Benedikt XVI. ruft zur „Reinigung vom Götzenkult“ auf

Eucharistiefeier auf der „Esplanade des Invalides“

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ROM, 13. September 2008 (ZENIT.org).- „Meidet den Götzendienst“: Dieser Mahnung des heiligen Apostels Paulus (vgl. 1 Kor 10,14) widmete Benedikt XVI. heute, Samstag, seine Predigt während der Eucharistiefeier auf der Pariser „Esplanade des Invalides“. 260.000 Menschen nahmen an der heiligen Messe teil. Mit dem Papst feierten 90 Kardinäle und Bischöfe sowie 1.500 Priester.

Der Aufruf, die Götzen zu meiden, ist nach Worten des Heiligen Vaters auch heute noch höchst aktuell. „Hat sich die gegenwärtige Welt nicht ihre eigenen Götzen geschaffen?“, fragte Benedikt XVI. „Hat sie etwa nicht, vielleicht auch unbewusst, die Heiden des Altertums nachgeahmt, indem sie den Menschen von seinem wahren Ziel abbrachte, von der Glückseligkeit, ewig mit Gott zu leben? Dies ist eine Frage, die jeder Mensch, der sich selbst gegenüber ehrlich ist, sich stellen muss.“

Der Götze – eine Täuschung – führe den Menschen in ein Reich des Scheins: „Haben etwa nicht das Geld, die Gier nach Besitz, nach Macht und sogar nach Wissen den Menschen von seinem wahren Ziel abgebracht?“

Der heilige Paulus appelliere mit seinen mahnenden Worten an die Vernunft seiner Leser. Denn niemals verlange Gott vom Menschen, seine Vernunft zu opfern. Und niemals trete die Vernunft in einen wirklichen Gegensatz zum Glauben. „Der eine Gott – Vater, Sohn und Heiliger Geist – hat unsere Vernunft erschaffen und schenkt uns den Glauben, indem er unserer Vernunft anbietet, diesen als wertvolle Gabe zu empfangen.“ Der Götzenkult hingegen sei es, der den Menschen von dieser Perspektive abbringe, und die Vernunft selbst könne sich Götzen schmieden.

Anschließend nahm Benedikt XVI. die Frage in den Blick: „Wie gelangen wir zu Gott?“ Seine Antwort: Nicht allein durch die Vernunft, sondern vor allem durch den Glauben. Der Glaube sage, dass man teilhabe am Leib Christi, der den Wunsch gehabt habe, „dass jedes Mal, wenn ein Priester die Worte der Wandlung über Brot und Wein wiederholt, sein Opfer in unblutiger Weise neu dargebracht wird. Millionenfach hat sich seit zwanzig Jahrhunderten der auferstandene Herr in der armseligsten Kapelle wie in der großartigsten Basilika oder Kathedrale seinem Volk geschenkt.“

Dem Altarsakrament müsse deshalb als der wirklichen Gegenwart des Herrn für seine Kirche und die gesamte Menschheit mit größter Verehrung begegnet werden, bekräftigte der Papst. „Lassen wir durch unsere Worte, unsere Stille und unsere Gesten niemals zu, dass in uns und um uns herum der Glaube an den auferstandenen Christus, der in der Eucharistie gegenwärtig ist, getrübt wird.“

Die Heilige Messe sei das Opfer der Danksagung schlechthin, fuhr Benedikt XVI. fort. Die Messe lade uns ein zu unterscheiden, was in uns dem Geist Gottes gehorche und was in uns weiter dem Geist des Bösen Gehör schenke. Daher bedeute die Eucharistie feiern anzuerkennen, dass Gott allein imstande sei, uns die Glückseligkeit in Fülle zu schenken, uns die wahren Werte zu lehren – die ewigen Werte, die keinen Untergang kennen.

„Gott ist gegenwärtig auf dem Altar,“, so der Papst, „aber er ist auch gegenwärtig auf dem Altar unseres Herzens, wenn wir ihn bei der Kommunion im Sakrament der Eucharistie empfangen. Er allein lehrt uns, die Götzen zu meiden, die Trugbilder des Denkens.“

Zum Schluss seiner Predigt richtete sich Benedikt XVI. mit einem vertrauensvollen Aufruf an die Jugendlichen, die sich die Frage über die Ordens- oder Priesterberufung stellen: „Habt keine Furcht! Habt keine Furcht, euer Leben Christus zu schenken! Nichts wird je den Dienst der Priester im Leben der Kirche ersetzen. Nichts wird je eine Messe für das Heil der Welt ersetzen!“