Benedikt XVI.: Johannes Chrysostomos, großer Vater der Soziallehre der Kirche

Zweite Generalaudienz im Zeichen des Kirchenvaters aus dem vierten Jahrhunderts

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ROM, 26. September 2007 (ZENIT.org).- Die Urkirche ist für den heiligen Kirchenvater Johannes Chrysostomus das Vorbild für das Wesen und den Aufbau einer neuen Gesellschaft.



Im zweiten Teil seiner Katechese über den großen Heiligen der West- und Ostkirche legte Papst Benedikt XVI. heute, Mittwoch, die stürmische und harte Zeit des heiligen Johannes als Bischof von Konstantinopel, dem „Neuen Rom“, dar und erinnerte an die herausragende Stellung, die der Heilige beim Aufbau der liturgischen Tradition einnimmt. Der großartige Rhetoriker ist nach Worten des Papstes zudem für seine Sorge um die Ärmsten und Schwächsten bekannt gewesen und habe sich durch die Einrichtung verschiedener karitativer Institutionen ausgezeichnet.

Benedikt XVI. erinnerte die Gläubigen daran, dass die Reliquien des Johannes Chrysostomos im Petersdom verwahrt werden. In diesem Zusammenhang gedachte er der großzügigen Geste Johannes Pauls II., der im Jahr 2004 einen beträchtlichen Teil dieser Reliquien dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., als Zeichen der Brüderlichkeit übergeben hatte.

Ausgehend vom Kommentar des Kirchenvaters zur Genesis, erläuterte der Heilige Vater wesentliche anthropologische und theologische Aspekte im Verhältnis der Schöpfung zu seinem Schöpfer und umgekehrt.

Johannes Chrysostomus beschreibe die kosmische Ordnung in der Auseinandersetzung eines göttlich-menschlichen Vierschrittes: Die Schöpfung ist zum einen „Leiter“, die hinführt zu Gott. Aufgrund der Schwäche des Menschen schickt ihm Gott allerdings einen „Brief“ – die Heilige Schrift. Diesen zweiten Schritt nannte Papst Benedikt die „Herablassung“ Gottes zu seinem Geschöpf, der sich dadurch als „zarter Vater“ und „Arzt der Seelen“ zu erkennen gebe. Durch den dritten Schritt, die Menschwerdung Gottes, macht sich Gott zum „Gott mit uns“. Und das vierte Elemente der Offenbarung Gottes verwirklicht sich im Heiligen Geist, der die Welt verwandelt: „Gott tritt ein in unsere Existenz durch den Heiligen Geist und wandelt uns vom Innern unseres Herzens her um“, so Benedikt XVI.

Vor diesem Anwesen Gottes mit der Schöpfung habe Johannes dann sein neues Gesellschaftsmodell nach dem Vorbild der Urkirche entwickelt – ein Modell, das im Neuen Testament gründe. Benedikt XVI. erläuterte, wie Johannes das antike Modell der griechischen Polis durch das neue Modell der „christlichen Stadt“ ersetzt, in deren Mittelpunkt der Mensch als solcher steht. Die christliche Stadt baue somit auf dem „Primat der Person“ auf und erkläre sich von der wahren Heimat des Christen im Himmel her, die die Christen auch auf der Erde zu Brüdern und Schwestern mache.

Das letzte Ziel der Existenz habe Johannes Chrysostomus in der Ehre Gottes ausgemacht, des Gottes, der alle mit seiner unendlichen Liebe liebt.

Die großen Katechesen der Generalaudienzen hat der Heilige Vater bisher in drei Zyklen eingeteilt. Der erste Zyklus über die Psalmen bestand in einer Fortsetzung der noch von Johannes Paul II. begonnen Katechesenreihe. Der zweite Zyklus beschäftigte sich mit den Aposteln und den großen Gestalten der frühen Kirche. Im jetzigen dritten Zyklus stellt Benedikt XVI. die bedeutendsten Kirchenväter in ihrer Theologie, Philosophie, Biographie und in ihrem geistlichen Leben dar.