Benedikt XVI.: Katholische Journalisten sind "Werkzeuge zur Verbreitung der christlichen Botschaft" (2. Juni 2006)

Ansprache an die Mitarbeiter der italienischen Tageszeitung "Avvenire", des Fernsehsenders "Sat2000", der Radioanstalt "InBlu" und der Nachrichtenagentur "SIR"

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ROM, 7. Juli 2006 (ZENIT.org).- Katholische Medienleute sind dazu berufen, "das Evangelium Christi ins Leben der Nation zu tragen", betonte Papst Benedikt anlässlich eines Empfangs für italienische Journalisten Anfang Juni im Vatikan.



Der Papst benannte in seiner Ansprache, die der Heilige Stuhl nun in deutscher Übersetzung vorgelegt hat, die großen Herausforderungen unserer Tage und wies zugleich darauf hin, dass ebenso eine neue "Lebendigkeit des Glaubens" wahrzunehmen sei. Vor diesem Hintergrund bestehe die Aufgabe katholischer Journalisten darin, "die aufkommenden neuen christlichen Erfahrungen zu unterstützen und zu fördern und den an ihnen teilhabenden Christen zu helfen, ein immer deutlicheres Bewusstsein zu entwickeln für die eigene kirchliche Verwurzelung sowie für die Rolle, die sie in der Gesellschaft und Kultur Italiens wahrnehmen können".

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Herr Kardinal,
verehrte Mitbrüder im Bischofsamt,
liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Es ist mir eine Freude, heute die Mitarbeiter der katholischen Tageszeitung "Avvenire", des Fernsehsenders "Sat2000", der Radioanstalt "InBlu" und der Agentur "Sir" im Vatikan empfangen zu können. Diese stellen eine sehr bedeutsame mediale Wirklichkeit dar, die mit der Italienischen Bischofskonferenz verbunden ist, als deren Vertreter ich ihren Vorsitzenden, Kardinal Camillo Ruini, hochachtungsvoll hier begrüße. Darüber hinaus begrüße ich herzlich jeden von euch und danke dem Direktor der Tageszeitung "Avvenire" und des Fernsehkanals "Sat2000" für die freundlichen Worte, die er im Namen aller Anwesenden an mich gerichtet hat.

Liebe Freunde, ihr erfüllt in der Tat eine wichtige Funktion, denn auch durch euren Beitrag wird das Bemühen der italienischen Katholiken fortgesetzt, das Evangelium Christi ins Leben der Nation zu tragen. Gern erinnere ich mich daran, dass Paul VI. in den Jahren unmittelbar nach dem Konzil ausdrücklich wünschte, dass der "Avvenire" als nationale katholische Tageszeitung entstehen möge. Dann war es eine mutige Entscheidung, eure Arbeit durch die Anwendung modernster Technik auf Rundfunk- und Fernsehsendungen auszuweiten, wie es im Konzilsdekret Inter Mirifica als Wunsch zum Ausdruck gekommen war (vgl. 13-14). So seid ihr eines der Werkzeuge zur Verbreitung der christlichen Botschaft in Italien geworden.

Um die Bedeutung der Arbeit, der ihr euch Tag für Tag widmet, in ihrer ganzen Bandbreite zu erfassen, kann eine kurze Reflexion über die Beziehungen zwischen Glauben und Kultur, wie sie sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt haben, von Nutzen sein. Wie ihr wisst, hat sich die europäische Kultur im Laufe der Jahrhunderte unter Mitwirkung des Christentums herausgebildet. Seit der Aufklärung hat sich die westliche Kultur dann mit zunehmender Geschwindigkeit von ihren christlichen Grundlagen entfernt. Besonders in jüngster Zeit zeigen sich uns im Zerfall von Ehe und Familie, in den Angriffen auf das menschliche Leben und seine Würde, in der Reduzierung des Glaubens auf eine subjektive Erfahrung und in der daraus folgenden Säkularisierung des öffentlichen Bewusstseins die Folgen dieser Entfernung von den christlichen Grundlagen der Kultur. In verschiedenen Teilen Europas gibt es jedoch Erfahrungen und Ausdrucksweisen christlicher Kultur, die sich behaupten oder die mit wachsendem Elan wieder zum Vorschein kommen. Insbesondere ist im Leben des italienischen Volkes der katholische Glaube grundsätzlich noch vorhanden, und jeder kann sehen, dass Anzeichen einer neuen Lebendigkeit des Glaubens vorhanden sind. Eure Arbeit als Kommunikatoren, die sich am Evangelium orientieren, erfordert daher ständiges Urteilsvermögen. Wie ihr wisst, sind die Hirten der Kirche in Italien bemüht, jene christlichen Formen zu bewahren, die aus der großen Tradition des italienischen Volkes kommen und das gemeinschaftliche Leben prägen, indem sie sie aktualisieren, sie gegebenenfalls reinigen, sie vor allem aber festigen und fördern. Eure Aufgabe ist es auch, die aufkommenden neuen christlichen Erfahrungen zu unterstützen und zu fördern und den an ihnen teilhabenden Christen zu helfen, ein immer deutlicheres Bewusstsein zu entwickeln für die eigene kirchliche Verwurzelung sowie für die Rolle, die sie in der Gesellschaft und Kultur Italiens wahrnehmen können.

All das, liebe Freunde, gehört zu eurer täglichen Arbeit, einer Arbeit, die nicht auf abstrakte oder rein intellektuelle Weise durchgeführt werden kann, sondern die den unzähligen Aspekten des konkreten Lebens eines Volkes, seinen Problemen, seinen Nöten und seinen Hoffnungen Beachtung schenken muss. Möge euch in eurer Arbeit die Gewissheit unterstützen und ermutigen, dass der christliche Glaube offen ist für all das, was in der Kultur der Völker "wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist", wie der Apostel Paulus die Philipper lehrte (vgl. Phil 4,8). Setzt also euer Werk in diesem Geist und mit dieser Haltung fort, indem ihr selbst ein leuchtendes Zeugnis ablegt von einem tief christlichen Leben und dafür stets fest mit Christus verbunden bleibt, um die Welt mit seinen Augen betrachten zu können. Seid glücklich über die Tatsache, zur Kirche zu gehören und ihre Stimme und Überzeugungen in das große Kommunikationsnetz einzubringen. Werdet nicht müde, Brücken der Verständigung und der Kommunikation zwischen der kirchlichen Erfahrung und der öffentlichen Meinung zu bauen. So könnt ihr Hauptakteure einer Kommunikation sein, die Stellungnahmen nicht ausweicht, sondern wirklich und aufrichtig im Dienst am Menschen von heute steht.

Ich wünsche von Herzen, dass einer solchen Kommunikation die Aufmerksamkeit und Unterstützung der Katholiken und aller um die wahren Werte bemühten Italiener zukommen möge. Meinerseits versichere ich euch meiner ständigen Nähe. Damit eure Arbeit immer reichere Früchte tragen möge, erteile ich euch und euren Familien von Herzen den Apostolischen Segen als Unterpfand des Lichtes und der Kraft, die Gott allein in die Herzen seiner Kinder legen kann.

[© Copyright 2006 - Libreria Editrice Vaticana]