Benedikt XVI.: Papst Pius XII., Diener des Friedens und Verteidiger der Unterdrückten

Festgottesdienst zum 50. Todestag des Pacelli-Papstes

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ROM, 9. Oktober 2008 (ZENIT.org).- In einer von Totalitarismen und Weltkriegen geplagten Zeit habe Pius XII. Zeugnis davon abgelegt, dass Christus die wahre Hoffnung des Menschen ist, bekräftigte Papst Benedikt XVI. heute Vormittag während der Gedenkmesse anlässlich des 50. Todestages von Papst Pius XII. im Petersdom.



In seiner Predigt zum Gottesdienst, an dem alle Synodenväter teilnahmen, gedachte der Papst des unermüdlichen Einsatzes seines Vorgängers für den Frieden und die Verteidigung der Verfolgten, insbesondere der Juden. Gleichzeitig betonte er die außerordentliche Aktualität der Lehre des Pacelli-Papstes, die weiterhin ein fester Bezugspunkt für die Gläubigen sei. Nach der heiligen Messe begab sich Benedikt XVI. in die Krypta von St. Peter, um am Grab von Pius XII. zu beten.

Benedikt XVI. erinnerte die Gläubigen an den langen kirchlichen Dienst Eugenio Pacellis, der 1901 1901 unter Leo XIII. begonnen und sich unter Pius X., Benedikt XV. und Pius XI. fortgesetzt hatte. Die Quelle seines Mutes und seiner Geduld während seines päpstlichen Dienstamtes in einer schweren Zeit sei Christus gewesen.

„Miserere mei Deus, secundum magnam misericordiam tuam – Gott, sei mir gnädig nach deiner großen Güte“: Mit diesem Gebet beginne das Testament Pius XII.. Sich den Händen des göttlichen Erbarmens anzuvertrauen, sei die ständige Haltung dieses Papstes gewesen, des letzten in Rom aus einer mit dem Heiligen Stuhl sehr verbundenen Familie geborenen Papstes.

Benedikt XVI. gedachte auch der Zeit Pacellis in München und dann in Berlin, wo dieser als Nuntius tätig gewesen war. In Deutschland denke man mit Dankbarkeit an ihn zurück, und zwar nicht zuletzt aufgrund seines Einsatzes an der Seite Papst Benedikts XV. gegen das „nutzlose Massaker“ des 1. Weltkrieges.

Von Anfang an habe Pacelli in den Folgejahren die Gefahr erkannt, die mit der „schrecklichen Ideologie des Nationalsozialismus“ mit ihren antisemitischen und antikatholischen Wurzeln gegeben gewesen sei. Als Kardinalstaatsekretär unter Pius XI. habe er in einer Zeit gewirkt, die von den Totalitarismen gezeichnet gewesen sei: dem Faschismus, dem Nationalsozialismus und dem Kommunismus, die von den Enzykliken „Non abbiamo bisogno“, „Mit Brennender Sorge“ e „Divini Redemptoris“ verurteilt worden seien.

Der Krieg habe die Liebe zum Vorschein kommen lassen, die er gegenüber seinem „geliebten Rom“ gehegt habe - eine Liebe, die er durch seine intensive karitative Tätigkeit zugunsten der Verfolgten bezeugt habe, ohne Rücksicht auf Religion, Ethnie, Nationalität oder politische Zugehörigkeit.

Benedikt XVI. zitierte während der Predigt die Antwort, die sein Vorgänger während der Zeit der Besetzung Roms denen gegeben hatte, die ihm rieten, sich in Sicherheit zu bringen: „Ich werde Rom und meinen Platz nicht verlassen, auch wenn ich sterben sollte.“

Besonders betonte Benedikt XVI. die Radiobotschaft zu Weihnachten 1942, bei der Pius XII. mit bewegter Stimme die Lage von „Aberhunderten von Menschen“ beklagte, die schuldlos und nur aufgrund ihrer Nationalität oder Abstammung zum Tod  verurteilt waren. Dabei habe es sich um eine klare Anspielung auf die Verfolgung und  Vernichtung der Juden  gehandelt, so Benedikt XVI. „Er wirkte in geheimer und stiller Weise, gerade weil er im Licht der konkreten Situationen jenes komplexen historischen Augenblicks ahnte, dass er nur auf diese Weise das Schlimmste vermeiden und so eine größtmögliche Zahl von Juden retten konnte.“

Aus diesem Grund seien ihm zahlreiche Dankeserweise zuteil geworden. Unter diesen zitierte Benedikt XVI. das Schreiben des damaligen israelischen Außenministers Golda Meir: „Als unser Volkwährend der zehn Jahre des nationalsozialistischen Terrors das schrecklichste Martyrium widerfuhr, hat sich die Stimme des Papstes für die Opfer erhoben. Wir weinen ob des Verlustes eines großen Dieners des Friedens.“

Benedikt XVI. bedauerte anschließend, dass die historische Debatte um Pius XII. es unterlasse, alle Aspekte seines vielseitigen Pontifikats ins Licht zu setzen. Papst Paul VI. habe in Pius XII. einen Vorläufer des Zweiten Vatikanischen Konzils gesehen. In dieser Perspektive sollten viele seiner Dokumente neu in Erinnerung gerufen werden.

Der Heilige Vater erwähnte insbesondere die Enzyklika Mystici Corporis (29.6.1943), die eine dogmatische und theologische Synthese geboten habe, die an der Basis der Konzilskonstitution Lumen gentium stehe.

Die Enzyklika Divino afflante Spiritu (20.11.1943) habe dann die lehrmäßigen Normen für das Bibelstudium festgelegt und die Bedeutung und Rolle der Bibel im christlichen Leben hervorgehoben.

Als dritte Enzyklika erwähnte Benedikt XVI. das Schreiben Mediator Dei über die Liturgie (20.11.1947). Mit dieser Enzyklika habe Pius XII. der liturgischen Bewegung einen Impuls verliehen und auf das „wesentliche Element des Kultes“ verwiesen.

Schließlich verwies der Heilige Vater auf die Schreiben „Evangelii praecones“ (1951) und „Fidei donum“ (1957) zur Mission, um abschließend dafür zu beten, dass der Seligsprechungsprozess glücklich voranschreitem möge. Es sei schön, daran zu erinnern, dass die Heiligkeit das Ideal gewesen sei, das Pius XII. allen Menschen vorgeschlagen habe.

Nach dem Gottesdienst dämpfte nach Angaben von Radio Vatikan der Direktor des vatikanischen Presseamtes die Hoffnung auf eine rasche Seligsprechung Pius XII. Mit seinem Gebet für die Seligsprechung habe Papst Benedikt sich „nicht über die nächsten Schritte des Verfahrens sowie ihre Dauer geäußert“, betonte P.  Lombardi SJ.

Benedikt XVI. habe seine „geistige Verbundenheit mit einem im Volk Gottes verbreiteten Wunsch“ betont. Die Anerkennung der so genannten heroischen Tugenden von Pius XII. durch den Papst bei dem laufenden Seligsprechungsverfahren stehe noch aus. Erst danach werde die nächste Etappe zur Anerkennung eines möglichen Wunders beginnen.