Benedikt XVI.: Medienwelt benötigt „Zeugen der Wahrheit“

Vorstellung der Papstbotschaft zum 42. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel im Vatikan

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ROM, 24. Januar 2008 (ZENIT.org).- Heute Vormittag wurde im Rahmen einer Pressekonferenz die Botschaft des Papstes zum 42. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel vorgestellt. Benedikt XVI. widmete sie dem Thema: „Die Medien am Scheideweg zwischen Selbstdarstellung und Dienst. Die Wahrheit suchen, um sie mitzuteilen“.



Die Medien müssten stets im Dienst der Menschen stehen und dürften nicht zum „Sprachrohr des wirtschaftlichen Materialismus und des ethischen Relativismus“ werden, die nach Worten des Heiligen Vaters die „wahren Plagen unserer Zeit“ sind.

Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Sozialen Kommunikationsmittel, Erzbischof Claudio Maria Celli, erklärte in seinen Ausführungen, dass es sich bei dem von Benedikt XVI. gewählten Titel um ein Thema von entscheidender Bedeutung handle. Es führe in wichtige Problematiken ein, die mit der Verantwortung der Medien in Zusammenhang stünden. Jeder werde angesprochen, insbesondere aber die in der Medienwelt Tätigen.

Mit dem Thema der Botschaft soll nach Worten Benedikts XVI. verdeutlicht werden, „wie wichtig die Rolle dieser Instrumente im Leben der Menschen und der Gesellschaft ist. Es gibt in der Tat keinen Bereich menschlicher Erfahrung – insbesondere angesichts des breiten Phänomens der Globalisierung –, in dem die Medien nicht konstitutives Element der interpersonalen Beziehungen sowie der sozialen, ökonomischen, politischen und religiösen Vorgänge geworden sind.“

Durch die rasante technologische Entwicklung stünden die Medien heute vor außerordentlichen Möglichkeiten, was neue und ungeahnte Fragen und Probleme aufwerfe.

Der Beitrag, den die Medien „für den Nachrichtenfluss, für die Kenntnis der Fakten und die Verbreitung des Wissens leisten können“, ist, wie Benedikt XVI. betont, nicht zu bestreiten. „Sie haben zum Beispiel entscheidend zur Alphabetisierung und zur Sozialisierung wie auch zur Entwicklung der Demokratie und des Dialogs unter den Völkern beigetragen“, führt der Papst aus. Die Medien seien somit nicht nur „Mittel zur Verbreitung der Ideen“; sie könnten und sollten immer auch „Instrumente im Dienst einer gerechteren und solidarischeren Welt“ sein.

Gleichzeitig weist der Papst auf eine große Gefahr hin, die von der Medienwelt ausgehe. Sie könnten sich in Systeme verwandeln, „die von den herrschenden Interessen des Augenblicks diktiert werden. Das gilt für eine Kommunikation zu ideologischen Zwecken oder zur Platzierung von Konsumprodukten durch eine obsessive Werbung.“ In solchen Fällen werde das Ziel verfolgt, „verzerrte Modelle persönlichen, familiären oder gesellschaftlichen Lebens zu legitimieren und aufzuzwingen“. Um hohe Einschaltquoten zu erreichen, werde auch nicht gezögert, „sich der Regelverletzung, der Vulgarität und der Gewaltdarstellung zu bedienen“. Zudem könne es zur Verbreitung von Entwicklungsmodellen kommen, die den technologischen Abstand zwischen den reichen und armen Ländern vergrößern, statt ihn zu verringern.

Für den Heiligen Vater steht die Menschheit an einem Scheideweg. Möglichkeiten des guten und Abgründe des Bösen stünden einander gegenüber. „Daher muss man sich fragen, ob es klug ist zuzulassen, dass die Kommunikationsmittel einer wahllosen Selbstdarstellung unterworfen sind oder in die Hände von Leuten gelangen, die sich ihrer bedienen, um die Gewissen zu manipulieren.“

In diesem Sinn bedürfe es einer Wende. „In immer ausgeprägterer Weise scheint die Kommunikation heute gelegentlich den Anspruch zu erheben, die Wirklichkeit nicht nur abzubilden, sondern dank der ihr innewohnenden Macht und Suggestionskraft zu bestimmen. Es ist zum Beispiel festzustellen, dass bei manchen Gelegenheiten die Medien nicht für eine korrekte Informationsfunktion benutzt werden, sondern die Ereignisse selbst ‚schaffen’.“ Die Wirkung der Medien auf die Menschen führe zu unausweichlichen Fragen, „die Entscheidungen und Antworten erwarten, die nicht länger aufgeschoben werden können“.

Der Papst spricht sich daher für eine „Info-Ethik“ aus. Sie sei ebenso notwendig wie eine „Bio-Ethik“ im Bereich der Medizin und der wissenschaftlichen Forschung, die die mit dem menschlichen Leben zu tun hat. Die Rolle der Medien sei als integrierender Bestandteil der anthropologischen Frage zu betrachten. „Wenn die Kommunikation die ethische Verankerung verliert und sich der sozialen Kontrolle entzieht, trägt sie am Ende nicht mehr der zentralen Stellung und der unverletzlichen Würde des Menschen Rechnung; dabei läuft sie Gefahr, negativen Einfluss auf sein Gewissen und seine Entscheidungen zu haben sowie letztlich die Freiheit und das Leben selbst der Menschen zu bestimmen.“

Die Medien sollten dazu beitragen, „die Wahrheit über den Menschen bekannt zu machen“ und sie gegenüber allen, die sie zu zerstören suchen, verteidigen. Die Suche nach der Wahrheit über den Menschen und ihre Darstellung bilde „die höchste Berufung der sozialen Kommunikation“.

Papst Benedikt betont, dass diesbezüglich alle gefordert seien.  „Die neuen Medien, insbesondere Telefon und Internet, sind dabei, die Kommunikationsformen selbst zu modifizieren; vielleicht ist dies eine gute Gelegenheit, sie neu zu gestalten, um – wie es mein verehrter Vorgänger Johannes Paul II. sagte – die wesentlichen und unverzichtbaren Züge der Wahrheit über den Menschen besser sichtbar zu machen (vgl. Apostolisches Schreiben Die schnelle Entwicklung, 10).“

Abschließend schreibt Papst Benedikt: „Der Mensch dürstet nach Wahrheit“, und merkt an: „Die Wahrheit, die uns frei macht, ist Christus, weil nur er in umfassender Weise auf den Durst nach Leben und Liebe im Herzen des Menschen Antwort geben kann. Wer Christus begegnet und von seiner Botschaft begeistert ist, verspürt den unbändigen Wunsch, diese Wahrheit mit anderen zu teilen und mitzuteilen.“