. für den Schutz des Lebens „von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende“ ein. Dafür gebührt ihm Dank. Was in der Öffentlichkeit bei der Kritiksucht mancher Kreise zu wenig beachtet wurde, ist, dass der Papst auch die Nöte vieler Frauen angesprochen und die Kirche zur verstärkten Hilfe aufgerufen hat. In seinen Ansprachen gab Benedikt XVI. Wegweisungen zur Glaubensvertiefung und zur Glaubwürdigkeit. Eben dies braucht die Kirche in unserer Zeit. Treffend betonte der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari: „Ohne tiefe, starke Wurzeln kann ein Baum mit breiter Krone nicht bestehen“. Der Glaube ist ein Weg zu Kraft und Menschlichkeit und nicht zur Macht. Auch dies machte der Heilige Vater deutlich. Menschlichkeit als Für- und Miteinander prägte auch diese Pilgerreise. Das gilt für die Art und Weise, wie Benedikt XVI. auftrat und sprach. Und es gilt für die hervorragende Organisation, die mit dem Zusammenwirken von Kirche und Staat wie von Priestern und Laien ein beeindruckendes Beispiel gab.

Dass in Mariazell über 33.000 Pilgern dem Regen trotzten, war ein starkes Zeichen, das nicht wegdiskutiert werden kann. Sie waren Bekenner und keine Diskutanten, die es bei solchen Anlässen auch immer gibt. Beide werden den Weg der Kirche begleiten und, wie zu wünschen wäre, in einem „sentire cum ecclesia“ auf Christus hin ihr Ziel finden.

[Der Autor Universitätsprofessor Dr. Dr. Herbert Schambeck ist Präsident des Österreichischen Bundesrates i.R., Wien; © Die Tagespost vom 11. September 2007]