Benedikt XVI. nimmt Rücktrittsgesuch des schottischen Kardinals O'Brien an

Nunmehr 115 Konklave-Teilnehmer

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Jan Bentz | 1278 klicks

Papst Benedikt XVI. hat gemäß einem Pressekommuniqué des Heiligen Stuhls vom 25. Februar den Rücktritt des schottischen Kardinals Keith O'Brien, Erzbischof von Saint Andrews und Edinburgh, nach can. 401 §1 (nach Erreichen der Altersgrenze von 75 Jahren) angenommen.

P. Federico Lombardi SJ, der Direktor des Pressebüros des Heiligen Stuhls, erläuterte gegenüber Spekulationen von Journalisten über den Rücktrittsgrund, dass das Rücktrittsgesuch „nunc pro tunc“ akzeptiert worden sei, was bedeute, heute im Vorgriff auf einen späteren Zeitpunkt, nämlich seinen 75. Geburtstag am 17. März.

Als Reaktion auf die am Sonntag gegen ihn vorgebrachten Medienangriffe wegen „unangemessenen Verhaltens gegenüber Amtsbrüdern“, mit denen sich drei Priester seiner schottischen Diözese und ein ehemaliger Priester an den Vatikan gewandt hatten, und die 33 Jahre zurückliegen, hat der Kardinal angekündigt, nicht am Konklave teilnehmen zu wollen. Er kündigte an:

„Ich werde nicht an dem Konklave teilnehmen, da ich nicht will, dass die Aufmerksamkeit der Medien in Rom auf mich gerichtet ist und nicht auf Papst Benedikt XVI. und seinen Nachfolger."

Wie genau das Fehlverhalten in den vorgebrachten Fällen ausgesehen haben soll, ist unklar.

Der Kardinal erklärte, er habe die Möglichkeit sehr geschätzt, „den Menschen von Schottland und Übersee auf verschiedene Weise dienen zu können, seitdem ich Priester wurde.“ Im Rückblick danke er Gott für alles, was er habe wirken können. Der Kardinal entschuldigte sich bei allen, die er beleidigt haben sollte, und dankte dem Papst, dem er einen langen und glücklichen Ruhestand wünschte, für seine ihm erwiesene Güte. Er werde mit seinen Kardinalskollegen und für sie beten, damit sie im kommenden Konklave, erleuchtet durch den Heiligen Geist, die richtige Wahl für die Zukunft und zum Wohl der Kirche träfen.

Kardinal O’Brian wäre der einzige Brite im wahlberechtigten Kardinalskollegium gewesen, dessen Zahl nun auf 115 gesunken ist. Jakartas Kardinal Julius Riyadi Darmaatmadja hatte bereits vor einer Woche aus Gesundheitsgründen die Teilnahme abgesagt [ZENIT berichtete].

Das schottische Kirchenoberhaupt hatte sich in der Vergangenheit mehrfach in der Öffentlichkeit im Rahmen der gerade stattfindenden Gesetzesänderungen in europäischen Ländern zu gleichgeschlechtlichen Ehen geäußert und sie als moralisch verwerflich bezeichnet. Dahingehende Reformen des Eherechts, gleichgeschlechtlichen Verbindungen denselben Status wie der Ehe zuzubilligen, nannte er öffentlich „Wahnsinn". Homosexuellen-Organisationen hatten ihm daraufhin den Titel „Bigot of the year" (Scheinheiliger des Jahres) verliehen.