Benedikt XVI.: Kein Friede ohne Kenntnis der Wahrheit über Gott und den Menschen

Botschaft zum Weltfriedenstag am 1. Januar 2006

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ROM, 13. Dezember 2005 (ZENIT.org).- In seiner heute, Dienstag, veröffentlichten Botschaft \"In der Wahrheit liegt der Friede\" zum Weltfriedenstag 2006 ruft Benedikt XVI. allen Menschen ins Bewusstsein, dass der Friede, \"um authentisch und anhaltend zu sein, auf dem Fels der Wahrheit Gottes und der Wahrheit des Menschen aufgebaut sein muss\".



Wenn er sich vom Glanz der Wahrheit erleuchten lasse, schlage der Mensch \"fast selbstverständlich den Weg des Friedens\" ein. Allerdings müsse er sich zuvor \"in einer inneren Erneuerung der Wahrheit des Friedens zuwenden\". Nur dann könne die Welt wirklich menschlicher werden, betont der Heilige Vater in seiner ersten Botschaft zum Weltfriedenstag, der am 1. Januar 2006 zum 39. Mal begangen werden wird.

Um diese \"Wahrheit des Friedens\" zu verstehen, müsse man zunächst begreifen, dass Friede nicht bloß das Nichtvorhandensein von Krieg bedeute, sondern vielmehr die Frucht jener Ordnung sei, \"die ihr göttlicher Gründer selbst in die menschliche Gesellschaft eingestiftet hat\" und der jeder Mensch in seinem Umfeld zum Durchbruch verhelfen muss. So gesehen \"gestaltet sich der Friede als himmlische Gabe und göttliche Gnade, die auf allen Ebenen die praktische Übernahme der größten Verantwortung erfordert, nämlich der, die menschliche Geschichte in Wahrheit, Gerechtigkeit, Freiheit und Liebe der göttlichen Ordnung anzupassen\".

Hindernisse auf dem Weg zum Frieden

Der Friede könne nicht Wirklichkeit werden, \"wenn man sich nicht mehr an die transzendente Ordnung der Dinge hält und die \'Grammatik\' des Dialogs, das in das Herz des Menschen eingeschriebene allgemeine Sittengesetz, nicht mehr anerkennt; wenn die ganzheitliche Entwicklung der Person und der Schutz ihrer Grundrechte behindert und verhindert wird; wenn viele Völker gezwungen sind, unerträgliche Ungerechtigkeiten und Missverhältnisse zu erleiden\", mahnt Papst Benedikt.

Lüge, Krieg und Terrorismus verurteilt der Nachfolger des Apostel Paulus ebenso nachdrücklich wie den \"besorgniserregenden Anstieg der Militärausgaben und den stets blühenden Waffenhandel\".

Die \"Wahrheit des Friedens\" verlange von allen Menschen, \"fruchtbare und aufrichtige Beziehungen zu pflegen, und regt dazu an, die Wege des Verzeihens und der Versöhnung zu suchen und zu gehen sowie ehrlich zu sein in den Verhandlungen und treu zum einmal gegebenen Wort zu stehen.\" Der Gläubige wende sich mit der Bitte um Frieden an Jesus, der die Wahrheit in Person ist und tiefe Abneigung gegen jeden habe, \"der die Lüge liebt und tut\". Jesus enthülle \"die volle Wahrheit des Menschen und der Geschichte (…). Mit der Kraft seiner Gnade ist es möglich, in der Wahrheit zu stehen und aus der Wahrheit zu leben, denn nur er ist völlig wahrhaftig und treu. Jesus ist die Wahrheit, die uns den Frieden gibt.\"

Die Ursachen für den Terrorismus, der die heutige Welt in Angst und Schrecken versetzt, sieht der Heilige Vater im Nihilismus und im Fundamentalismus, die beide in einem falschen Verhältnis zur Wahrheit stehen: \"Die Nihilisten leugnen die Existenz jeglicher Wahrheit, die Fundamentalisten erheben den Anspruch, sie mit Gewalt aufzwingen zu können. Obwohl sie verschiedenen Ursprungs sind und in unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen beheimatete Erscheinungen darstellen, stimmen Nihilismus und Fundamentalismus überein in einer gefährlichen Verachtung des Menschen und seines Lebens und – im Endeffekt – Gottes selbst. An der Basis dieses gemeinsamen tragischen Resultates steht nämlich letztlich die Verdrehung der vollen Wahrheit Gottes: Der Nihilismus leugnet seine Existenz und seine sorgende Gegenwart in der Geschichte; der fanatische Fundamentalismus verzerrt sein liebevolles und barmherziges Angesicht und setzt an seine Stelle nach eigenem Bild gestaltete Götzen.\"

Das \"Evangelium des Friedens\" verbreiten

Benedikt XVI. ruft alle Katholiken dazu auf, überall das \"Evangelium des Friedens\" zu verkündigen. Jeder müsse erfahren, dass Gott die Liebe ist, \"die rettet; ein liebevoller Vater, der sehen möchte, dass seine Kinder sich gegenseitig als Geschwister erkennen, die verantwortlich danach streben, die verschiedenen Begabungen in den Dienst des Allgemeinwohls der menschlichen Familie zu stellen. Gott ist eine unerschöpfliche Quelle der Hoffnung, die dem persönlichen wie dem kollektiven Leben Sinn verleiht. Gott, allein Gott lässt jedes gute Werk und jedes Werk des Friedens wirksam werden.\" In diesem Zusammenhang weist der Heilige Vater darauf hin, \"dass der Kampf gegen Gott, um ihn aus den Herzen der Menschen zu tilgen, die Menschheit verängstigt und verarmt in Entscheidungen führt, die keine Zukunft besitzen\". Diese Tatsache müsse die Christgläubigen anspornen, \"überzeugende Zeugen des Gottes zu werden, der untrennbar Wahrheit und Liebe ist, indem sie sich in einer umfassenden Zusammenarbeit auf ökumenischer Ebene und im Kontakt mit den anderen Religionen sowie mit allen Menschen guten Willens in den Dienst des Friedens stellen\".

Die \"Wahrheit des Friedens\", die der Papst in seiner neuen Botschaft offen legt, verlange von der internationalen Staatengemeinschaft wieder jenen Mut und jene Weisheit, \"überzeugt und vereint die Abrüstung zu propagieren und so dem Recht auf Frieden, das jedem Menschen und jedem Volk zusteht, konkret zur Anwendung zu verhelfen. Wenn sich die verschiedenen Organe der Internationalen Gemeinschaft für die Rettung des Gutes des Friedens einsetzen, können sie jenes Ansehen wiedergewinnen, das unentbehrlich ist, um ihre Initiativen glaubwürdig und wirksam zu machen.\"

Die Kirche werde ihrerseits weiterhin unermüdlich der Aufgabe nachkommen, die sie von ihrem Gründer empfangen hat und darin besteht, \"überall das \'Evangelium des Friedens\' zu verkünden. Da sie von dem festen Bewusstsein durchdrungen ist, denen, die sich der Förderung des Friedens widmen, einen unentbehrlichen Dienst zu leisten, ruft sie allen ins Gedächtnis, dass der Friede, um authentisch und anhaltend zu sein, auf dem Fels der Wahrheit Gottes und der Wahrheit des Menschen aufgebaut sein muss. Allein diese Wahrheit kann die Herzen empfindsam für die Gerechtigkeit machen, sie der Liebe und der Solidarität öffnen und alle ermutigen, für eine wirklich freie und solidarische Menschheit zu arbeiten. Ja, allein auf der Wahrheit Gottes und des Menschen ruhen die Fundamente eines echten Friedens.\"