Benedikt XVI.: Mangelnde Glaubenstreue führt zu "sozialen Sünden"

Papstansprache vor mexikanischen Bischöfen in Castel Gandolfo

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CASTEL GANDOLFO, 15. September 2005 (ZENIT.org).- Anlässlich des "Ad-limina"-Besuchs der zweiten Gruppe der mexikanischen Bischöfe erinnerte Benedikt XVI. am Donnerstagvormittag in Castel Gandolfo die Katholiken an ihre Verpflichtung, "die gesellschaftlichen Strukturen so zu verwandeln, dass sie immer mehr der Würde des Menschen und seinen Grundrechten entsprechen".



Vor den Bischöfen von Monterrey, Morelia und San Luis Potosi, die in den vergangenen Tagen dem 264. Nachfolger des Apostels Petrus in Privatunterredungen die gegenwärtige Situation des Glaubens und der Kirche in ihren jeweiligen Diözesen geschildert hatten, verurteilte der Heilige Vater die "sozialen Sünden", zu denen es komme, weil der Mensch nicht mehr an Gott und die moralischen Prinzipien denke.

Die Errichtung einer immer menschengerechteren Gesellschaft in Mexiko bezeichnete der Papst als eine dringliche Aufgabe, "bei der die Katholiken zur Mitarbeit berufen sind". Diese Mitarbeit beginne zuallererst damit, "dass sie die Verpflichtung entdecken, die ihnen der Glaube auferlegt" – und damit auch die bedeutungsvolle Rolle, die sie auf der Erde spielen sollen, erklärte der Heilige Vater in seiner Sommerresidenz, die rund 30 km von Romentfernt ist.

90 Prozent der 106 Millionen Einwohner Mexikos sind katholisch. Nach Brasilien und vor den USA ist Mexiko somit das zweitgrößte katholische Land der Erde.

Folgen der Gottlosigkeit

"Die Trennung zwischen dem Glauben, den sie bekennen, und dem täglichen Leben, das viele Menschen führen, muss als eine der schwerwiegendsten Fehler unserer Zeit betrachtet werden", fuhr Benedikt XVI. fort. Diese Trennung habe nämlich dazu geführt, dass sich "in einigen Bereichen der Gesellschaft die gesunden Formen des Zusammenlebens und der politischen Tätigkeit aufgrund eines ungeordneten Strebens nach Macht verschlechtert und außerdem Phänomene wie Korruption, Straflosigkeit, Rauschgifthandel und organisiertes Verbrechen zugenommen haben. All das führt zu den verschiedensten Formen der Gewalt und zur Gleichgültigkeit und Verachtung gegenüber dem unantastbaren Wert des Lebens", beklagte Benedikt XVI.

Diese Phänomene seien "soziale Sünden", die eine noch grundlegendere Krise aufdecken würden, nämlich "den Verlust des Gespürs für Gott sowie das Fehlen von moralischen Prinzipien, die das Leben jedes Menschen orientieren sollen. Ohne moralischen Bezugspunkt verfällt man in eine unstillbare Gier nach Reichtum und Macht, die eine dem Evangelium gemäße Sicht der gesellschaftlichen Wirklichkeit verdunkelt."

Angesichts der gewaltigen Herausforderungen ermutigte der Heilige Vater die mexikanischen Bischöfe, "die transzendentalen Reichtümer des Christentums" zu verkünden, "die dem Leben wahren Sinn geben und die Fähigkeit verleihen, mit allen zu sprechen, ihnen zuzuhören und mit ihnen zusammenzuarbeiten".