Benedikt XVI. trauert um Don Oreste Benzi – Nachruf auf den Gründer der Gemeinschaft „Giovanni XXIII“

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ROM, 2. November 2007 (ZENIT.org).- Don Oreste Benzi starb heute früh um 2.00 Uhr in Rimini an einem Herzversagen. Der 82-jährige Priester, Gründer der Gemeinschaft „Giovanni XXIII“, stand seit 40 Jahren an vorderster Front bei der Hilfe für Bedürftige in der ganzen Welt. In seinem Beileidtelegramm brachte Papst Benedikt XVI. seinen Schmerz über den Tod des „demütigen und armen Priesters Christi“ zum Ausdruck.



In dem von Kardinal-Staatsekretär Tarcisio Bertone unterzeichneten Schreiben würdigt der Heilige Vater den „unermüdlichen Apostel der Nächstenliebe“ und das „intensives pastorales Leben“, das Don Benzi für die letzten und am wenigsten verteidigten Menschen hergegeben hat. Don Benzi sei „ein fügsamer Diener der Kirche“ gewesen, der sich „so vieler schwerwiegender sozialer Probleme angenommen hat, die die moderne Welt betrüben“.

Don Benzi war nach dem Papst der bekannteste Priester Italiens und machte unter anderem durch seinen Einsatz für die Straßenprostituierten von sich reden. Er verbrachte Nächte auf den Straßen, um den jungen Mädchen, die teilweise noch minderjährig sind, vor allem aus Osteuropa und Afrika stammen und von Schleppern nach Italien gebracht worden sind, zu helfen und ihnen ein neues Leben zu ermöglichen. In Italien ist die organisierte Prostitution in Bordellen oder halböffentlichen und öffentlichen Lokalen und Etablissements gesetzlich verboten. Dies hat zur Folge, dass die unkontrollierte Straßenprostitution vor allem in den letzten 20 Jahren zu einem immer größeren menschlichen und sozialen Problem geworden ist. Die Mädchen werden oft wie Sklaven gehalten; Schlepper und Zuhälter beschlagnahmen ihre Pässe, die illegal ins Land gekommenen Mädchen werden erpresst und vielfach mit Gewalt zur Prostitution gezwungen.

Don Benzi konzentrierte sich in seiner Arbeit auf die Hilfe für die betroffenen Mädchen und wurde es nicht müde, immer wieder vor allem die Freier als Unmenschen anzuklagen und zu Mitverantwortlichen des unsäglichen Elends zu machen, das durch Menschenhandel und Ausnutzung Unschuldiger angerichtet wird. Zu seiner Arbeit gehörte es auch, nachts auf den Straßen auf eben jene Freier zuzugehen, um ihnen zu verdeutlichen, dass sie an einem Verbrechen gegen die Menschheit mitschuldig sind.

Die nach dem seligen Papst Johannes XXIII. benannte Gemeinschaft von Don Benzi kümmert sich um Ex-Prostitutierte, Drogensüchtige und gefährdete Jugendliche. Die Gemeinschaft ist auf allen Kontinenten in über 20 Ländern präsent, unter anderem in Kenia, Tansania, Sambia, Brasilien, Australien, Russland, China und Indien. Die Gemeinschaft betreut 200 „Häuser der Familie“, 32 therapeutische Gemeinschaften, 6 Häuser des Gebets, 7 Häuser der Bruderschaft und 15 soziale Kooperativen. Nicht wenige stellen die Gestalt Don Benzis neben Mutter Teresa von Kalkutta.

Don Benzi sagte einmal: „Ich habe nichts gegründet. Es waren die Armen, die uns nachgerannt sind, die uns daran gehindert haben, einzuschlafen.“ Der „Apostel der Liebe“ sah im Antlitz des Ärmsten, des Verlassensten, des am meisten Unterdrückten und der Willkür der Unmenschlichkeit Ausgesetzten stets das Antlitz Christi. Christus war der absolute Mittelpunkt seines Handelns, seines Denkens, seines Priesterseins. Diesen liebenden Christus wollte er überall bekannt machen.

Berühmt waren seine Auftritte in Diskotheken vor den „Jugendlichen des Samstagabend“. Um ihnen einen Weg zu zeigen, der nicht in Alkohol und so genanntem „Vergnügen“ versinkt, stellte er ihnen Christus vor – und viele kamen zu ihm und baten: „Don Benzi, lasst uns nicht allein!“

Das Charisma seiner Gemeinschaft besteht in der Suche danach, Christus gleich zu werden: in seinem Armsein, in seiner Knechtschaft, in seinem Opfersein für die Sünden der Welt. Don Benzi wollte das Leben der Letzten direkt teilen: „Das Ich und das Du werden ein wirkliches Wir; Mein und Dein werden ein wirkliches ‚Unser‘.“

Don Benzi kämpfte Zeit seines Lebens für die Würde des Menschen und dabei vor allem für die Würde des entstehenden Lebens. Er war davon überzeugt, dass angesichts des Skandals der Abtreibung die größte Sünde das Schweigen ist. „Fingen alle Katholiken an zu schreien“, so Don Benzi, „dann würde diese Ungerechtigkeit aufhören. Nicht nur die Ärzte und Politiker sind schuldig, sondern auch all diejenigen, die in der Gleichgültigkeit verharren!“

Zwei Verletzte sah Don Benzi bei der Abtreibung: „Der eine ist tödlich verletzt, und das ist das Kind. Der andere für immer, und das ist die Mutter. Wir wollen sowohl den einen als auch die andere retten. Oft gehen wir und beten vor den Krankenhäusern: Auch wenn sie sich über uns lustig machen, haben wir gesehen, dass die Macht des Gebets wirklich göttliche Vorsehung ist.“

„Selig der Mensch, der barmherzig, gütig und gerecht ist; selig der Mensch, der in der Liebe zu Gott und zum Nächsten lebt. So leben wir gut, und so brauchen wir vor dem Tod keine Angst haben, denn wir sind in der Seligkeit, die von Gott kommt und ewig dauert.“ Mit diesen Worten Papst Benedikts XVI. (Generalaudienz, 2. November 2005) kann das Leben, Wirken und Sterben Don Oreste Benzis vor dem Antlitz Christi zusammengefasst werden; ein Leben, das aus der Gottesliebe die Kraft für die selbstlose Menschenliebe geschöpft hat.