Benedikt XVI. und der sexuelle Missbrauch Minderjähriges: eine Anthologie des Lehramts

Armin Schwibach

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ROM, 18. Februar 2010 (ZENIT.org).-Benedikt XVI. ist der Papst der „Null-Toleranz" gegenüber Vorfällen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch Mitglieder des Klerus. Sein Lehramt und sein entschlossenes Eintreten sind durch drei wesentliche Prinzipien gekennzeichnet, wie dies auch in diesen Tagen während der Begegnung des Papstes mit den Bischöfen der irischen Bischofskonferenz wieder deutlich zutage getreten ist: Hilfe für die Opfer und Überlebenden, Wiederherstellung der Wahrheit und der Gerechtigkeit sowie ein Handeln mit dem Ziel, dass sich derartige verbrecherische Vorfälle nicht mehr wiederholen.

Zu verschiedenen Gelegenheiten hatte sich der Papst zum Problem der besonders in den letzten 20 Jahren zutage getretenen Fälle des Missbrauchs von Schutzbefohlenen und Minderjährigen geäußert. Insgesamt können im Lauf der Jahre sieben Wortmeldungen Benedikts XVI. verzeichnet werden, die sich auf die besonderen Vorfälle in den Vereinigten Staaten, in Australien und Irland beziehen.

Bereits am 28. Oktober 2006 setzte sich der Papst mit den Skandalen in Irland in seiner Ansprache an die irischen Bischöfe aus Anlass deren Ad-limina-Besuches auseinander. Der Papst erinnerte daran, dass sich die Bischöfe in den letzten Jahren mit zahlreichen erschütternden Fällen sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen befassen mussten, die um so tragischer seien, wenn der Verantwortliche dem Klerus angehöre. „Die von solchen Taten verursachten Wunden sind tief, und es ist ein dringendes Anliegen, die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen überall dort wieder herzustellen, wo sie zerstört worden sind."

„In eurem unermüdlichen Bemühen, dieses Problem in wirksamer Weise anzugehen, ist es vor allem wichtig, die Wahrheit über das ans Licht zu bringen, was in der Vergangenheit geschehen ist, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, damit sich derartiges nicht mehr wiederholt, zu gewährleisten, dass die Prinzipien der Gerechtigkeit vollkommen geachtet werden und, vor allem, den Opfern und all jenen Heilung zu bringen, die von diesen ungeheuerlichen Verbrechen betroffen sind. Dadurch wird die Kirche in Irland gestärkt werden und mehr und mehr in der Lage sein, die erlösende Kraft des Kreuzes Christi zu bezeugen."

Am 15. April 2008 antwortete Benedikt XVI. während seines Fluges in die Vereinigten Staaten auf eine Frage des amerikanischen Journalisten John Allen zur tragischen Lage der verletzten Kirche in den USA, dass dies für ihn ein „großes Leid" darstelle.

„Wenn ich die Geschichte dieser Vorkommnisse betrachte, fällt es mir schwer, zu verstehen, wie Priester so sehr in ihrer Sendung versagen konnten, diesen Kindern das Heil und die Liebe Gottes zu bringen. Ich bin beschämt, und wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um sicherzustellen, dass so etwas in Zukunft nicht wieder geschieht."

„Ich denke, dass wir auf drei Ebenen handeln müssen, und zwar zunächst auf der Rechtsebene und auf politischer Ebene. Ich werde jetzt nicht über Homosexualität sprechen, denn das ist ein anderes Thema. Wir werden Pädophile unbedingt vom Priesteramt ausschließen; das ist absolut unvereinbar, und wer wirklich schuldig ist, ein Pädophiler zu sein, kann kein Priester sein. So können wir auf dieser ersten Ebene das Recht walten lassen und den Opfern helfen, denn sie leiden schwer darunter. Das sind die beiden Rechtsaspekte: Zum einen können Pädophile keine Priester sein, und zum anderen muss den Opfern auf jede nur mögliche Weise geholfen werden."

„Dann gibt es eine seelsorgliche Ebene. Die Opfer brauchen Heilung und Hilfe und Beistand und Versöhnung: Das ist eine große seelsorgliche Verpflichtung, und ich weiß, dass die Bischöfe und die Priester und alle Katholiken in den Vereinigten Staaten alles tun werden, was in ihren Kräften steht, um zu helfen, Beistand zu leisten und zu heilen. Wir haben eine Visitation der Seminare durchgeführt, und wir werden alles tun, was im Rahmen der Erziehung von Seminaristen möglich ist, um den Studenten eine tiefe geistliche, menschliche und intellektuelle Ausbildung zu geben."

„Nur Personen, die in gesunder Verfassung sind, können zum Priestertum zugelassen werden, nur Personen mit einem tiefen persönlichen Leben in Christus, die auch ein tiefes sakramentales Leben haben. Ich weiß also, dass die Bischöfe und die Spirituale der Priesterseminare alles tun werden, was in ihren Kräften steht, um zu einer wirklich sehr strengen Entscheidungsfindung zu gelangen, denn es ist wichtiger, gute Priester zu haben als viele Priester. Das ist auch unsere dritte Ebene, und wir hoffen, dass wir alles, was in unserer Macht steht, tun können, getan haben und auch in Zukunft tun werden, um diese Wunden zu heilen."

Während der Feier der Vesper am 16. April 2008 mit den amerikanischen Bischöfen im Nationalheiligtum der Unbefleckten Empfängnis in Washington ging der Papst erneut auf die Problematik ein.

Er forderte die Bischöfe auf, „die Wunden, die von einem Vertrauensmissbrauch verursacht wurden, zu verbinden, bei der Heilung behilflich zu sein, die Versöhnung zu fördern und mit liebevoller Sorge denen nahe zu sein, die so ernsthaft geschädigt worden sind".

