Benedikt XVI. ruft dazu auf, die Würde der Frau zu verteidigen

Die Mann-Frau-Beziehung im Mittelpunkt der „anthropologischen Frage“

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ROM, 11. Februar 2008 (ZENIT.org).- Die Beziehung zwischen Mann und Frau stehe im Mittelpunkt der „anthropologischen Frage“, betonte Papst Benedikt XVI. am Samstagvormittag vor den Teilnehmern einer internationalen Studientagung zum Thema: „Frau und Mann, das ‚humanum’ in seiner Ganzheit“ (Rom, 7.-9. Februar).



Die Tagung fand unter Federführung des Päpstlichen Rates für die Laien anlässlich des 20. Jahrestages der Veröffentlichung des Apostolischen Schreibens Johannes Pauls II. Mulieris dignitatem statt.

Für den Papst war die Thematik der Tagung von großer Aktualität, da seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute die Bewegung zur Förderung der Frau in den verschiedenen Instanzen des sozialen Lebens zahlreiche Debatten hervorgerufen habe, wofür die Kirche stets Interesse zeigte „Die Mann-Frau-Beziehung in ihrer jeweiligen Sonderheit, Reziprozität und Komplementarität bildet zweifellos einen zentralen Punkt der ‚anthropologischen Frage’, die für die zeitgenössische Kultur so entscheidend ist.“

Benedikt XVI. erinnerte in dieser Hinsicht unter den zahlreichen Beiträgen der Päpste zur Frage der Frau an den Brief an die Frauen aus dem Jahr 1995 und vor allem an das Apostolische Schreiben „Mulieris dignitatem“ aus dem Jahr 1988.

Johannes Paul II. habe im letztgenannten Text über die Berufung und Würde der Frau die anthropologischen Grundwahrheiten des Mannes und der Frau vertiefen wollen, „die Gleichheit in der Würde und die Einheit der beiden, die verwurzelte und tiefe Unterschiedlichkeit des Männlichen und Weiblichen und ihre Berufung zur Reziprozität und zur Komplementarität, zur Zusammenarbeit und zur Gemeinschaft“.

Diese Zwei-Einheit von Mann und Frau gründe in der Würde aller Menschen, die als Mann und Frau geschaffen worden sind. So seien sowohl eine unterschiedslose Uniformität als auch eine verflachte und verarmende Gleichheit und ein abgrundtiefer und widersprüchlicher Unterschied vermieden worden.

Diese Zwei-Einheit trage in sich das Verhältnis mit dem Anderen, die Liebe zum Anderen, die interpersonale Gemeinschaft. Dies weise darauf hin, dass in die Schöpfung des Menschen auch eine gewisse Ähnlichkeit mit der göttlichen Gemeinschaft eingeschrieben sei.

Wenn der Mann oder die Frau beanspruchen, autonom und völlig selbstständig zu sein, laufen sie nach Worten des Heiligen Vaters Gefahr, „in einer Selbstverwirklichung eingeschlossen zu bleiben, welche die Überwindung jeglichen natürlichen, sozialen oder religiösen Bandes als eine Errungenschaft der Freiheit betrachtet, die sich jedoch de facto auf eine bedrückende Einsamkeit reduziert“.

Um eine wirkliche Förderung der Frau und des Mannes zu erreichen, bedürfe es einer erneuerten anthropologischen Forschung, die auf der Grundlage der großen christlichen Tradition die neuen wissenschaftlichen Fortschritte und die heutige kulturelle Sensibilität einschließe.

Angesichts der kulturellen und politischen Strömungen, die versuchen, die in die Natur des Menschen eingeschriebenen Unterschiede der Geschlechter zu beseitigen oder wenigstens zu verdunkeln und sie als eine kulturelle Konstruktion hinzustellen, sei es notwendig, den Plan Gottes zu bekräftigten, der den Menschen als Mann und Frau geschaffen habe, und zwar innerhalb einer Einheit, die gleichzeitig ursprünglicher und komplementärer Unterschied ist.

Der Papst erinnerte anschließend daran, wie eine auf den Mann konzentrierte Mentalität fortbestehe, die „die Neuheit des Christentums ignoriert, das dieselbe Würde und Verantwortung der Frau gegenüber dem Mann anerkennt und verkündet“.

Es gebe Orte und Kulturen, an denen die Frau allein aufgrund ihres Frauseins diskriminiert und unterbewertet werde, wo sogar auf religiöse Argumente und familiären, sozialen und kulturellen Druck zurückgegriffen werde, um die Ungleichheit der Geschlechter zu stützen; wo es zu Gewalt gegen Frauen komme und diese zum Gegenstand von Misshandlung und Ausbeutung in der Werbung und der Konsum- und Unterhaltungsindustrie würden.

Angesichts derartig schwerwiegender Phänomene ist für Benedikt XVI. der Einsatz der Christen noch dringlicher, damit sie „überall Förderer einer Kultur werden, die der Frau im Recht und in der tatsächlichen Wirklichkeit die Würde zuerkennt, die ihr gebührt“ und die es ihr gestattet, „am Aufbau der Gesellschaft mitzuwirken, indem sie ihren typisch ‚weiblichen Genius’ einbringt“.