Benedikt XVI.: Motu proprio Normas nonnullas erschienen

Exkommunikation als Tatstrafe bei Verletzung der Verschwiegenheitspflicht

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Jan Bentz | 1245 klicks

Papst Benedikt XVI. hat mit dem heute vom heiligen Stuhl veröffentlichen Motu Proprio „Normas nonnullas" vom 22. Februar die Normen für das Konklave konkretisiert. Darin bestätigte er nochmals die notwendige Zweidrittel-Mehrheit der abstimmenden Kardinäle für die gültige Wahl eines Nachfolgers als Korrektur dessen, was in der Apostolischen Konstitution „Universi Dominici gregis“ des sel. Johannes Paul II. vom 22. Februar 1996 festgelegt worden war, deren Nr. 75 er bereits im apostolischen Schreiben „De aliquibus mutationibus in normis de electione Romani Pontificato“ im Juni 2007 zugunsten der traditionellen Zweidrittel-Norm abgeändert hatte.

Für den Zeitpunkt der Eröffnung des Konklave legte der Papst als Norm fünfzehn Tage nach der rechtmäßigen Sedisvakanz fest. Aus schwerwiegenden Gründen sei es aber möglich, „wenn die Anwesenheit aller wählenden Kardinäle feststeht“, den Beginn „um einige Tage vorzuziehen“, ebenso wie den Beginn der Wahl um einige Tage aufzuschieben. Spätestens 20 Tage nach Eintritt der Sedisvakanz müsse jedoch das Konklave mit den anwesenden Papstwählern beginnen.

Weiter hat der Papst bestimmt:

Für den Zeitraum des Konklaves müssen sämtliche Geschäftstätigkeiten im Vatikan eingestellt werden. Es muss sicher gestellt werden, dass die wählenden Kardinäle auf ihrem Weg vom „Domus Sanctae Marthae“ zum Vatikanischen Palast mit niemandem außer den Kardinalskollegen Kontakt aufnehmen.

Bezüglich der Wahlvorgänge und der Stimmzettel ist absolute Verschwiegenheit verpflichtend und vor Beginn der Wahl durch einen Eid zu beschwören. In dem Eid, der auf das Evangelium zu schwören ist, müssen sich die Kardinäle verpflichten, im Vatikan auf den Einsatz von Aufnahmegeräten jeglicher Art zu verzichten, in dem Wissen, dass die Verletzung der Verschwiegenheitspflicht die Exkommunikation als Tatstrafe (lateinisch „latae sententiae) nach sich zieht.

Zuvor galt als Norm nur eine „schwerwiegende Strafe nach Ermessen des künftigen Papstes."

Darüber hinaus gab Papst Benedikt XVI. noch einige konkrete Anweisungen zum Wahlverfahren selber sowie zum Begräbnisritus für einen verstorbenen Papst.  

Im Konklave finden täglich bis zu vier Wahlgänge statt. Die Wahl wird für einen Tag des Gebets und der Meditation unterbrochen, wenn die Wahlen drei Tage lang zu keinem Ergebnis gekommen sind. Die Zweidrittel- Mehrheit gilt auch, wenn 34 Wahlgänge erfolglos waren. Wenn das Konklave sogar bis zu diesem Zeitpunkt ohne Ergebnis ist, ist eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit der höchsten Stimmenzahl vorgesehen; diese beiden dürfen an der weiteren Wahl nicht mehr teilnehmen. Kein Wahlberechtigter darf für sich selber stimmen.

Der Apostolische Stuhl wird am Donnerstag, dem 28. Februar 2013, um 20.00 Uhr MEZ vakant. Mit Beginn der Sedisvakanz verlieren alle Leiter von vatikanischen Kurienbehörden ihre Ämter. Nur wenige Leitungsämter, wie der Camerlengo der Kirche, der für das Buß- und Ablasswesen zuständige Großpönitentiar oder der Kardinalvikar von Rom bleiben in ihren Funktionen.