Benedikt XVI. über das Hirtenamt

Mit dem "Weg der Innerlichkeit" auf die Liebe Gottes antworten

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CASTEL GANDOLFO, 20. September 2005 (ZENIT.org).- Der Bischof ist vor allem ein "Lehrer des Glaubens", denn er soll die ihm anvertrauten Gläubigen zu einer immer tieferen persönlichen Beziehung mit Christus hinführen. Diesen Aspekt des kirchlichen Hirtenamtes betonte Papst Benedikt XVI. gestern, Montag, anlässlich einer Audienz für 110 Bischöfe, die im vergangenen Jahr geweiht worden waren.



"Als Nachfolger der Apostel seid ihr 'Glaubenslehrer' – echte Lehrer, die mit der gleichen Autorität wie Christus den Menschen vor allem den Glauben verkünden, den wir leben und bekennen sollen", das sprach der Heilige Vater in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo 30 km südlich von Rom.

Seine Bischofsbrüder, die noch bis zum kommenden Mittwoch in Rom bleiben werden, um ihre "Wallfahrt zum Grab des heiligen Petrus" abzuschließen und mit Bischöfen und Kardinälen aus aller Welt gemeinsam zu beten und über die Herausforderungen ihres Hirtendienstes nachzudenken, bat Papst Benedikt XVI. eindringlich: "Ihr müsst den Gläubigen, die eurer pastoralen Obhut anvertraut worden sind, dabei helfen, die Freude am Glauben wiederzuentdecken – die Freude darüber, dass Gott jeden von uns auf ganz persönliche Weise liebt und seinen einzigen Sohn, Jesus Christus, hingegeben hat, um uns zu erlösen."

Jesus Christus zeigt Gott Vater

Zu glauben bedeute vor allem, "Gott zu vertrauen, der uns kennt und ganz persönlich liebt, und die Wahrheit anzunehmen, die er in Jesus Christus offenbart hat". Dazu sei jene von Zuversicht geprägte Haltung nötig, "die uns dazu führt, Jesus zu vertrauen, der uns den Vater offenbart hat".

Angesichts unserer Sünden höre Gott nicht auf, uns zu lieben, beteuerte der Bischof von Rom. "Trotz unserer Schwächen und Sünden liebt er uns, und seine Liebe gibt unserem Leben und dem Leben der Welt Sinn." Die angemessene Antwort auf die nie abreißenden Liebeserweise Gottes bestehe darin, "dass wir den Weg der Innerlichkeit gehen, der den gläubigen Menschen zur Begegnung mit dem Herrn führt. Dieses Treffen ist aber nur dann möglich, wenn der Mensch fähig ist, sein Herz Gott zu öffnen, der zu ihm im Innersten seines Gewissens spricht."

Gebetsleben hat Vorrang

Um die Stimme Gottes zu hören, "bedarf es Innerlichkeit, Ruhe und Wachsamkeit", fuhr Benedikt XVI. fort. Die neuen Bischöfe bat er darum, sich diese Haltungen anzueignen, sie "persönlich zu leben und auch unter ihren Gläubigen zu verbreiten". Dazu dienten "geeignete Initiativen, die ihnen helfen, den Vorrang des spirituellen Lebens zu entdecken."

Jedem Bischof schenkte der Papst ein Exemplar des neuen Kompendiums des Katechismus der katholischen Kirche, in dem der Glaubensschatz der Kirche in 598 Fragen und Antworten zusammengefasst wird. Seine Gäste bat er abschließend, allen Priestern und Katecheten ihrer jeweiligen Diözesen sehr nahe zu sein und das von Papst Johannes Paul II. ausgerufene "Jahr der Eucharistie" zu nutzen, damit "in den Herzen der Gläubigen das Verlangen wächst, das eigene Leben immer mehr aus der Eucharistie heraus zu leben".