Benedikt XVI. über Pfingsten und das Wirken des Heiligen Geistes in der Kirche

Über 50.000 Menschen beim sonntäglichen "Regina Cæli" auf dem Petersplatz

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ROM, 16. Mai 2005 (ZENIT.org).- Nach der Eucharistiefeier im Petersdom, in der Papst Benedikt XVI. am Sonntagvormittag 21 neue Priester für die Diözese Rom geweiht hat, erschien der Heilige Vater am Fenster seines Arbeitszimmers, um mit den Gläubigen auf dem Petersplatz das traditionelle Mittagsgebet zu sprechen. Vor über 50.000 Pilgern aus aller Welt entschuldigte er sich für sein spätes Kommen, um dann eine kurze Ansprache über die Bedeutung des Priestertums und das Wirken des Heiligen Geistes in der Kirche zu halten.



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Liebe Brüder und Schwestern!

In der Basilika von Sankt Peter ist soeben die Eucharistiefeier zu Ende gegangen, in der ich die Freude hatte, 21 neue Priester zu weihen. Dies ist ein Ereignis, das ein bedeutendes Wachstum für unsere Gemeinschaft bedeutet. Denn durch die geweihten Diener empfängt sie Leben – vor allem durch ihren Dienst am Wort Gottes und an den Sakramenten. Deshalb ist dieser Tag für die Kirche von Rom ein Festtag. Und für die neuen Priester ist es auf ganz besondere Weise ihr Pfingsten. Noch einmal grüße ich sie und bitte darum, dass sie der Heilige Geist immer in ihrem Dienst begleiten möge. Danken wir Gott für das Geschenk der neuen Priester und beten wir dafür, dass in Rom genauso wie in der ganzen Welt zahlreiche und heilige Priesterberufungen aufblühen und heranreifen.

Die glückliche Fügung, dass Pfingsten und die Priesterweihen zusammenfallen, lädt mich dazu ein, die untrennbare Verbindung hervorzuheben, die in der Kirche zwischen dem Geist und der Institution besteht. Bereits am vergangenen Samstag habe ich davon gesprochen, als ich den Sitz des Bischofs von Rom in San Giovanni in Laterano in Besitz genommen habe. Der Bischofssitz und der Heilige Geist sind, genauso wie das Charisma und das Weiheamt, zwei zutiefst miteinander verknüpfte Wirklichkeiten.

Ohne Heiligen Geist bliebe die Kirche nur eine rein menschliche Organisation, die unter dem Gewicht ihrer eigenen Strukturen zu leiden hätte. Aber in den Plänen Gottes bedient sich normalerweise der Geist der menschlichen Vermittlung, um in der Geschichte zu wirken. Aus genau diesem Grund hat Christus, der seine Kirche auf dem Fundament seiner Apostel, um Petrus geschart, errichtet hat, sie mit der Gabe seines Geistes bereichert, damit er sie über die Jahre hindurch tröste (vgl. Joh 14,16) und sie zur vollen Wahrheit führe (vgl. Joh 16,13).

Möge die kirchliche Gemeinschaft immer offen und gehorsam bleiben gegenüber dem Wirken des Heiligen Geistes, damit sie unter den Menschen ein glaubhaftes Zeichen und ein wirksames Instrument des göttlichen Wirkens ist!

Vertrauen wir dieses Anliegen der Fürsprache der Jungfrau Maria an, die wir heute im glorreichen Pfingstgeheimnis betrachten. Der Heilige Geist, der in Nazaret auf sie herabgekommen ist, um sie zur Mutter des Fleisch gewordenen Wortes zu machen (vgl. Lk 1,35), ist heute auf die entstehende Kirche herabgekommen, die im Abendmahlssaal um sie versammelt war (vgl. Apg 1,14). Bitten wir die allerseligste Jungfrau Maria vertrauensvoll darum, dass sie uns eine erneute Ausgießung des Geistes über die Kirche unserer Tage erlange.

[Nach dem Gebet des "Regina Cæli" sagte der Heilige Vater auf Deutsch:]

Sehr herzlich grüße ich die Pilger und Besucher aus den Ländern deutscher Sprache. Besonders heiße ich eine Gruppe von Jugendlichen der Gemeinschaft "Sant’Egidio" aus Deutschland willkommen. Vertraut stets auf das Wirken des Heiligen Geistes! Er hilft euch, als frohe Zeugen Christi das Evangelium der Liebe und der Hoffnung zu allen Menschen zu bringen. Allen ein gesegnetes Pfingstfest!

[Deutsche Übersetzung des italienischen, vom Heiligen Stuhl herausgegebenen Originals durch ZENIT]