Benedikt XVI.: Interkultureller Dialog im Dienst des echten Humanismus

Ansprache zum 25. Jahrestag der Gründung des Päpstlichen Rates für die Kultur

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ROM, 15. Juni 2007 (ZENIT.org).- Der Päpstliche Rat für die Kultur feiert sein 25-jähriges Bestehen. Das Dikasterium, das gegenwärtig Kardinal Paul Poupard leitet, wurde von Papst Johannes Paul II. mit einem entsprechenden Motu proprio an den damaligen Kardinal-Staatsekretär am 20. Mai 1982 gegründet. Der Papst hatte dem Rat das Ziel gesetzt, „dem Einsatz der Kirche bei der Begegnung des Evangeliums mit der Vielfalt der Kulturen in den verschiedenen Teilen der Welt einen neuen Impuls zu geben“.



Mit dem Apostolischen Schreiben in Form eines Motu proprio „Inde a Pontificatus“ vom 25. März 1993 legte Johannes Paul II. dann den Päpstlichen Rat für den Dialog mit den Nichtglaubenden (1965 durch Paul VI. gegründet) und den Päpstlichen Rat für die Kultur zusammen; diese vereinte Organisation trägt heute den Namen „Päpstlicher Rat für die Kultur“.

In seiner Ansprache vor den Teilnehmern eines Studienseminars anlässlich des Jahrestages dankte Papst Benedikt XVI. Kurienkardinal Poupard für die seit 1988 geleistete Arbeit. Wenn die Kirche mit der Welt der Kultur in Verbindung trete, so der Heilige Vater, stelle sie stets den Menschen in den Mittelpunkt. Der Mensch sei sowohl der Urheber der kulturellen Aktivität als auch ihr letzter Adressat.

Benedikt XVI. erinnerte seine Gäste am Freitag im Vatikan an die Absicht, die sein Vorgänger Johannes Paul II. mit dem Päpstlichen Rat verbunden hatte. Er habe unter anderem hervorgehoben, dass er mit allen den Dialog suchen müsse, ohne auf kulturelle oder religiöse Unterschiede zu achten. Dieser Aspekt der Arbeit des Rates habe seine volle Bedeutung bestätigt gesehen, da die Welt heute noch stärker von gegenseitiger Abhängigkeit gezeichnet sei, insbesondere aufgrund der Entwicklung der Kommunikationsmittel und des sich daraus ergebenden Netzes von sozialen Beziehungen.

„Aus diesem Grund ist es für die Kirche noch notwendiger, die kulturelle Entwicklung zu fördern, indem sie sich auf die menschliche und geistliche Qualität der Botschaften und Inhalte konzentriert, da die Kultur von heute unausweichlich von den Prozessen der Globalisierung betroffen ist.“ Diese Prozesse müssen nach Worten des Papstes ständig mit einer wachsamen Unterscheidungskraft begleitet werden, damit sie sich nicht gegen den Menschen wendeten.

Benedikt XVI. erinnerte zudem an die Tagung, die das Dikasterium organisiert hatte. Auf der einen Seite gehe es dabei um die Beziehung zwischen Glaube und Kultur, auf der anderen Seite werde diese Beziehung in ihrer heutigen Erscheinungsform in Asien, Amerika und Afrika betrachtet. Diese Art der Reflexion sei aufgrund des neuen soziokulturellen Kontextes notwendig.

Papst Benedikt betonte, dass die Geschichte der Kirche in untrennbarer Weise Geschichte der Kultur und der Kunst sei. „Werke wie die ‚Summa theologiae‘ des heiligen Thomas von Aquin, die Göttliche Komödie, die Kathedrale von Chartres, die Sixtinische Kapelle oder die Kantaten von Johann Sebastian Bach bilden auf ihre Weise unvergleichbare Zusammenfassungen des christlichen Glauben und des Ausdrucks von Menschlichkeit. Wenn sie aber gewissermaßen die Höhepunkte einer derartigen Synthese von Glauben und Kultur darstellen, so verwirklicht sich deren Begegnung doch im Alltag und in der Arbeit der Getauften, in jenem verborgenen Kunstwerk, das die Geschichte der Liebe eines jeden mit dem lebendigen Gott und mit den Brüdern ist, in der Freude und in den Mühen der Nachfolge Christi in der Alltäglichkeit der Existenz.“

Heute sei die gegenseitige Offenheit zwischen den Kulturen mehr denn je „ein bevorzugter Boden für den Dialog unter den Menschen, die sich für eine Suche nach einem echten Humanismus einsetzen – jenseits der Divergenzen, die sie trennen“. Auch im Bereich der Kultur, so Benedikt XVI. weiter, habe das Christentum allen Menschen die mächtigste Kraft zur Erneuerung und zur Erhöhung zu bieten: die Mensch gewordene Liebe Gottes.