Benedikt XVI. über Heiligkeit und Eucharistie

Angelus im Zeichen des priesterlichen Dienstes

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CASTEL GANDOLFO, 19. September 2005 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am Sonntag anlässlich des "Engel des Herrn" in Castel Gandolfo gehalten hat. Die Priester auf der ganzen Welt erinnerte er daran, dass ihre Wirksamkeit in der engen Beziehung zu Christus in der Eucharistie besteht. Außerdem fänden sie gerade im innigen Umgang mit Christus bei der Feier und der Anbetung der Eucharistie die nötige Kraft, um ihn nachahmen zu können. Das zeige das Lebenszeugnis heiliger Priester wie das eines Johannes Chrysostomus, eines Pater Pio oder eines Johannes Maria Vianney.



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Liebe Brüder und Schwestern!

Zum Ausklang des "Jahres der Eucharistie" möchte ich noch einmal ein ganz besonders wichtiges Thema aufgreifen, eines, das meinem Vorgänger, Johannes Paul II. ganz besonders am Herzen lag: die Beziehung zwischen der Heiligkeit, dem Weg und Ziel der Kirche und jedes Christen, und der Eucharistie.

Insbesondere richten sich heute meine Worte an die Priester, weil ich unterstreichen will, dass gerade in der Eucharistie das Geheimnis ihrer Heiligung liegt. Kraft der heiligen Weihen erhält der Priester das Geschenk und den Auftrag, auf sakramentale Weise jene Gesten und Worte zu wiederholen, mit denen Jesus beim Letzten Abendmahl das Gedächtnis seines Paschas eingesetzt hat. Durch seine Hände erneuert sich dieses größte Wunder der Liebe, dessen Zeuge und Verkünder er ist – eine Berufung, der er jeden Tag treuer nachkommen soll (vgl.: Mane nobiscum Domine, 30). Aus diesem Grund muss der Priester von dem Augenblick an, da er die Eucharistie feiert, zuallererst ein Mensch sein, der die Eucharistie anbetet und betrachtet. Wir wissen, dass die Gültigkeit des Sakraments nicht von der Heiligkeit des Zelebranten abhängt, aber es ist umso wirksamer für ihn und für die anderen, je mehr er es in tiefem Glauben, brennender Liebe und einem glühenden Geist des Gebetes feiert.

Im Lauf des Jahres stellt uns die Liturgie verschiedene heilige Altardiener vor Augen, die uns als Vorbild dienen und in ihrer täglichen Vertrautheit mit Christus bei der Feier und der Anbetung der Eucharistie die nötige Kraft gefunden haben, um ihn nachzuahmen.

Vor wenigen Tagen haben wir das Fest des heiligen Johannes Chrysostomus begangen, des Patriarchen von Konstantinopel, der am Ende des vierten Jahrhunderts lebte. Wegen seiner außerordentlichen Eloquenz nannte man ihn "Goldmund"; wegen der Größe und Tiefe seiner Lehre über das Allerheiligste Altarsakrament wurde er aber auch "eucharistischer Lehrer" genannt. Die "göttliche Liturgie", die vor allem in den orientalischen Kirchen gefeiert wird und seinen Namen und sein Motto trägt – "ein Mensch voller Begeisterung genügt, um ein ganzes Volk zu verwandeln" –, offenbart, auf welch wirksame Weise Jesus Christus durch seine Sakramente wirkt.

In unseren Tagen leuchtet die Gestalt des heiligen Pio von Pietrelcina auf, an den wir uns am kommenden Freitag erinnern werden. Während der Feier der Heiligen Messe empfand er das Geheimnis von Golgota so intensiv nach, dass er den Glauben und die Andacht aller entfacht hat. Selbst die Wundmale, die Gott ihm geschenkt hat, waren Ausdruck seiner inneren Gleichförmigkeit mit dem gekreuzigten Jesus.

Wenn man an jene Priester denkt, die die Eucharistie geliebt haben, dann kann man unmöglich den heiligen Johannes Maria Vianney vergessen, diesen bescheidenen Pfarrer von Ars zur Zeit der französischen Revolution. Durch sein heiliges Leben und seinen Eifer in der Seelsorge gelang es ihm, aus der kleinen Stadt Ars eine vorbildhafte christliche Gemeinde zu machen, die vom Wort Gottes und den Sakramenten beseelt war.

Nun wollen wir uns der Jungfrau Maria zuwenden und insbesondere für die Priester auf der ganzen Welt beten, damit sie aus diesem "Jahr der Eucharistie" die Frucht einer erneuerten Liebe zum Sakrament ziehen, das sie feiern. Durch die Fürsprache der jungfräulichen Gottesmutter mögen sie dieses Geheimnis, das ihnen zur Erlösung der Welt in die Hände gelegt worden ist, immer besser leben und bezeugen.

[ZENIT-Übersetzung des vom Heiligen Stuhl veröffentlichten italienischen Originals. Nach dem Angelusgebet begrüßte Benedikt XVI. die Pilger aus aller Welt. Auf Deutsch sagte er:]

Einen frohen Gruß richte ich an die Pilger und Besucher aus den Ländern deutscher Sprache. Gottes Güte kennt keine Grenzen. Seine Gerechtigkeit übersteigt alle menschlichen Maßstäbe. Der Herr kennt unsere Mühen und belohnt das Gute. Jederzeit wollen wir ihm für seine Gnade danken. Gottes Segen begleite euch in Arbeit und Freizeit!