Benedikt XVI. über die Aufgabe katholischer Universitäten

Synthese zwischen Glaube und Vernunft

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ROM, 29. November 2005 (ZENIT.org).- Es gibt eine Form echter Wissenschaftlichkeit, die für das Transzendente offen ist und Antworten auf die großen Fragen des Lebens geben kann. Das betonte Benedikt XVI. am Freitag während eines Besuchs an der katholischen Universität Sacre Cuore (vom Allerheiligsten Herzen Jesu) in Rom, der größten katholischen Hochschule Europas.



Jede Universität, die sich \"katholisch\" nennt, müsse sich darum bemühen, Glaube und Vernunft miteinander in Einklang zu bringen, erklärte der Heilige Vater vor den Dozenten und Studenten jener universitären Einrichtung, die in fünf Städten Italiens angesiedelt ist (mit Hauptsitz in Mailand) und aus 14 Fakultäten und rund 40.000 Studenten besteht.

Angesichts dieser Zahlen rief der Bischof von Rom aus: \"Was für eine Verantwortung! Abertausende Jugendliche gehen durch Eure Hörsäle.\" Und deshalb müsse man sich fragen: \"Wie kommen sie heraus? Was für eine Kultur haben sie vorgefunden, assimiliert und selbst verbreitet?\"

Jede katholische Universität müsse \"ein großes Laboratorium sein, in dem entsprechend der verschiedenen Studienfächer immer neue Forschungswege entwickelt werden, um den befruchtenden Dialog zwischen Glaube und Vernunft mit dem Ziel zu vertiefen, die harmonische Synthese des Thomas von Aquin und der anderen großen christlichen Denker wiederzuerlangen.\" Beklagenswerter Weise werde eine solche Synthese \"von bedeutenden Strömungen der zeitgenössischen Philosophie abgelehnt\", fügte Benedikt XVI. hinzu. \"Als Folge dieser Verneinung hat man immer mehr und immer ausschließlicher das Kriterium der Rationalität betont, das auf dem Experiment beruht.

Die grundlegenden Fragen des Menschen – wie man leben und sterben soll – scheinen aus dem Bereich des rational Erfassbaren ausgeschlossen und in die Sphäre der Subjektivität verbannt zu sein. Als Konsequenz verschwindet schließlich sogar jene Frage, die für die Entstehung der Universitäten verantwortlich war: die Frage nach dem Wahren und dem Guten. Sie wird ersetzt durch die Frage der Machbarkeit. Hier liegt die große Herausforderung der katholischen Universitäten: eine wissenschaftliche Forschung zu betreiben, die dem Horizont echter Rationalität gerecht wird und sich von jener Form von Rationalität unterscheidet, die heute dominiert; entsprechend einer Rationalität also, die offen ist für die Frage nach dem Wahren, dem Guten und jenen großen Werten, die ins Sein eingeschrieben worden sind, und die deshalb auch offen ist für das Transzendente, für Gott.\"

Der Papst bekräftigte, der Christ wisse sehr gut, dass er sich dieser Herausforderung erfolgreich stellen könne, denn \"der göttliche \'Logos\', die ewige Vernunft, ist der Ursprung des ganzen Universums und hat sich in Christus für immer mit der Menschheit, der Welt und der Geschichte vereinigt. Im Licht dieser Grundwahrheit des Glaubens, die zugleich eine Grundwahrheit der Vernunft ist, ist es auch heute möglich, Glauben und Wissenschaft miteinander in Einklang zu bringen.\"

Diese grundlegende Aufgabe von katholischen Universitäten sei ein \"begeisterndes Abenteuer\", versicherte der langjährige Theologieprofessor, das nach und nach dazu führe, jene innere Einheit zu entdecken, \"die die verschiedenen Wissenszweige miteinander verbindet: Theologie, Philosophie, Medizin und Wirtschaft, ja alle Disziplinen – selbst hoch spezialisierte Technologien, denn alles steht miteinander in Beziehung.

Entscheidet man sich für eine katholische Universität, dann entscheidet man sich zugleich auch für diesen Ansatz, der trotz der unausweichlichen historischen Einschränkungen die europäische Kultur zutiefst geprägt hat. Zu ihrer Entstehung – und das ist kein Zufall! – haben jene Universitäten, die \"ex corde ecclesiae\" [aus dem Herzen der Kirche] hervorgegangen sind, einen entscheidenden Beitrag geleistet.\"

Auf dem Campus der Universität Sacre Cuore befindet sich auch die Poliklinik \"Agostino Gemelli\", jenes Krankenhaus, in dem Papst Johannes Paul II. oftmals behandelt wurde.