Benedikt XVI.: Nur Christus kann die tiefste Sehnsucht des menschlichen Herzens stillen

Das Vorbild der heiligen Monika und das ihres Sohnes, des heiligen Augustinus

| 565 klicks

CASTEL GANDOLFO, 28. August 2006 (ZENIT.org).- Am gestrigen Gedenktag der Mutter des heiligen Augustinus, der heiligen Monika, erinnerte Papst Benedikt XVI. zahlreiche Pilger daran, dass in der "aufrichtigen und tiefen Begegnung mit Christus" die wahre Freude liegt, nach der sich das menschliche Herz sehnt.



* * *



Liebe Brüder und Schwestern!

Wir gedenken heute der heiligen Monika und morgen ihres Sohnes, des heiligen Augustinus: Ihr Zeugnis kann für viele Familien unserer Zeit von großem Trost und von großer Hilfe sein. Monika stammte aus einer christlichen Familie in Thagaste im heutigen Algerien (Souk Ahras). Sie lebte in beispielhafter Weise ihre Sendung als Ehefrau und Mutter und half ihrem Mann Patricius, nach und nach die Schönheit des Glaubens an Christus und die Kraft der Evangelium gemäßen Liebe zu entdecken, die das Böse durch das Gute besiegen kann. Nach dem vorzeitigen Tod ihres Mannes widmete sich Monika mutig der Pflege ihrer drei Kinder, unter ihnen – neben Navigius und Perpetua – Augustinus, der sie am Anfang unter seinem ziemlich rebellischen Temperament leiden ließ. Wie Augustinus später selbst sagen wird, zeugte ihn seine Mutter zweimal. Das zweite Mal erforderte eine lange spirituelle Qual aus Gebet und Tränen, die aber am Ende von der Freude gekrönt wurde, dass sie ihn nicht nur den Glauben annehmen und die Taufe empfangen sah, sondern auch dadurch, dass er sich ganz dem Dienst an Christus weihte. Wie viele Schwierigkeiten gibt es auch heute in den familiären Beziehungen, und wie viele Mütter quälen sich, weil sich die Kinder auf falsche Wege begeben! Monika, eine weise und im Glauben gefestigte Frau, fordert sie dazu auf, den Mut nicht zu verlieren, sondern in der Sendung als Ehefrau und Mutter zu beharren, das Vertrauen auf Gott zu bewahren und mit Ausdauer am Gebet festzuhalten.

Was Augustinus betrifft, war seine ganze Existenz eine leidenschaftliche Suche nach der Wahrheit. Nicht ohne lange innere Pein entdeckte er schließlich in Christus den letzten und vollen Sinn seines Lebens und der ganzen menschlichen Geschichte. In seiner Jugend hatte ihn die irdische Schönheit angezogen, und er "warf sich" – wie er selbst offenbart (vgl. Bekenntnisse 10,27-38) – egoistisch und Besitz ergreifend auf sie, mit einem Verhalten, das seiner frommen Mutter nicht wenig Schmerz zufügte. Über einen mühseligen Weg und auch dank ihrer Gebete öffnete sich Augustinus aber immer mehr der Fülle der Wahrheit und der Liebe, bis zu seiner Bekehrung, die unter der Leitung des heiligen Bischofs Ambrosius in Mailand geschah. So bleibt er Vorbild des Hingehens zu Gott, der die höchste Wahrheit und das höchste Gut ist. "Spät habe ich dich geliebt", schreibt er im berühmten Werk der Bekenntnisse; "du Schönheit, so alt und doch so neu, spät habe ich dich geliebt! Und siehe, du watest im Innern, und ich war draußen und suchte dich dort… Mit mir warst du, und ich war nicht mit dir… Du riefst und schriest und brachst meine Taubheit. Du schillertest, glänztest und schlugst meine Blindheit in die Flucht" (ebd.). Der heilige Augustinus möge auch uns das Geschenk einer aufrichtigen und tiefen Begegnung mit Christus erlangen, uns und insbesondere all jenen jungen Menschen, die nach dem Glück dürsten, dabei falsche Wege durchlaufen und sich in Sackgassen verlieren.

Die heilige Monika und der heilige Augustinus laden uns dazu ein, uns voller Vertrauen der Jungfrau Maria zuzuwenden, dem Sitz der Weisheit. Ihr vertrauen wir die christlichen Eltern an, auf dass sie den Weg ihrer Kinder wie Monika mit persönlichem Vorbild und Gebet begleiten. Der jungfräulichen Mutter Gottes empfehlen wir die Jugend an, damit sie wie Augustinus immer nach der Fülle der Wahrheit und der Liebe strebe, die Christus ist: Er allein kann die tiefste Sehnsucht des menschlichen Herzens stillen.


[Nach dem Gebet des "Engel des Herrn" begrüßte der Heilige Vater in verschiedenen Sprachen die Pilgergruppen. Auf Deutsch sagte er:]

Einen ganz herzlichen Gruß richte ich an alle deutschsprachigen Pilger, die heute nach Castel Gandolfo gekommen sind. Unter ihnen heiße ich besonders auch die Leitung der Regensburger Domspatzen willkommen. Das Evangelium des heutigen Sonntags gipfelt im Bekenntnis des Apostels Petrus: "Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens" (Joh 6,68). Bitten wir Gott darum, dass er unseren Glauben stärke und uns auf den Weg der vollkommenen Hingabe führe. Der Herr segne euch und eure Familien.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2006 – Libreria Editrice Vaticana]