Benedikt XVI. und der heilige Augustinus

Gespräch mit Pater Rovert Prevost OSA

| 702 klicks

ROM, 23. April 2007 (ZENIT.org).- Der Generalpriors des Augustinerordens, P. Robert Prevost OSA, hat im Gespräch mit ZENIT hervorgehoben, dass die Betrachtungen Benedikts XVI. den Höhepunkt des Neubewertungsprozesses der Kirchenväter markierten, der mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingesetzt habe.



Der Besuch des Heiligen Vaters zum Grab des heiligen Augustinus in Pavia an diesem Wochenende erfolgte nach Worten von Pater Prevost aus Anlass des 750. Jahrestages des letzten Gründungsakts des Augustinerordens, in Antwort auf eine entsprechende Einladung der Ordensleitung und des Ortsbischofs Giovanni Giudici im Jahr 2005.

„Dieses Ereignis nahm im Pastoralbesuch in die Diözesen Vigevano und Pavia konkret Gestalt an. Die Visite ging in der Basilika des heiligen Petrus im Goldenen Himmel zu Ende, wo die Reliquien des heiligen Augustinus ungefähr seit dem Jahr 725 aufbewahrt werden, als sie der Langobarden-König Liutprand von Sardinien nach Pavia brachte.“

Der Heilige Vater, der in der Basilika mit dem Klerus und den Ordensleuten einen Vespergottesdienst feierte, „ist eng mit der Gestalt des heiligen Augustinus verbunden“, fuhr Pater Prevost fort. „1953 verfasste er seine Doktorarbeit über den heiligen Kirchenlehrer: ‚Volk und Haus Gottes in Augustins Lehre von der Kirche‘.

Beim Besuch des römischen Priesterseminars sagte der Papst am 17. Februar 2007, dass ihn die große Menschlichkeit des heiligen Augustinus fasziniere, dem es zunächst – weil er Taufbewerber war – nicht gelungen war, sich mit der Kirche zu identifizieren; er hatte einen erbitterten geistlichen Kampf zu führen, um Schritt für Schritt den Weg zum Wort Gottes, zum Leben mit Gott zu finden – bis zu seinem großen Ja zur Kirche Gottes. Auf diesem Weg des Ringens entwickelte er seine Theologie, die so persönlich ist und die sich vor allem in seiner Predigt weiterentwickelt hat.“

P. Prevost wies darauf hin, dass Papst Benedikt in der Vergangenheit immer wieder direkt auf den heiligen Augustinus Bezug genommen habe, so etwa vor dem Angelus-Gebet am 27. August 2006, also am Vorabend des Gedenktags des großen Heiligen.

„Bei der Begegnung mit den Pfarrern und dem Klerus der Diözese Rom am 22. Februar 2007 nannte er ihn einen ‚großen Pfarrer‘. In seinem letzten Postsynodalen Apostolischen Schreiben Sacramentum caritatis über die Eucharistie – ‚Speise der Wahrheit‘ und ‚ungeschuldete Gabe der Heiligsten Dreifaltigkeit‘ – spricht er von ‚Christus totus‘, das heißt vom untrennbaren Christus, der im Bild des Haupts und der Glieder des einen Leibes ein Ganzes bildet.

In den Betrachtungen Benedikts XVI. können wir den Höhepunkt des Neubewertungsprozesses der Kirchenväter und insbesondere von Augustinus ausmachen, der vom Zweiten Vatikanum eingeleitet wurde und in den wichtigsten Dokumenten der Kirche sichtbar ist.“

Auf die Frage, was die Angehörigen des Augustinerordens vom Papstbesuch mitnehmen werden, antwortete ihr Generalprior: „Vor allem die Ehre und das Privileg, ihn als Gast bei uns zu haben.“ Papst Benedikt XVI. segnete am Sonntag zudem den Grundstein des zukünftigen Kulturzentrums „Benedikt XVI.“ der Augustiner, das sich noch im Aufbau befindet und verschiedene Initiativen ermöglichen wird, die das Denken und Wirken des heiligen Augustinus verbreiten.

„Es gibt auch eine Votivkerze, die der Papst vor der Feier der Vesper entzündete und die in nächster Nähe der sterblichen Hülle des Heiligen weiterleuchten wird. Dieses Licht weist darauf hin, dass Augustinus heute noch immer lebendig ist – in seinen Werken und in denen, die seine Spiritualität leben, beispielsweise in uns Augustinern.“