Benedikt XVI. ruft zum Gebet für geistliche Berufe auf

„Alle Getauften sind dazu berufen, ihren Beitrag zum Werk des Heils zu leisten“

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ROM, 30. April 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen eine eigene Übersetzung der Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am Weltgebetstag für geistliche Berufe zum „Regina Caeli“ gehalten hat.



Der Heilige Vater erinnerte die Gläubigen an ihre Pflicht, Gott um Berufungen zu bitten. Dazu gehöre das Gebet um die Treue der bereits geweihten Priester, das Gebet für die Seminaristen und schließlich das Gebet für die Familien – „damit in ihnen weiterhin der ‚Same‘ der Berufung zum Priesteramt aufgehe und reife“.

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Liebe Brüder und Schwestern!

Heute, am vierten Sonntag der Osterzeit, dem Sonntag des „Guten Hirten“, begehen wir den Weltgebetstag für geistliche Berufe. Alle Gläubigen sind dazu aufgerufen, in besonderer Weise für die Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben zu beten.

Heute Morgen hatte ich in der Basilika von St. Peter die Freude, 22 neue Priester zu weihen. Während ich diese Neupriester zusammen mit ihren Familienangehörigen und Freunden herzlich grüße, lade ich euch dazu ein, derer zu gedenken, die der Herr genauso beim Namen ruft, wie er es eines Tages mit den Aposteln am Ufer des Sees von Galiläa getan hatte, damit sie „Menschenfischer“ würden, das heißt seine engsten Mitarbeiter bei der Verkündigung des Evangeliums und im Dienst am Reich Gottes in dieser unserer Zeit.

Wir bitten für alle Priester um die Gabe der Beharrlichkeit: damit sie dem Gebet treu bleiben, die Messe mit immer neuer Hingabe feiern, im Hören auf das Wort Gottes leben und Tag für Tag Gefühle und Haltungen annehmen, die denen von Jesus, des Guten Hirten, gleichkommen. Wir beten dann für diejenigen, die sich auf das Priesteramt vorbereiten, und für die Ausbilder in den Seminaren in Rom, Italien und der ganzen Welt. Wir beten für die Familien, damit in ihnen weiterhin der „Same“ der Berufung zum Priesteramt aufgehe und reife.

In diesem Jahr lautet das Thema des Weltgebetstags für geistliche Berufe: „Die Berufung im Dienst der Kirche als Gemeinschaft“. Um das Geheimnis der Kirche in unserer Zeit aufzuzeigen, bevorzugte das Zweite Vatikanische Konzil den Ausdruck der „Gemeinschaft“. In dieser Sicht nimmt die reiche Mannigfaltigkeit der Gaben und der Dienste im Volk Gottes eine große Bedeutung an. Alle Getauften sind dazu berufen, ihren Beitrag zum Werk des Heils zu leisten. In der Kirche gibt es aber einige Berufungen, die besonders dem Dienst an der Gemeinschaft gewidmet sind. Der erste Verantwortliche für die katholische Gemeinschaft ist der Papst, der Nachfolger des Petrus und Bischof von Rom; zusammen mit ihm sind die Bischöfe, die Nachfolger der Apostel, unterstützt von den Priestern, Hüter und Lehrer der Einheit.

Im Dienst an der Gemeinschaft stehen aber auch die geweihten Menschen und alle Gläubigen. Im Zentrum der Kirche, die Gemeinschaft ist, steht die Eucharistie: Die verschiedenen Berufungen schöpfen aus diesem höchsten Sakrament die geistliche Kraft, um ständig in der Liebe den einzigen kirchlichen Leib zu bauen.

Wir wenden uns jetzt an Maria, die Mutter des guten Hirten. Sie, die mit den Worten: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn“ (Lk 1,38), bereitwillig auf den Ruf Gottes geantwortet hat, möge uns allen helfen, mit Freude und bereiten Herzens die Einladung Christi anzunehmen, seine Jünger zu sein, immer vom Wunsch beseelt, „ein Herz und eine Seele“ (vgl. Apg 4,32) zu bilden.

[Auf Deutsch erklärte der Heilige Vater:]

Einen frohen Gruß richte ich an alle deutschsprachigen Pilger und Besucher. Unter ihnen heiße ich besonders die Mitglieder und die Gäste der Katholischen Studentenverbindung Capitolina und eine Jugendgruppe aus der Diözese Linz willkommen. Am heutigen Weltgebetstag für geistliche Berufe bitten wir Jesus Christus, den Guten Hirten, dass er seiner Kirche stets neue Priester- und Ordensberufungen schenke und dass die Berufenen ihrem heiligen Auftrag treu bleiben. Wo gebetet wird und gelebte Gemeinschaft mit Gott erfahrbar ist, dort können Menschen auf Gottes Stimme hören und seinen Ruf bereitwillig annehmen. Bitten wir inständig um die Gabe der Berufungen, die die Kirche nötig braucht. Von Herzen segne ich euch alle.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]