Benedikt XVI.: Rassismus verletzt die menschliche Würde

Worte zur Nachfolgekonferenz über die Durban-Erkärung (2001) in Genf

| 1125 klicks

ROM, 20. April 2009 (ZENIT.org).- Am heutigen Montag beginnt in Genf die Folgekonferenz der Vereinten Nationen zur Erklärung von Durban 2001 gegen Rassismus, Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und damit zusammenhängende Intoleranz. Der Vatikan wird in Genf mit einer eigenen Delegation vertreten sein.



Nach dem gestrigen Gebet des Regina Caeli in Castel Gandolfo würdigte Papst Benedikt diese „wichtige Initiative“ und beklagte gleichzeitig, dass trotz der Lehren der Geschichte Phänomene wie Rassismus und Fremdenfeindlichkeit heute noch immer existierten.

Der Papst zitierte die Durban-Erklärung aus dem Jahr 2001, wo in Artikel 6 betont wird, dass „alle Völker und Einzelpersonen eine menschliche Familie bilden, die reich an Vielfalt ist. Sie haben zum Fortschritt der Zivilisationen und Kulturen beigetragen, die das gemeinsame Erbe der Menschheit bilden… Die Wahrung und Förderung der Toleranz, des Pluralismus und des Respekts kann zu einer integrativeren Gesellschaft führen.“

Ausgehend von diesen Bekräftigungen sei auf nationaler und internationaler Ebene ein entschlossenes und konkretes Handeln erforderlich, um jeglicher Form von Diskriminierung und Intoleranz vorzubeugen und sie zu beseitigen, so Papst Benedikt XVI. Hierzu bedürfe es vor allem eines breit angelegten Werkes der Erziehung, das die Würde der Person hervorhebe und deren Grundrechte schütze.

Die Kirche betone ihrerseits, „dass für ein solches Engagement nur die Anerkennung der Würde des Menschen, der nach Gottes Ebenbild geschaffen ist, einen sicheren Bezugspunkt darstellen kann“. Diesem gemeinsamen Ursprung entstamme eine gemeinsame Bestimmung der Menschheit, die jeden einzelnen und alle zusammen dazu veranlassen sollte, einen ausgeprägten Sinn für Solidarität und Verantwortung zu entwickeln.

Benedikt XVI. brachte seine aufrichtige Hoffnung zum Ausdruck, „dass die bei der Konferenz in Genf anwesenden Delegierten in einem Geist des Dialogs und der gegenseitigen Annahme zusammenarbeiten mögen, um jede Form von Rassismus, Diskriminierung und Intoleranz zu beenden und so einen grundlegenden Markstein zur Bekräftigung des universalen Wertes der Würde des Menschen und seiner Rechte in einem Horizont der Achtung und der Gerechtigkeit für eine jede Person und für jedes Volk zu setzen“.

Die hoch umstrittene Folgekonferenz von Genf hatte bereits im Vorfeld der Organisation zu Kontroversen geführt, die vor allem den Kompromissentwurf des Abschlussdokuments betrafen. Aus diesem Entwurf sollten die hauptsächlichen Streitpunkte zwischen den westlichen und den muslimischen Ländern entfernt werden. Zu diesen strittigen Punkten gehört vor allem die Verurteilung Israels sowie die Diffamierung der Religionen. Gleichzeitig befürchten verschiedene westliche Länder eine Instrumentalisierung der Konferenz, wie dies bereits 2001 nach der Erklärung von Durban der Fall gewesen ist.

Trotz der Bemühungen der Vereinten Nationen boykottieren wichtige Länder wie die Vereinigten Staaten von Amerika, Italien, Israel, Australien, Holland und Schweden die Konferenz. Als letztes Land hatte sich am gestrigen Sonntag Abend auch Deutschland dazu entschlossen, der Folgekonferenz fernzubleiben.

Nach einer Telefonkonferenz mit mehreren EU-Amtskollegen erklärte Bundesaußenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier in Berlin: „Ich habe heute entschieden, dass Deutschland an der morgen beginnenden Durban-Nachfolgekonferenz nicht teilnimmt. Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Gleichwohl steht aus Sicht der Bundesregierung trotz intensiver Bemühungen im Vorfeld insbesondere seitens der EU weiterhin zu befürchten, dass diese Konferenz ebenso wie die Vorgängerkonferenz im Jahre 2001 als Plattform für andere Interessen missbraucht wird. Das können wir nicht akzeptieren.“

Steinmeier appellierte an alle Teilnehmer, „sich zur wirksamen Bekämpfung von Rassismus und Rassendiskriminierung zu bekennen und die bevorstehende Konferenz nicht anderweitig zu instrumentalisieren“, und fügte hinzu: „Wir werden den Konferenzverlauf als Beobachter sehr genau verfolgen. Wir werden uns weiterhin eng mit unseren EU-Partnern abstimmen und behalten uns vor, zu einem späteren Zeitpunkt wieder aktiv teilzunehmen.“