Benedikt XVI. über die Aufgabe der Erziehung in Zeiten des Relativismus

Eröffnung der Diözesantagung 2007 in Rom

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ROM, 12. Juni 2007 (ZENIT.org).- Zum dritten Mal eröffnete Papst Benedikt XVI. am Montagabend die Diözesantagung der Erzdiözese Rom in der Lateranbasilika, der Kirche des Bischofs von Rom. Tausende von Gläubigen waren der Einladung gefolgt, an der Eröffnung teilzunehmen. Der diesjährige Kongress steht unter dem Thema: „Jesus ist der Herr. Erziehung zum Glauben, zur Nachfolge, zum Zeugnis“.



Der Papst skizzierte die Herausforderungen, vor denen die Erzieher in der heutigen Zeit des Relativismus stehen, und ließ die Licht- und Schattenseiten des Einsatzes um die Erziehung hervortreten, der alle betreffe: die Kirche, die Familie, die Medien. Die Christen stehen nach Worten Benedikts XVI. vor der Verpflichtung, eine Antwort auf die große „Notsituation der Erziehung“ zu geben. Und diese Antwort bestehe vor allem in der Anstrengung, ein Netzwerk zu bilden, „um die neuen Generationen zur Begegnung mit Gott zu führen“. Der Papst rief deshalb zur Nachfolge, zum Zeugnis und zum missionarischen Eifer auf.

Angesichts der vorherrschenden Kultur des Relativismus und des selbst gestrickten Glaubensbekenntnisses komme es leicht dazu, dass „Eltern und Lehrer versucht sind, von ihren erzieherischen Aufgaben abzudanken und nicht mehr begreifen, was ihre Rolle ist, oder besser: die ihnen anvertraute Sendung“.

Die alltägliche Erfahrung, so der Papst, „zeigt uns, dass die Erziehung zum Glauben kein leichtes Unterfangen ist. Heute scheint in der Tat jede Erziehungstätigkeit immer schwieriger und prekärer zu werden.“ Dabei handle es sich um eine Schwierigkeit, die die Schule, die Familie und jeden anderen Organismus betreffe, der sich erzieherische Ziele setze. Erziehung laufe Gefahr, zu einer reinen Vermittlung von Fähigkeiten zu verkommen, während man versuche, die Sehnsucht der neuen Generationen nach Glück dadurch zu befriedigen, dass man sie mit Gegenständen des Konsums und mit vergänglichen Gratifikationen überhäufe.

Angesichts dieser Problematik bedarf es nach Worten des Bischofs von Rom einer „Erneuerung der Erziehung“. Immer mehr werde die Nachfrage nach einer „echten“ Erziehung sowie die Wiederentdeckung eines diesbezüglichen Bedürfnisses seitens der Erzieher deutlich. Dies forderten auch die Eltern, die um die Zukunft ihrer Kinder besorgt seien. Ebenso werde dies von den Lehrern gefordert, die die traurige Erfahrung des Niedergangs ihrer Schulen erlebten. Im Letzten sei es die ganze Gesellschaft, die diese Forderung aufstelle, da die Erziehungskrise die Grundlagen des Zusammenlebens gefährde.

Benedikt XVI. mahnte: „Wenn die Abschottung und die Einsamkeit eine verbreitete Lebenssituation geworden sind, für die der Lärm und der Gruppenkonformismus kein Heilmittel darstellen, wird die persönliche Begleitung entscheidend, die dem Heranwachsenden die Sicherheit gibt, geliebt, verstanden und angehört zu werden.“ So könne Jugendlichen und Kindern geholfen werden, sich von verbreiteten Vorurteilen zu befreien, und so könnten sie sich darüber klar werden, dass der christliche Lebensstil verwirklichbar und vernünftig sei - „ja mehr noch: bei weitem der vernünftigste!“

Die erste Verantwortung für die Erziehung der Kinder liege in der Familie, fuhr Benedikt XVI. fort. Viele Familien jedoch zeigten sich unvorbereitet für diese große Aufgabe, und es fehle auch nicht an Familien, die dafür kein Interesse zeigten. Eine der Folgen eines derartigen Verhaltens trete in den Ehekrisen offen zutage.

Benedikt XVI. unterstrich aber auch, dass die Herausforderung der Erziehung von den Medien aufgegriffen werden müssten. Diese vermittelten in vielen Fällen Botschaften, die „von einer vom Relativismus charakterisierten Mentalität und Kultur, vom Konsumismus und von einer falschen und zerstörerischen Erhöhung, oder besser gesagt: Schändung des Leibes und der Sexualität“ inspiriert seien.

Für die Ausbildung in der Schule gilt nach Papst Benedikt XVI., dass „eine gesunde Laizität mitnichten eine Verschließung gegenüber der Transzendenz und eine falsche Neutralität gegenüber jenen Werten impliziert, die an der Basis einer echten Bildung der Person stehen“. Die Glaubenserziehung bezeichnete der Heilige Vater als eine wichtige Aufgabe jeder katholischen Schule. Sie erfülle ihre Aufgabe, wenn sie das Evangelium als Hauptkriterium in die Mitte der Erziehungstätigkeit stelle. Die katholische Schule bemühe sich, jene Einheit von Glauben, Kultur und Leben zu fördern, die das grundlegende Ziel der christlichen Erziehung darstelle.

Die programmatische Ansprache Benedikts XVI. bildet den Ausgangspunkt für die Arbeiten der Diözesantagung. Kardinalvikar Camillo Ruini, der die Tagung am 14. Juni abschließen wird, hatte dem Papst für das „Geschenk des Buches ‚Jesus von Nazareth‘“ gedankt. Das Buch stelle „eine große Hilfe“ für die Realisierung der Evangelisierungstätigkeit dar. Der Kardinal kündigte zugleich an, dass die Jesus-Biographie im Mittelpunkt der römischen Diözesantagung 2008 stehen wird.