Benedikt XVI. über den seligen Kardinal von Galen, über Eucharistie und Mission

Papstansprache zum Angelusgebet am Sonntag

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ROM, 10. Oktober 2005 (ZENIT.org).- Im Anschluss an die Seligsprechung von Kardinal Clemens August von Galen (1878-1946) verwies Papst Benedikt XVI. am Sonntag in seiner Ansprache vor dem Angelusgebet auf die tiefe Bedeutung des Wahlspruchs, den sich der neue Selige bei seiner Bischofsweihe ausgesucht hatte: "Nec laudibus, nec timore" ["Weder aufgrund von Lob noch aus Furcht"]. Dieser Vorsatz, sein Handeln allein auf Gott auszurichten, um ihn zu ehren und allen Menschen zu dienen, sollte das Leben jedes Gläubigen bestimmen, erklärte der Heilige Vater vor mehr als 25.000 Gläubigen aus aller Welt auf dem Petersplatz in Rom.



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Liebe Brüder und Schwestern!

Heute Morgen hat im Petersdom die Seligsprechungsfeier für Kardinal Clemens August von Galen, Bischof von Münster, stattgefunden, den mutigen Widersacher des Naziregimes. Im Jahr 1904 wurde er zum Priester geweiht und wirkte lange in einer Berliner Pfarrgemeinde, bis er 1933 Bischof von Münster wurde. Im Namen Gottes hat er die neuheidnische Ideologie des Nationalsozialismus verurteilt. Er hat die Freiheit der Kirche und die auf schwerwiegende Weise verletzten Menschenrechte verteidigt, indem er die Juden und die schwächsten Menschen schützte, die das Regime als auszumerzenden Abfall ansah.

Drei Predigten dieses unerschrockenen Predigers aus dem Jahr 1941 sind sehr bekannt. Papst Pius XII. ernannte ihn im Februar 1946 zum Kardinal, und einen Monat später starb er, umgeben von der Wertschätzung der Gläubigen, die in ihm ein Vorbild für christlichen Mut sahen. Genau darin besteht die immer zeitgemäße Botschaft des neuen Seligen: Der Glaube lässt sich nicht auf ein privates Gefühl reduzieren, das man vielleicht versteckt, wenn es unbequem wird. Vielmehr beinhaltet der Glaube auch das öffentliche Zeugnis für den Menschen, für Gerechtigkeit und Wahrheit. Ich möchte der Diözese von Münster und der Kirche Deutschlands meine tiefsten Glückwünsche zukommen lassen und erbitte auf die Fürsprache des neuen Seligen für alle den reichen Segen des Herrn.

In diesen Tagen findet, wie ihr alle wisst, die Vollversammlung der Bischöfe im Vatikan statt, um eingehend über das Thema der Eucharistie in Leben und Sendung der Kirche zu nachzudenken. Ich habe bei den Sitzungen der ersten Woche den Vorsitz geführt und werde auch den Sitzungen in den vorgesehenen nächsten zwei Wochen vorstehen. Die Synode wird meine Hauptverpflichtung sein. Ich bitte euch: Fahrt fort, für die Synode zu beten, damit sie die erwarteten Früchte bringt. Insbesondere in diesem Monat Oktober, in dem die ganze Gemeinschaft der Kirche dazu aufgerufen ist, das ihr eigene missionarische Engagement zu erneuern, lade ich alle zu dem ein, was Papst Johannes Paul II. im vierten Teil seines Apostolischen Schreibens "Mane nobiscum Domine" hinsichtlich der Eucharistie als "Grundregel und Plan für die Mission" schreibt (24-28): "Die Begegnung mit Christus, die in der Vertrautheit mit der Eucharistie stetig vertieft wird, erweckt in der Kirche und in jedem Christen den Drang zum Zeugnisgeben und zur Evangelisierung." Dieser Aspekt wird mit dem Entlassungsgruß am Schluss jeder Heiligen Messe – "Ite missa est" – bekräftigt, der an die "Mission" erinnert. Sie ist Aufgabe derjenigen, die an der Eucharistiefeier teilgenommen haben und nun die Frohe Botschaft, die sie erhalten haben, allen Menschen bringen und die Gesellschaft beseelen sollen.

Dieses Anliegen vertrauen wir der Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria und des heiligen Daniele Comboni an, an den wir morgen in der Liturgie erinnert werden. Möge er, dieser berühmte Missionar und Beschützer des afrikanischen Kontinents, der Kirche in unserer Zeit helfen, voller Glauben und Mut das Gebot des auferstandenen Herrn zu befolgen, der sie einlädt, die Liebe Gottes allen Völkern zu verkünden.

[Nach dem Gebet des "Engel des Herrn" wandte sich der Papst an die Pilgergruppen. Auf Englisch sagte er:]

Mit großem Schmerz erfuhr ich vom gestrigen Erdbeben in Südasien, dass in Pakistan, Indien und Afghanistan so viele Menschenleben gefordert und so großen Schaden angerichtet hat. Alle Todesopfer vertraue ich der liebenden Barmherzigkeit Gottes an, und den vielen tausenden Menschen, die verletzt sind oder einen Verlust erlitten haben, gilt mein aufrichtigstes Mitgefühl. Ich bete dafür, dass die internationale Gemeinschaft rasch und großzügig auf die Katastrophe reagiert, und ich bitte den Herrn, allen Mut und Kraft zu schenken, die an den Rettungsarbeiten und am Wiederaufbau beteiligt sind (…).

[Auf Spanisch sagte der Heilige Vater unter anderem:]

In dieser Stunde möchte ich vor allem an die so geschätzten Länder Mittelamerikas und an Mexiko erinnern, insbesondere an El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua, die an den Folgen von heftigen Regenfällen und Überschwemmungen leiden. Diese haben zahlreiche Opfer gefordert und großen materiellen Schaden angerichtet. Ich bete zum Herrn, dass er den Verstorbenen die ewige Ruhe schenken möge, und möchte allen, die Besitz und Arbeitsinstrumente verloren haben, meine geistige Verbundenheit und Zuneigung zum Ausdruck bringen. Zudem rufe ich die Institutionen und alle Menschen guten Willens dazu auf, in einem Geist echt brüderlicher Solidarität wirksame Hilfe zu leisten.

[Zu den Pilgern aus den deutschsprachigen Ländern sagte Benedikt XVI.:]

Mit großer Freude heiße ich alle deutschsprachigen Gäste willkommen. Besonders möchte ich heute die Freunde der Konzertgesellschaft München grüßen sowie die zahlreichen Pilger, die zur Seligsprechung des großen Bischofs von Münster, Clemens August Kardinal von Galen, nach Rom gekommen sind. Das Motto des neuen Seligen lautete: "Nec laudibus, nec timore" ["Weder aufgrund von Lob noch aus Furcht"]. Dieses Prinzip soll auch unser Handeln zur Ehre Gottes und zum Wohl der Menschen bestimmen. Euch allen einen gesegneten Tag des Herrn in Rom!

[Abschließend wandte sich der Heilige Vater auf Italienisch an die jungen Menschen:]

Voller Freude begrüße ich die "Kinder für die Einheit" ["Kids for Unity"] der Fokolar-Bewegung, die heute hier in Rom und in vielen anderen Städten auf der ganzen Welt an einem Staffellauf für Eintracht und Frieden teilnehmen werden: Liebe Jungen und Mädchen, bleibt immer mit Christus verbunden, dann werdet ihr zu Baumeistern wahrer Brüderlichkeit werden.

[ZENIT-Übersetzung des vom Heiligen Stuhl veröffentlichten mehrsprachigen Originals]