Benedikt XVI.:Lasst euren Glauben reifen

Kirche nur in Verbindung mit dem Nachfolger Petri

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MADRID, 21 August 2011 (ZENIT.org). - Der Glaube ist ein Geschenk Gottes, der uns zur Teilhabe am innergöttlichen Leben einlädt und uns zum Teilen der Glaubensfreude mit den Mitmenschen bewegt. Diesen Gedanken legte Papst Benedikt XVI. in seiner Predigt im Abschlussgottesdienst des Weltjugendtages mit über einer Million Jugendlichen dar. Er erklärte hierbei die Notwendigkeit einer persönlichen Glaubensentscheidung, der lebendigen Teilnahme am Leben der Kirche und des Glaubenszeugnisses, um Christus persönlich zu begegnen und immer tiefer kennenzulernen.

Der Heilige Vater bekannte zu Beginn seiner Predigt, dass er sich über die versammelten Jugendlichen freue und von der Liebe erfüllt sei, die Jesus zu ihnen habe. „Ja, der Herr liebt euch, und er nennt euch seine Freunde (vgl. Joh15,15). Er kommt euch entgegen und will euch auf eurem Weg begleiten, um euch die Türen zu einem erfüllten Leben zu öffnen und euch an seiner innigen Beziehung zum Vater teilhaben zu lassen.“ Der Papst forderte die Jugendlichen auf, auf die Größe der Liebe Jesu durch den Vorsatz zu antworten, die empfangene Freude auch mit den anderen zu teilen. Denn heute fühlten sich viele Menschen von Jesus angezogen und wollten ihn tiefer kennenlernen in der Hoffnung, dass er auf ihre persönlichen Fragen eine Antwort geben könne. „Aber“, fragte der Papst, „wer ist er wirklich? Wie kann einer, der vor so vielen Jahren auf der Erde gelebt hat, mit mir heute etwas zu tun haben?“

Die Antwort auf diese Frage erklärte Benedikt XVI. anhand des Evangeliums (vgl. Mt. 16,13-20), dass zwei Weisen der Erkenntnis Christi sichtbar mache. Zum einen könne man Christus äußerlich anhand der gängigen Meinung kennenlernen. Viele Menschen sähen dementsprechend in Jesus „eine weitere religiöse Persönlichkeit neben den bereits bekannten“. Doch Jesus verlange von seinen Aposteln eine persönliche Antwort des Glaubens, in der sich eine zweite, tiefere Weise der Erkenntnis Christi zeige. Denn der Glaube „geht weit über die rein empirischen oder historischen Daten hinaus und ist imstande, das Geheimnis der Person Christi in ihrer Tiefe zu erfassen“, so der Papst.

Der Glaube an die Gottessohnschaft Jesu sei in erster Linie ein Geschenk Gottes und nicht die Frucht menschlicher Anstrengung und Reflexion. „Er hat seinen Ursprung in der Initiative Gottes, die uns sein Innerstes enthüllt und uns zur Teilhabe an seinem göttlichen Leben einlädt. Der Glaube liefert nicht nur irgendeine Information über die Identität Christi, sondern er setzt eine persönliche Beziehung zu ihm voraus, die Zustimmung der ganzen Person mit ihrem Verstand, ihrem Willen und ihren Gefühlen zur Selbstoffenbarung Gottes.“ Jesus fordere die Jünger daher zu einer persönlichen Entscheidung auf. Der Glaube setze die Nachfolge Jesu voraus. Er müsse daher „gefestigt werden und wachsen, tiefer und reifer werden in dem Maße, in dem die Beziehung zu Jesus, die Vertrautheit mit ihm intensiver und stärker wird“, erläuterte der Heilige Vater. Denselben Weg seien die Apostel bis zur Begegnung mit dem Auferstandenen gegangen, die ihnen die Augen für den vollen Glauben geöffnet habe.

