Benedikt XVI.: Messe im Hippodrom zum nationalen Familientag

400.000 Gläubige, ein zehntel der kroatischen Bevölkerung in Zagreb

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Von Jan Bentz

ZAGREB, 5. Juni 2011 (ZENIT.org). -  Papst Benedikt XVI. hat als Höhepunkt seiner Kroatienreise auf der Pferderennbahn von Zagreb mit 400.000 Gläubigen die Heilige Messe zum Abschluss des nationalen Familientages der kroatischen Katholiken gefeiert. Die Gläubigen, darunter zahlreiche Familien und auffallend viele Jugendliche, bereiteten dem Heiligen Vater im Papamobil einen bejubelten Empfang. Immer wieder wurden ihm Babys zum Segnen gereicht. Spruchbänder, kroatische Fahnen und Fahnen mit dem päpstlichen Wappen beherrschten das Bild.

Ein Chor mit mehreren hundert Sängern und das Blasorchester des kroatischen Heeres gestalteten die Heilige Messe. Mit dem Papst konzelebrierten rund 1.100 Priester.

Neben den Gläubigen aus dem Land sowie aus Slowenien, Italien, Ungarn, Serbien und anderen Ländern waren auch zahlreiche Kroaten aus Bosnien-Herzegowina, Deutschland, Österreich und den Niederlanden zum Anlass dieses Papstbesuches gekommen.

Neben dem Altar war das eigens aus der Kirche „Marija Bistrica“ entnommene Gnadenbild der Muttergottes aufgestellt.

Sich um Maria wie im Abendmahlssaal versammeln, um die Herabkunft des Heiligen Geistes zu erwarten, dies sei das Bild der Kirche, -betonte der Papst in seiner Predigt. Der Herr habe die Jünger aufgefordert zusammenzubleiben; das gemeinsame Verharren im Gebet sei die Bedingung für das Herabkommen des Heiligen Geistes gewesen. Dies sei auch Vorbild für die Kirche von heute:

„Wir finden hier eine großartige Lektion für jede christliche Gemeinde. Manchmal meint man, die missionarische Wirkkraft hinge hauptsächlich von einer sorgfältigen Planung und deren kluger Umsetzung durch einen konkreten Einsatz ab. Gewiss, der Herr verlangt unsere Mitarbeit, doch vor jeglicher Antwort unsererseits ist seine Initiative notwendig: Sein Geist, der wahre Protagonist der Kirche, muss angerufen und aufgenommen werden.“

Der Papst bekräftige weiter, er habe diese Einladung zum Anlass des nationalen Familientages sehr gerne angenommen. Die Familie sei in heutiger Zeit vielerlei Bedrohungen und Schwierigkeiten ausgesetzt und verdiene besondere Unterstützung und Hilfe. Die christliche Familie sei als Zeichen der Gegenwart Christi und seiner Liebe eine wichtige Ressource für die Gesellschaft. Den Hirten legte er in diesem Zusammenhang besonders den Einsatz für die Glaubenserziehung der Heranwachsenden, die Ehevorbereitung und die Begleitung der Familien ans Herz, um die Kirche zu revitalisieren.

Die Familien als erste Orte der Glaubensweitergabe rief er auf, die Kinder beten zu lehren, zu den Sakramenten zu führen, in der Geborgenheit der Familie die Heilige Schrift zu lesen und gewissermaßen ein „kleiner Abendmahlssaal“ zu werden. In der Kirche sei die Stunde der Familien herangereift, die auch missionarische Familien sein könnten.

„In der heutigen Gesellschaft besteht mehr denn je die dringende Notwendigkeit einer Präsenz vorbildlicher christlicher Familien. Leider müssen wir feststellen, dass sich – speziell in Europa – eine Säkularisierung ausbreitet, die zu einer Ausgrenzung Gottes aus dem Leben und zu einer zunehmenden Auflösung der Familie führt“, so der Papst.

In der Gesellschaft breite sich das Ideal individuellen Wohlstands durch den Konsum materieller Güter und flüchtiger gefühlsseliger Gemütsbewegungen in den zwischenmenschlichen Beziehungen aus.

„Wir sind berufen, dieser Mentalität entgegenzuwirken!“, beschwor der Papst. Die katholische Familie müsse konkretes Zeugnis geben von der Unantastbarkeit menschlichen Lebens, vom Eingehen verbindlichenr Verpflichtungen und von dem unantastbaren Wert der auf einer Ehe zwischen Mann und Frau basierenden Familie und ihrer heiligsten Aufgabe, Kinder zu zeugen und zu erziehen. Die Familie trage als „Hauskirche“ zum Wohl der Gesellschaft und auch der Kirche selber bei.

„Das Wohl der Familie ist auch das Wohl der Kirche. Ich möchte bekräftigen, was ich früher einmal gesagt habe: ‚Die Gründung jeder einzelnen christlichen Familie erfolgt im Rahmen der größeren Familie der Kirche, die sie unterstützt, mitträgt … Und umgekehrt wird die Kirche von den Familien aufgebaut, den ‚kleinen Hauskirchen‘". Papst Benedikt schloss mit dem Aufruf, Zeugen der Verheißung des Herrn zu sein: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt" (Mt 28,20).

Nach der Messe wurde dem Heiligen Vater eine eigens für diesen Anlass gefertigte Kerze mit dem Emblem des nationalen Familientages überreicht.

Der Papst trifft im Anschluss mit den Bischöfen des Landes zusammen. Am Nachmittag feiert er in der Kathedrale von Zagreb einen Gottesdienst mit Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Seminaristen.

Anschließend begibt sich Benedikt XVI. zum Grab des seligen Kardinals Alojzije Stepinac (1898-1960), der als Märtyrer des sogenannten Kalten Krieges verehrt wird.