Benedikt XVI.: lebt die beharrliche Geduld Christi

Papst betet die Vesper mit den Universitätsstudenten Roms in Vorbereitung auf Weihnachten

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Von Salvatore Cernuzio

VATIKANSTADT, 16. Dezember 2011 (ZENIT.org). – „Bleibt wachsam, Brüder, bis zur Ankunft des Herrn“. Mit diesen Worten aus dem Jakobusbrief empfing Benedikt XVI. die mehr als 10.000 Universitätsangehörigen der italienischen Hauptstadt, die sich am 15. Dezember zum traditionellen Vespergebet im Petersdom versammelt hatten.

Der Papst rief während der feierlichen Vesper die Studenten dazu auf, den Worten des Apostels Jakobus zu folgen, die uns die richtige innere Haltung in Vorbereitung auf Weihnachten vermittelten, dem Fest, an dem die Christen das Fest der Geburt des Erlösers feiern, „erfüllt von Licht, Liebe und Gnade“, dem Beispiel des Bauern folgend, der „die wertvolle Frucht der Erde erwartet“ (Jak 5,7).

Es war eine Einladung des Papstes zur „beständigen Geduld“, die in der „Entwicklung der Geschichte, deren Protagonisten die Jugendlichen sind, oft zermürbend sein kann“. Sie scheine „anachronistisch zu sein, fast schon eine Einladung, die Geschichte zu verlassen, die Früchte eurer Arbeit und eurer Suche nicht zu sehen.“

„In Wirklichkeit aber“, stellte der Heilige Vater fest, „ist der Weg, von dem der Apostel spricht, eine Möglichkeit, die Frage nach Gott zu vertiefen, den Sinn des Lebens und der Geschichte zu verstehen, denn gerade in der Geduld, in der Treue und in der Beharrlichkeit bei der Suche nach Gott wächst die Öffnung auf ihn hin; er offenbart dann sein Gesicht.“

Dies erinnert auch an das Thema, das vom Diözesanbüro für die Universitätspastoral gewählt worden ist, „Dein Antlitz o Herr suche ich“, um das 20-jährige Bestehen dieses traditionellen Treffens zu feiern, das vom sel. Johannes Paul II. 1991 ins Leben gerufen worden war und dessen Höhepunkt die Feier im Petersdom darstellte.

„Wohin führt mich meine Suche nach diesem Antlitz Gottes? Oder besser, wo trifft Gott selber mich und zeigt mir sein Antlitz, offenbart mir sein Geheimnis, tritt in meine Geschichte ein?“, fragte sich der Heilige Vater und lud die Anwesenden mit folgenden Worten zur Betrachtung ein: „Wir brauchen keinen allgemeinen Gott, sondern einen lebendigen und wahren Gott, der dem Menschen den Horizont der Zukunft eröffnet und ihm eine sichere Perspektive der Hoffnung gibt, reich an Ewigkeit und fähig, mutig die Gegenwart mit all ihren Aspekten anzunehmen.“

Benedikt XVI. erinnerte die Universitätsstudenten außerdem daran, dass „wir nicht alleine sind und wir sind nicht alleine damit, die Geschichte zu gestalten. Wie oft“, fügte er hinzu, „haben die Menschen versucht, die Welt alleine aufzubauen, ohne oder sogar gegen Gott! Das Resultat war immer gezeichnet von der Tragödie der Ideologien, die sich gegen den Menschen und seine tiefe Würde richteten.“

Nur mit Treue und Geduld, bekräftigte der Papst, habe man die Sicherheit, nicht alleine zu sein, die Sicherheit, dass ein lebendiger und wahrer Gott existiere, „der dem Menschen nicht fern ist, sondern sich selber herunter beugte und Fleisch wurde, damit der Mensch verstehe, wo die Grundlage von allem und die Antwort auf all sein Suchen sei: in Christus.“

Nur so, mit Geduld, der „Tugend, die bedeutet, sich der Gegenwart Gottes in der Geschichte anzuvertrauen“, sei es möglich, der Versuchung zu widerstehen, all seine Hoffnung in etwas Unmittelbares, „in technisch perfekte Projekte“ zu legen, die „weit von der tiefen Realität entfernt sind, die der menschlichen Person die tiefste Würde verleiht: Geschöpfe nach dem Abbild Gottes zu sein.“

Gerade weil das Geschöpf Mensch ein Abbild und Ebenbild Gottes sei, müsse man dem nacheifern, der in der Fleischwerdung seines Sohnes „die Zeit des Menschen erlebt hat, sein Wachstum und sein Wirken in der Zeit.“

Das göttliche Kind sei das Zeichen der Geduld Gottes, der der erste Geduldige war, treu und beständig in seiner Liebe zu uns. Er sei der wahre „Erbauer“ der Geschichte, „der zu warten versteht“, erklärte der Papst schließlich.

Die Predigt des Papstes schloss mit einem letzten Aufruf: „Liebe Freunde, machen wir uns an diesem Abend gemeinsam voll Vertrauen auf den Weg nach Bethlehem. Tragen wir mit uns all unsere Erwartungen und Hoffnungen unserer Brüder, damit alle die Worte des Lebens treffen mögen und sich ihm anvertrauen können. Nehmen wir das Jesuskind in unsere Arme, das Maria und Joseph uns präsentieren. Beginnen wir von neuem, von ihm aus und mit ihm alle Schwierigkeiten zu überwinden.“

Er äußerte den Wunsch, allen die Offenbarung „des wahren Antlitzes Gottes im Kinde zu Bethlehem zu bringen, das jedem von uns so nahe ist, dass niemand sich ausgeschlossen fühlen darf; niemand soll die Möglichkeit einer Begegnung anzweifeln, denn er ist der Gott, der warten kann und unsere Freiheit respektiert. Ihm vertrauen wir an diesem Abend den tiefsten Wunsch unseres Herzens an: ‚Ich suche Dein Antlitz, o Herr, komm und warte nicht länger!‘“

Zum Abschluss der Liturgie fand von Seiten einer Delegation von spanischen Studenten die Übergabe einer Ikone der „Sedes Sapientiae“ statt, die eine „Marienwanderschaft“ durch die Universitätskapellen beginnen und zeitgleich mit einem internationalen Symposion von Universitätsdozenten in Rom vom 21. bis 23. Juni 2012 enden wird.

[Übersetzung aus dem Italienischen von Jan Bentz]