Benedikt XVI.: Mutter Teresa, „echte Jüngerin Jesu“, hat Gottes Schweigen erfahren

Gott spricht, auch wenn er schweigt

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ROM/LORETO, 5. September 2007 (ZENIT.org).- Genau zehn Jahre nach ihrem Tod in Kalkutta hat Benedikt XVI. heute die selige Mutter Teresa gewürdigt. Bei seiner Generalaudienz in Rom meinte Benedikt XVI. mit Blick auf die Gründerin der „Missionarinnen der Nächstenliebe“: „Das Leben und das Zeugnis dieser echten Jüngerin Christi sind eine Einladung an die ganze Kirche, Gott immer treu in den Ärmsten und Bedürftigsten zu dienen.“



Der Papst rief die Kirche dazu auf, dem Beispiel von Mutter Teresa zu folgen, und fügte hinzu: „Seid vor allem Werkzeuge der göttlichen Barmherzigkeit!“

Mutter Teresas großes geistliches Leiden – ihre „dunkle Nacht der Seele“ – stellte eines der Themen dar, die der Heilige Vater behandelte, als er am Samstagabend rund 500.000 jungen Menschen in Loreto Rede und Antwort stand. Der Vatikan veröffentlichte zu Beginn dieser Woche eine Niederschrift dieses Gesprächs (Italienisch).

Das Stelldichein fand auf der Esplanade von Montorso statt und war Teil des zweitägigen Treffens der italienischen Jugend mit dem Heiligen Vater.

Eine junge Italienerin, Sara Simonetta, erklärte dem Heiligen Vater, dass sie „an den Gott, der mein Herz berührt hat“, glaube. Allerdings bestürmten sie „Unsicherheit, Fragen und Ängste“. Deshalb fuhr sie fort: „Ich fühle menschliche Einsamkeit und würde gerne spüren, dass Gott mir nah ist. Eure Heiligkeit, wo ist Gott, in dieser Stille?“

Benedikt XVI. erwiderte: „Wir alle erleben das Schweigen Gottes, obwohl wir glauben.“ Er bezog sich auf das Buch „Komm, sei du mein Licht! Die geheimen Aufzeichnungen der Heiligen von Kalkutta“, das von Pater Brian Kolodiejchuk, dem Postulator für den Heiligsprechungsprozess der Gründerin der Missionare der Nächstenliebe, veröffentlicht wurde und zehn Jahre nach dem Tod der Ordensfrau das Wirken Gottes in ihrem Leben durch ihre Briefe und Aufzeichnungen darstellt. Diesbezüglich sagte der Papst: „Was wir schon vorher gewusst haben, wird jetzt noch offensichtlicher: In all ihrer Nächstenliebe, ihrer Stärke des Glaubens hat Mutter Teresa das Schweigen Gottes erlitten.“

Der Heilige Vater wies darauf hin, dass wir einerseits alle „dieses Schweigen Gottes durchmachen müssen, um unsere Brüder, die Gott nicht kennen, zu verstehen“; andererseits „können wir Gott zurufen: ‚Sprich! Zeige dich!‘ Und wenn unser Herz dann offen ist, können wir zweifellos die großartigen Augenblicke unseres Lebens entdecken, in denen die Gegenwart Gottes auch für uns spürbar wird.“

Gott könne an vielerlei Orten erfahren werden: Zuallererst „ist die Schönheit der Schöpfung eine der Quellen, an der wir mit der Schönheit Gottes in Berührung kommen. Wir können sehen, dass Gott existiert und gut ist, und dass wahr ist, was die Schrift im Schöpfungsbericht erzählt.“ Sodann könne Gottes Gegenwart „im Hören auf das Wort Gottes in den großen liturgischen Feiern und in der großen Musik unseres Glaubens“ entdeckt werden. Benedikt XVI. erzählte dazu die Geschichte einer Frau, die sich zum Christentum bekehrt habe, nachdem sie die Musik von Bach, Händel und Mozart hörte.

Überdies könne Gott durch „das persönliche Gespräch mit Christus“ gefunden werden. „Er antwortet nicht immer, aber es gibt doch Augenblicke, in denen er wirklich antwortet“, führte der Papst aus.

Schließlich könne Gott auch in der „Freundschaft, in der Gemeinschaft des Glaubens“ erfahren werden: „Jetzt, hier, gemeinsam in Loreto, sehen wir, wie der Glaube vereint, wie die Freundschaft eine Weggemeinschaft von Personen schafft.

Und wir erkennen, dass das alles nicht dem Nichts entstammt, sondern einen Ursprung hat; dass der schweigende Gott auch ein Gott ist, der spricht, der sich selbst offenbart und – vor allem –, dass wir Zeugen seiner Gegenwart sein können, dass unser Glaube auch für andere wirklich Licht ist.“

Der Heilige Vater schloss mit den Worten: „Wir müssen akzeptieren, dass Gott in dieser Welt schweigt. Aber wir sollten uns selbst nicht taub stellen, wenn er spricht, wenn er seine Gegenwart bei so vielen Gelegenheiten zu erkennen gibt. Wir erblicken die Gegenwart des Herrn vor allem in der Schöpfung, in der Liturgie und in der Freundschaft innerhalb der Kirche. Und, erfüllt mit seiner Gegenwart, können auch wir den anderen ein Licht sein.“