Jesus Christus stelle heute den anwesenden Jugendlichen dieselbe Frage wie damals den Aposteln: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Der Papst ermutigte seine jugendlichen Zuhörer, mutig und großzügig zu antworten. „Sagt zu ihm: Jesus, ich weiß, dass du der Sohn Gottes bist, der sein Leben für mich hingegeben hat. Ich will dir in Treue folgen und mich von deinem Wort leiten lassen. Du kennst mich und liebst mich. Ich vertraue dir und lege mein ganzes Leben in deine Hände. Ich möchte, dass du die Kraft bist, die mich trägt, die Freude, die mich nie verlässt.“

Im Folgenden ging der Heilige Vater auf die Bedeutung der Kirche für den Glauben ein. Jesus Christus habe seine Kirche als Gemeinschaft auf dem Glauben des Petrus errichtet. Daher sei sie mehr als eine rein menschliche Institution. Als Kirche Christi sei sie nicht von ihm zu trennen, so wie man den Leib nicht vom Kopf trennen könne (vgl. 1 Kor 12,12). „Die Kirche lebt nicht von sich selbst, sondern vom Herrn. Er ist in ihrer Mitte gegenwärtig und gibt ihr Leben, Nahrung und Kraft“, legte der Papst dar.

Benedikt XVI. appellierte an die Jugendlichen, den von den Aposteln überlieferten Glauben zu festigen und Christus, den Sohn Gottes, in das Zentrum ihres Lebens zu stellen. Man könne Jesus jedoch nicht allein, sondern nur in der Gemeinschaft der Kirche nachfolgen. Andernfalls bestehe die Gefahr, „Jesus Christus niemals zu begegnen oder letztlich einem Zerrbild von ihm zu folgen“. Er erläuterte: „Glauben haben heißt, dass du dich auf den Glauben deiner Brüder stützt, und dein Glaube ist Stütze für den Glauben der anderen.“ Darum bat er die Jugendlichen eindringlich, die Kirche zu lieben und sich in das kirchliche Leben einzubinden. „Für das Wachsen eurer Freundschaft mit Christus kommt es entscheidend darauf an, dass ihr die grundlegende Bedeutung eurer freudigen Einbindung in die Pfarreien, Gemeinden und Bewegungen ebenso anerkennt wie die Teilnahme an der Eucharistie an jedem Sonntag, den häufigen Empfang des Sakraments der Versöhnung, die regelmäßige Anbetung und die regelmäßige Betrachtung des Wortes Gottes.“

Anschließend beschrieb der Heilige Vater die Sendung zu den Menschen als ein weiteres, notwendiges Element des Glaubenslebens. Aus der Freundschaft mit Jesus gehe der Impuls hervor, Zeugnis für ihn abzulegen auch dort, wo Ablehnung oder Gleichgültigkeit vorherrschten. „Es ist nicht möglich, Christus zu begegnen und ihn nicht den anderen bekannt zu machen. Bewahrt also Christus nicht für euch selbst! Teilt eure Glaubensfreude den anderen mit! Die Welt braucht das Zeugnis eures Glaubens, sie hat Gott gewiss nötig.“ Die versammelten Jugendlichen seien ein Beweis für die Fruchtbarkeit des Missionsauftrages Jesu (vgl. Mt 16,15) . Auch sie seien nun berufen, „Jünger und Missionare Christi in anderen Gegenden und Ländern zu sein, wo es viele junge Menschen gibt, die nach Größerem streben und in ihrem Herzen die Möglichkeit von echteren Werten ausmachen, sich dabei aber nicht von den falschen Verlockungen einer Lebensweise ohne Gott verführen lassen“.

Zum Abschluss seiner Predigt versprach Benedikt XVI. den Jugendlichen sein Gebet und empfahl sie dem besonderen Schutz der Jungfrau Maria. Er bat sie, „für den Papst zu beten, dass er als Nachfolger des Petrus seine Brüder im Glauben weiter stärken kann. Dass wir alle in der Kirche, Hirten und Gläubige, jeden Tag dem Herrn näher kommen, damit wir in der Heiligkeit des Lebens wachsen und so ein wirksames Zeugnis davon geben, dass Jesus Christus wirklich der Sohn Gottes ist, der Erlöser aller Menschen und die lebendige Quelle ihrer Hoffnung. Amen.“ [eo]