Benedikt XVI. sorgt sich um junge Menschen und die Armen

Neujahrsempfang der Politiker und Verwalter der Gemeinde und Provinz Rom sowie der Region Latium

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ROM, 12. Januar 2009 (ZENIT.org)- Am heutigen Vormittag begegnete Papst Benedikt XVI. den Verantwortlichen der Regierung und der Verwaltung der italienischen Region Latium sowie der Gemeinde beziehungsweise der Provinz Rom zum traditionellen Neujahrsempfang. Die italienische Delegation wurde vom Präsidenten der Region Latium, Pietro Marazzo, vom Bürgermeister Roms, Gianni Alemanno, und dem Präsidenten der Provinz Rom, Nicola Zingaretti, angeführt.

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit des Papstes standen die Folgen der internationalen Wirtschaftskrise, die unvermeidliche Auswirkungen auch auf die Heilige Stadt und Latium habe. Aus diesem Grund hätten die Verantwortlichen der öffentlichen Einrichtungen die Pflicht, ihre Politik im Zeichen der Solidarität und Nüchternheit zu gestalten und die Zusammenarbeit mit jenen Einrichtungen der Kirche zu verstärken, die gegen soziale Notlagen kämpfen.

Die Herausforderung, die aus der Krise erwachse, sei „hart", gab Benedikt XVI. zu. Was sich auf globaler Ebene als schwerwiegend zeige, sei dies auch in einem enger gefassten Raum. Benedikt XVI. betonte aber erneut, dass die aktuelle Weltwirtschaftskrise vor allem struktureller und kultureller Natur sei und eine Wertekrise zum Ausdruck bringe. Eine solche Krise bedürfe „erleuchteter Verwalter", aber vor allem einer „substantiellen Erneuerung der Gewissen".

Wie nie zuvor begreife die Zivilgesellschaft, dass es nur mit an Nüchternheit, Solidarität und Verantwortung inspirierten Lebensstilen möglich sei, eine gerechtere Gesellschaft und eine bessere Zukunft für alle zu errichten. Aus diesem Grund sei die Ausbildung zur Achtung der Gesetze, zur Übernahme der eigenen Verantwortung sowie zu einer Lebensgestaltung unaufschiebbar, die den Individualismus und die Verteidigung einseitiger Interessen reduziere. Es sollte nach dem Wohl aller gestrebt werden, und gegenüber den Schwächeren in der Bevölkerung, die nicht als Last angesehen werden dürften, sei eine besondere Aufmerksamkeit erforderlich.

Gerade diesen Schwächeren gegenüber gebe die Kirche durch ihre karitativen Einrichtungen und Vereinigungen eine konkrete Antwort. So stelle sie sich neben die Wirtschafts- und Sozialpolitik des Staates, ohne dabei Privilegien zu fordern oder sich dieser zu rühmen.

Viel Platz in der Ansprache des Papstes war den jungen Menschen zugedacht. Ihr Leben, das oft ohne feste Bezugspunkte sei, mache die Frage des so genannten Erziehungsnotstands deutlich. Dieser erfordere eine breitestmögliche Zusammenarbeit.

Besonders in den jüngeren Generationen würden die natürlichen und christlichen Werte schwächer werden, die dem alltäglichen Leben Sinn gäben und eine Sicht des Leben vermittelten, die für Hoffnung offen sei. Stattdessen herrschten oberflächliche Wünsche und Erwartungen, die nicht von Dauer seien und schließlich Langeweile und Scheitern verursachten. Das alles führe zur Stärkung von Tendenzen, die den Wert des Lebens banalisierten, was seinerseits dazu führe, dass junge Menschen in Exzessen, Alkohol und Drogen Zuflucht suchten. Dies sei für einige zum „gewöhnlichen Wochenendritus" geworden.

Angesichts dieses Nihilismus, der die Welt der Jugend immer stärker durchdringe, lade die Kirche dazu sein, sich ernsthaft um die Jugendlichen zu bemühen und sie nicht alleine zu lassen - auch nicht in der Schule, bei „schlechten Meistern".

Um dies zu erreichen, wünschte sich der Papst mehr Unterstützung seitens der lokalen Behörden. So sollten jene Stadtviertel mit Pfarreien und Gebetsstätten ausgestattet werden können, wo diese fehlten. Eine ähnliche Hoffnung brachte Benedikt XVI. hinsichtlich der katholischen Gesundheitseinrichtungen zum Ausdruck.

Abschließend rief der Heilige Vater den Politikern ins Gedächtnis, dass die Aufgabe von öffentlichen Verwaltern „nicht leicht" sei. Diese müssten sich mit zahlreichen und komplexen Situationen auseinandersetzen, die immer öfter nicht leichte und manchmal unpopuläre Entscheidungen und Interventionen erforderten. Der wichtigste Beitrag, den ihnen der Papst anbieten könne, bestehe in seinem täglichen Gebet: dass der Herr sie erleuchte und sie „immer mehr zu ehrlichen Dienern des Gemeinwohls mache".