Benedikt XVI. ruft zu Einsatz und Gebet für die Ökumene auf

Generalaudienz in der Gebetswoche für die Einheit der Christen

| 1967 klicks

ROM, 21. Januar 2009 (ZENIT.org).- Der Weg zur Einheit unter den Christen konnten in diesem Jahr „ermutigende geistliche Annäherungen" verzeichnen: Der „Dialog der Wahrheit" und der „Dialog der Liebe" seien vorangeschritten, erklärte Papst Benedikt XVI. während der heutigen Generalaudienz vor rund 6.000 Pilger und Besucher in der Audienzhalle Pauls VI. Der Heilige Vater widmete seine Katechese in der Gebetswoche für die Einheit der Christen ganz dem Thema der Einheit und des ökumenischen Forschritts.



Der Papst erinnerte seine Gäste daran, dass er im vergangenen Jahr sowohl im Vatikan als auch bei seinen Apostolischen Reisen mit Christen aller Konfessionen zusammengekommen sei. Besonders hob Benedikt XVI. die drei Treffen mit dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I. Eine Begegnung habe während der Bischofssynode über das Wortes im Oktober 2008 im Vatikan stattgefunden, eine Gelegenheit, bei der der Patriarch auch das Wort ergriffen hatte.

Benedikt XVI. bekräftigte außerdem, dass er angesichts des Todes des Patriarchen von Moskau und ganz Russland, Alexeij I., Schmerz empfunden habe. Gleichzeitig betonte er, dass er mit den orthodoxen Brüdern, die sich nun anschickten, den Nachfolger des Patriarchen zu wählen, im Gebet verbunden bleibe.

Die Einheit, ein Geschenk Gottes und Frucht der Bekehrung
Die Suche nach der Einheit aller Christen, wie sie dem Gebet Jesu um die Einheit entspricht, ist für den Papst mit dem Leben und der Sendung der Kirche in der Welt verbunden, insofern „unseren Glauben glaubwürdig macht". Christus fordere Einheit, „auf dass die Welt glaube". Die Gebetswoche sei somit eine besonders aktuelle und höchst wertvolle Initiative. Sie verbreite sich immer mehr unter den Christen, als Antwort auf das Gebet Jesu, dass alle eins seien, dem Bild der Einheit des Sohnes und des Vaters entsprechend. „Es ist wichtig", so der Papst, „dass jede christliche Gemeinschaft sich der Bedeutung der Einheit bewusst wird, die vor allem ein Geschenk Gottes ist." Um dieses Geschenk müsse ständig gebetet werden.

Das Thema der diesjährigen Gebetswoche („So dass sie eins werden in deiner Hand") stellt uns nach Worten des Papstes vor die Worte aus dem Buch des Propheten Ezechiel. Dieser habe sich auf die beiden Reiche von Juda und Josef bezogen und dabei von zwei „Hölzern" gesprochen, die in der Hand Gottes zu einer Einheit würden. Dieses Thema sei von einer Gruppe aus Korea gewählt worden. Der Papst betonte, dass schon der Prozess der Vorbereitung „eine fruchtbare und stimulierende Übung der wahren Ökumene" gewesen sei.
 
Ezechiel sage, dass der Herr selbst die beiden Hölzer nimmt, und dieses Wort des Propheten könne auf die Christen bezogen werden. Der Herr erkläre, dass sich die Menschen nicht mehr mit den Götzenbildern und Ungerechtigkeiten der Heidenvölker verunreinigen würden. Gott wolle sie von der Sünde befreien und sie in ihrem Herzen läutern, auf dass sie so sein Volk seien und er ihr Gott. Die von Ezechiel vorgebrachte Sicht sei besonders beredsam: Es werde die Erfordernis einer inneren Erneuerung des ganzen Volkes Gottes hervorgehoben, die nur von Gott bewirkt werden könne. Aber auch die Menschen müssten etwas dafür tun, da auch sie Gewohnheiten angenommen hätten, die mit der Berufung des einen Volkes Gottes nicht vereinbar seien.

In diesem Sinn sollte die Gebetswoche für alle ein Ansporn zu einer aufrichtigen Bekehrung sein und alle zu einem aufrichtigen Hören des Wortes Gottes einladen. Darüber hinaus sei sie eine Gelegenheit, um Gott für all das zu danken, was bisher gewährt worden sei, um die Christen einander näher zu bringen. Die katholische Kirche ihrerseits habe mit einer gefestigten Überzeugung und mit einer verwurzelten Hoffnung die Beziehungen mit allen christlichen Gemeinschaften fortgesetzt.

Im Rahmen des Paulusjahres sei es besonders geboten, auf das Bezug zu nehmen, was der Völkerapostel im Brief an die Epheser zur Einheit der Kirche schreibe: „Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist" (Eph 4,4-6).

Der Papst ermutigte die Christen, sich diese Worte des heiligen Paulus zu Eigen zu machen. Jede Gemeinschaft solle dank der pastoralen Initiativen und des gemeinsamen Gebetes im Einsatz für die christliche Einheit wachsen.

Weltfamilientreffen, Lämmer und Ehrenbürger von Mariazell
Abschließend blickte Papst Benedikt XVI. auf das VI. Weltfamilientreffen zurück, das am Sonntag in Mexiko-Stadt zu Ende gegangen war, und erneuerte die Verabredung für das Jahr 2012 in Mailand. Danach segnete Benedikt VI. der Tradition des heutigen Festes der heiligen Agnes entsprechend zwei Lämmer, deren Wolle für die Herstellung der heiligen Pallien verwendet werden wird.

Seit dem vierten Jahrhundert tragen die Bischöfe von Rom das Pallium, um so ihre besondere Jurisdiktion symbolhaft zum Ausdruck zu bringen. Das Pallium, das ursprünglich dem Nachfolger Petri vorbehalten war, wurde dann als Zeichen der besonderen Verbundenheit mit dem Heiligen Stuhl den Metropoliten verliehen. Papst Symmachus gewährte dieses Privileg zum ersten Mal dem Bischof von Arles Caesarion im Jahr 513. Die neuen Pallien werden alljährlich am Fest der Heiligen Apostel Petrus und Paulus vom Papst gesegnet und anschließend in der „Palliennische" der „Confessio"-Kapelle über dem Grab des Apostels Petrus verwahrt.

Der Papst empfing heute auch die Ehrenbürgerschaft des obersteirischen Marienwallfahrtsortes Mariazell, wo er im Rahmen seines Österreichbesuches vor zwei Jahren Station gemacht hatte. Bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft waren der Bürgermeister der Stadt, Helmut Pertl, der Bischof von Graz-Seckau, Egon Kapellari, sowie der Rektor des Heiligtums, P. Karl Schauer OSB, anwesend.