Benedikt XVI. nimmt sein offizielles Portrait entgegen

Russisch-orthodoxe Künstlerin Tsarkova ist erste weibliche offizielle Vatikan-Portraitistin

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ROM, 14. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Am Mittwoch erhielt Papst Benedikt XVI. sein offizielles Portrait – ein Ereignis, das nur einmal während eines Pontifikats auftritt! Das Gemälde der berühmten russischen Malerin Natalia Tsarkova wurde nach der wöchentlichen Generalaudienz im Rahmen einer Privataudienz in der Audienzhalle Pauls VI. enthüllt.



Tsarkova ist die erste weibliche offizielle vatikanische Portraitmalerin. Während des Jubeljahres 2000 gestaltete sie ihr erstes offizielles Werk eines Papstes. Das Gemälde von Johannes Paul II. hängt nun in den Vatikanischen Museen.

Nach ihrer Begegnung mit Papst Benedikt XVI. berichtete Tsarkova gegenüber ZENIT, dass der Heilige Vater ihr für ihre Arbeit gedankt habe und über das Ergebnis sehr froh gewesen sei. Ihm sei ihre Malerei bereits bekannt gewesen, und er bewundere ihre bisherigen Portraits von Papst Johannes Paul II. und verschiedenen Kardinälen.

Die Privataudienz, die ursprünglich für fünf Minuten angesetzt war, dauerte 20 Minuten. Tsarkova führte den Heiligen Vater in die „Geheimnisse“ ihres Gemäldes ein. Insbesondere sprach sie dabei über die Engel, die den päpstlichen Thron schmücken und „lebendig werden“.

Tsarkova betonte, die Engel schienen es dem Heiligen Vater ganz besonders angetan zu haben. In seiner jüngsten Ansprache über die Aufgabe der Bischöfe habe er deren Wirken mit jenem der Engel verglichen, der Botschafter Gottes.

Tsarkova erläuterte in diesem Zusammenhang die Symbolik ihres Gemäldes: „Der Heilige Vater sitzt auf einem Thron und ist von Engeln umgeben. Er ruht symbolisch auf ihnen, zum Zeichen dafür, dass sie ihm in seinem Dienst Stütze sind. In seiner Hand hält der Papst ein Buch seiner Diskurse, was seinen Dialog mit der modernen Welt symbolisiert.“ Zugleich handle es sich dabei um ein „Zeichen des Friedens – weil es uns nur durch den Dialog gelingt, Frieden zu erzielen“.

Entstehungsgeschichte des Papst-Portraits
Der Entwurf des Portraits habe sofort nach der Wahl des Heiligen Vaters im Jahr 2005 begonnen, so Tsarkova. Damals habe sie damit begonnen, die Liturgiefeiern im Vatikan zu besuchen, um den neuen Pontifex zu beobachten und dadurch Einfälle zu bekommen. „Ich hatte ihn zwar schon als Kardinal getroffen und ihn aus seinen vielen Schriften gekannt, aber ich musste ihn als Papst kennen lernen.“

Das Portrait Benedikts XVI. wurde von den Patronen der Künste in den Vatikanischen Museen finanziert. Pater Mark Haydu, Legionär Christi und internationaler Direktor des Büros der Kunstförderer, berichtete gegenüber ZENIT, wie Tsarkova den Auftrag erhielt: „Der damalige Vertreter des Staatssekretärs, der kürzlich erhobene Kardinal und jetzige Präfekt der Kongregation für die Orientalischen Kirchen, Leonardo Sandri, hatte die Idee, dass Natalia ein Portrait des Heiligen Vaters malen sollte. Er teilte seinen Einfall mehreren Freunden mit, die Kunstförderer sind. So begann sie ihre Arbeit, um dieses wundervolle Portrait zu erschaffen.“

Pater Haydu erzählte, dass es nicht schwer gewesen sei, Förderer für ein solches Werk zu finden: „Unter dem Vorsitz meines Vorgängers, Dominikanerpater Allen Duston, war das Büro dabei behilflich, Gönner für das Tsarkova-Portrait zu finden… Herr John Brogan, alteingesessener Patron der Künste, stand uns zusammen mit unserem Kapitel in Großbritannien zur Seite, um dieses Portrait Wirklichkeit werden zu lassen.“

Pater Haydu sah in der Tatsache, dass eine russisch-orthodoxe Frau das Portrait eines deutschen Papsts malte, eine tiefe Symbolik: „Ich finde, es sagt sehr viel aus, wenn zwei Menschen, deren Völker in jüngster Vergangenheit geteilt waren, das heißt Deutschland und Russland, nun durch die Vorsehung in diesem künstlerischen Unterfangen vereint sind.

„Wie wir wissen, hat Papst Benedikt XVI. die Einheit der Christen zu einem der Merkmale seines Pontifikats gemacht. Dieses Gemälde ist ein weiteres glückliches Zeichen der Begegnung des orthodoxen und des katholischen Glaubens.“

[Von Mary Shovlain; Übersetzung aus dem Englischen von Marta Valle]