Benedikt XVI. und Evolution: Die Veröffentlichung eines neuen Buches steht bevor

Von Armin Schwibach

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ROM, 1. März 2007 (ZENIT.org).- In Kürze wird der Augsburger Sankt Ulrich Verlag die gesammelten Aufsätze und Vorträge des letzten Treffens des „Ratzinger-Schülerkreises“ zum Themenkreis „Evolution und Schöpfung“ veröffentlichen. Benedikt XVI. hatte an den Diskussionen des Kreises aktiv teilgenommen. Der Band wird auch Hinweise auf die Anmerkungen des Papstes enthalten. Übersetzungen auf Italienisch, Englisch und Französisch werden folgen.



Das Thema „Schöpfung und Evolution“ gehört zu den großen Problembereichen der modernen Auseinandersetzung zwischen Vernunft und Glauben sowie zwischen Wissenschaft und Religion.

Bereits im Jahr 2005 hatte der Papst den Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn, einen der Teilnehmer des Treffens in Castel Gandolfo, damit beauftragt, näher auf die Problematik und die aktuelle Diskussion zwischen „Evolutionismus“ und „Kreationismus“ einzugehen. Auch das diesjährige Treffen des „Ratzinger-Schülerkreises“ wird sich wieder mit der Evolution beschäftigen.

Am 1. und 2. September 2006, wenige Tage vor seiner Reise in die bayerische Heimat, hatte Benedikt XVI. den „Ratzinger-Schülerkreis“ zum alljährlichen Treffen in Castel Gandolfo zu Gast gehabt. Die Begegnung fand im vertraulichen Rahmen statt. Dem Willen des Papstes entsprechend, setzte sich der Kreis der Gelehrten, der vom Salvatorianerpater Professor Dr. Stephan Horn SDS koordiniert wird, mit dem Thema „Evolution und Schöpfung“ auseinander.

Gegenüber „Radio Vatikan“ hatte P. Horn damals geäußert, dass das Hauptproblem bei dieser Auseinandersetzung in der Frage bestehe, „ob sich die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse in der heutigen Darstellung der Evolutionstheorie als eine Art von Weltanschauung zeigen, die über das hinausgeht, was die Naturwissenschaft als solche zu sagen hat“.

Es sei bei der Diskussion der Wissenschaftler darum gegangen, „wie weit die Theorie von Darwin, wie sie heute als synthetische Evolutionstheorie dargestellt wird, reicht; wie viel sie erklärt, in welchem Bereich sie Gültigkeit hat und in welcher Weise sie überschritten werden muss“.

Das Interesse des katholischen Theologen und Philosophen besteht darin, die Vernunft und die Vernünftigkeit des Wirklichen methodologisch nicht auf Teilbereiche zu beschränken. Der Reduktionismus auf das Quantifizierbare vor allem im Bereich der Biologie führt am Ende dazu, den Blick auf die Würde der Vernunft und das Menschsein einzuengen. Als Ergebnis wird die Welt als beherrschbar erachtet.

Der Mensch macht aus seiner Beschränktheit keine Tugend, die ihn zur Demut vor dem je Größeren führt, sondern das Prinzip der Machtübernahme – Ausdrucksform der höchsten Konzentration auf sich selbst. So steht der materialistische Evolutionismus an der Basis der mangelnden ethischen Sensibilität. Er ist die gemeinsame Tränke aller biologischen Wissenschaften, die es sich zum Ziel gemacht haben, auf dem Weg der vereinfachenden Reduktion in das Komplexe einzudringen – dies teilweise mit tragischen Folgen, wie zum Beispiel die Entwicklung eugenetischer Tendenzen im Zusammenhang mit den Evolutionstheorien zeigt.

Das Thema der Evolution ist für Papst Benedikt XVI. sehr wichtig. Gerade angesichts des bevorstehenden Darwin-Jahres (2009) liegt dem Papst daran, die theologische Diskussion voranzutreiben und vertiefende Reflexionen zu diesem Thema zu bieten.

War die Begegnung in Castel Gandolfo des letzten Jahres eher wissenschaftlichen Themenstellungen gewidmet, so wird der Akzent in diesem Jahr theologischer Natur sein.