Benedikt XVI. ruft zur vollen Entwicklung aller Menschen auf

Papstbotschaft für die Fastenzeit 2006

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ROM, 31. Januar 2006 (Zenit.org).- In seiner Botschaft für die Fastenzeit 2006 erinnert Benedikt XVI. daran, dass es keine wahre Entwicklung geben kann, wenn nicht auf die materiellen und geistigen Nöte eingegangen wird.



In diesem Jahr wird der Aschermittwoch am 1. März den Beginn der 40-tägigen Fastenzeit markieren, die der Heilige Vater in seinem heute veröffentlichten Schreiben unter ein Motto aus dem Matthäusevangelium stellte: \"Als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen\" (Mt 9,36).

Die Kirche sei sich bewusst, so heißt es in der päpstlichen Botschaft, \"dass für die Förderung einer vollen Entwicklung unser \'Blick\' an dem Jesu Maß nehmen muss. Die Antwort auf die materiellen und sozialen Bedürfnisse der Menschen kann nämlich keineswegs von der Erfüllung der tiefen Sehnsucht ihrer Herzen getrennt werden. Dies ist in unserer Zeit großer Veränderungen umso mehr herauszustellen, je stärker wir unsere lebendige und unerlässliche Verantwortung für die Armen der Welt spüren.\"

Wie seine Vorgänger kritisiert Benedikt XVI. die soziale Ungerechtigkeit in der Welt und betont: \"Angesichts der schrecklichen Herausforderungen der Armut vieler Menschen stehen die Gleichgültigkeit und die Verschlossenheit im eigenen Egoismus in unerträglichem Gegensatz zum \'Blick\' Christi.\" Mit Papst Paul VI. beklagt er \"die materiellen Nöte derer, denen das Existenzminimum fehlt; … die sittliche Not derer, die vom Egoismus zerfressen sind. … die Züge der Gewalt, die im Missbrauch des Besitzes oder der Macht ihren Grund haben, in der Ausbeutung der Arbeiter, in ungerechtem Geschäftsgebaren\" (Enzyklika \"Populorum Progressio\" ,21).

Deshalb sei der \"erste Beitrag der Kirche zur Entwicklung des Menschen und der Völker nicht die Bereitstellung materieller Mittel oder technischer Lösungen, sondern die Verkündigung der Wahrheit Christi, welche die Gewissen erzieht und die authentische Würde der menschlichen Person wie der Arbeit lehrt sowie zudem eine Kultur fördert, die auf alle echten Fragen der Menschen antwortet.\"

Fasten und Almosen empfiehlt der Heilige Vater als \"eine günstige Gelegenheit, eins zu werden mit dem \'Blick\' Christi.\" Und er betont, dass auch in der heutigen Zeit durchaus festzustellen sei, \"dass die Hingabe seiner selbst an den anderen, in der sich die Liebe ausdrückt, durch kein ökonomisches, soziales oder politisches Projekt ersetzt werden kann. Wer nach dieser Logik des Evangeliums tätig ist, lebt den Glauben als Freundschaft mit dem Mensch gewordenen Gott und nimmt sich – wie ER – der materiellen und geistlichen Nöte des Nächsten an.\"

Um eine gerechtere Welt aufzubauen, müsse man jene zentrale Rolle beachten, \"die die echten religiösen Werte im Leben des Menschen haben, sobald es um die Antwort auf seine tiefsten Fragen geht und um die ethische Verantwortung auf persönlicher und sozialer Ebene. Anhand dieser Kriterien lernen die Christen auch, mit Weisheit Regierungsprogramme zu beurteilen.\"