Der Papst hat anerkannt, dass dies Problem durch die Bischöfe „oft sehr schlecht gehandhabt worden" sei. Gleichzeitig erinnerte er daran, „dass die überwiegende Mehrheit der Priester und Ordensleute in Amerika hervorragende Arbeit leisten, wenn sie den ihrer Sorge anvertrauten Menschen die befreiende Botschaft des Evangeliums bringen". Es sei jedoch unbedingt notwendig, „dass die Verwundbaren immer vor jenen geschützt werden, die ihnen Schaden zufügen würden. In dieser Hinsicht tragen eure Bemühungen um Heilung und Schutz nicht nur Früchte für diejenigen, die direkt unter eurer Hirtensorge stehen, sondern für die ganze Gesellschaft."

In seiner Predigt zur Messe am 17. April 2008 im „National Stadium" von Washington forderte der Papst alle Katholiken auf, ihre „Priester zu lieben und sie in der hervorragenden Arbeit zu unterstützen, die sie tun. Und betet vor allem darum, dass der Heilige Geist seine Gaben über die Kirche ausgießen möge, die Gaben, die zu Versöhnung, Vergebung und Wachstum in der Heiligkeit führen".

Während seines Fluges zum Weltjugendtag in Sydney (Australien) am http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/speeches/2008/july/documents/hf_ben-xvi_spe_20080712_interview_ge.html12. Juli 2008 antwortete Benedikt XVI. auf eine Frage des australischen Journalisten Auskar Surbakti, dass „es im Wesen der Kirche liegt zu versöhnen, vorzubeugen, zu helfen und ebenso die Schuld in diesen Problemen zu erkennen".

„Wir haben drei Dimensionen zu klären", so der Papst. „Die erste ist unsere Morallehre. Es muss klar sein, und es war immer klar, angefangen bei den ersten Jahrhunderten, dass das Priestertum, das Priestersein mit diesem Verhalten unvereinbar ist, da ein Priester im Dienst des Herrn steht, und unser Herr ist die Heiligkeit in Person, und er ist immer unser Lehrer - die Kirche hat hierauf stets den Akzent gesetzt."

„Wir müssen darüber nachdenken, was in unserer Erziehung, in unserer Lehre der letzten Jahrzehnte unzureichend war: in den 50er, 60er und 70er Jahren gab es das Konzept des ethischen Proportionalismus: es bestand in der Absicht, dass nichts in sich schlecht ist, sondern nur in seiner Proportion zu anderem; mit dem Proportionalismus war die Möglichkeit gegeben, in Bezug auf einige Dinge - eines davon kann auch die Pädophilie sein - zu denken, dass sie in bestimmten Proportionen gut sein können."

„Nun, da muss ich ganz klar sein: das war niemals eine katholische Lehre. Es gibt Dinge, die immer schlecht sind, und Pädophilie ist immer schlecht. In unserer Ausbildung, in den Seminarien, in der ständigen Weiterbildung der Priester müssen wir den Priestern helfen, Christus wirklich nahe zu sein, von Christus zu lernen, und so Helfer und nicht Feinde unserer Mitmenschen, unserer Mitchristen zu sein."

„Daher werden wir alles in unserer Macht Stehende tun, um zu erklären, was die Lehre der Kirche ist, und in der Ausbildung und Vorbereitung von Priestern helfen, in der ständigen Weiterbildung, und wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um die Opfer zu heilen und zu versöhnen."

„Ich denke, dies ist der wesentliche Inhalt des Wortes ‚um Entschuldigung bitten'. Ich denke, dass es besser und wichtiger ist, den Inhalt der Formel zu geben, und ich bin der Ansicht, dass der Inhalt besagen muss, was in unserem Verhalten unzureichend war, was wir in diesem Moment tun sollen, wie wir es verhindern und wie wir alle heilen und versöhnen können.

Am 19. Juli 2008 erinnerte Benedikt XVI. in der Kathedrale von Sydney daran, dass der Missbrauch von Minderjährigen eines der Dinge sei, die Jesus am härtesten verurteilt.

„Ich bedauere wirklich zutiefst den Schmerz und das Leid, die die Opfer ertragen mussten, und ich versichere ihnen, dass ich als ihr Hirte ihr Leid mitfühle. Diese Vergehen, die einen so schweren Vertrauensbruch darstellen, verdienen eine eindeutige Verurteilung. Sie haben großen Schmerz verursacht und dem Zeugnis der Kirche geschadet. Ich bitte Euch alle, Eure Bischöfe zu unterstützen, ihnen zu helfen und im Kampf gegen dieses Übel mit ihnen zusammenzuarbeiten."

„Die Opfer sollten Mitgefühl und Fürsorge erfahren, und die Verantwortlichen für diese Übel müssen vor Gericht gestellt werden. Es ist eine dringende Priorität, eine sicherere und gesundere Umgebung zu fördern, besonders für die jungen Menschen."

Am 8. Februar 2010 erklärte Benedikt XVI. dann auch im Hinblick auf den Skandal in der irischen Kirche, dass die Kirche im Lauf der Jahrhunderte immer den Schutz der Würde und der Rechte der Minderjährigen gefördert habe. „Leider haben in verschiedenen Fällen einige ihrer Mitglieder in Widerspruch zu diesem Einsatz diese Rechte verletzt: ein Verhalten, das die Kirche anklagt und verurteilt und dies immer tun wird".

Benedikt XVI. rief die „harten Worte" Christi in Erinnerung: „Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde" (Mk 9,42). Durch diese Worte seien alle dazu verpflichtet, „niemals den Grad dieser Achtung und Liebe herabzusetzen".