Benedikt XVI. und Maria, Lehrerin der Kunst des Lebens und der Liebe

Aspekte der Marienspiritualität des päpstlichen Lourdespilger

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ROM, 12. September 2008 (ZENIT.org).- Eine Hommage an Maria als die große Lehrerin der „Kunst des Lebens und der Liebe“ ist diese Wallfahrt des Papstes nach Frankreich. So hat der Papst die Mutter Jesu bei seiner Ansprache beim Weltfamilientreffen 2006 in Valencia bezeichnet.

Für den Priester und Theologen Ratzinger, der als Pilger nach Lourdes strebt, ist eine tiefe Marienspiritualität bezeichnend, die keiner erhabenen oder übertrieben sentimentaler Worte bedarf. „Diese Gnade erlange für uns Maria, die wir vertrauensvoll als Mutter der Kirche und Stern der Evangelisierung anrufen“, war einer seiner jüngsten kurzen und starken Einladungen zum Gebet für die gerade eben angetretene Pilgerreise nach Frankreich.

Damals in Valencia erklärte Benedikt in der Ciudad de las Artes y las Ciencias bei seiner Auslegung der Schriftlesung aus dem Buch Esther: „Die betende Kirche hat in dieser demütigen Königin, die mit ihrem ganzen Sein für ihr leidendes Volk eintritt, eine Vorausbildung Mariens gesehen, die uns allen als Mutter ihren Sohn geschenkt hat"(vgl. Zenit vom 10. Juli 2006).

Diese Worte verweisen auf zwei Konstanten: der Papst speist seine Marienverehrung aus dem Wort der Schrift und dem Schatz der betenden Kirche, wie er sagt und er sieht in Maria, die Frau aus dem Volk. In Valencia geschah das, indem er sie mit Esther verglich, der jüdischen Frau, die zur Königin gewählt wurde, weil sie in ihrer Einfachheit als Frau über Qualitäten wie Wahrhaftigkeit, Diplomatie, Strategie, Entschlossenheit, Echtheit und Charisma verfügte.

Mittlerweile ist eine Fülle von Literatur zur Marienspiritualität des Papstes erschienen. Die deutschsprachigen Auflagen sind überaus reichlich „Maria: Papst Benedikt XVI. über die Gottesmutter", so der Titel einer der Neuerscheinungen.

Aber wenn er den Blick auf Königin Esther lenkt, die beim König für ihr Volk, für den verratenen König Mordechai und sich selbst eintritt und dies auf die Gefahr ihres Todes hin tut, dann lädt der Vergleich zu einem Frauenbild ein, das Stärke, Spiritualität und Weiblichkeit verbindet.

So sieht Benedikt auch Maria, die er immer wieder als „Mutter der Kirche" anspricht und im Namen des Gottesvolkes zu ihr betet. Wie die Frau, die zur Königin gewählt wurde, weil sie in ihrer Einfachheit als Frau über Qualitäten wie Wahrhaftigkeit, Diplomatie, Strategie, Entschlossenheit, Echtheit und Charisma verfügte steht für Benedikt XVI. Maria von Nazareth, die er gerne als Unsere Liebe Frau bezeichnet, in einer tiefen und impliziten Solidarität mit allen Frauen dieser Erde. „Maria ist das exemplarische Bild aller Mütter, ihrer großen Mission als Hüterinnen des Lebens, ihrer Sendung, die Kunst des Lebens und der Liebe zu lehren (vgl. Zenit vom 10. Juli 2006).

Wenn er Maria die Mutter der Kirche vor Augen hat, wie er noch kurz vor seiner Abreise als Pilger nach Lourdes (vgl. Zenit vom 10. September) öffentlich kundtat, dann sieht er sie als Weggefährtin im Glauben. „Das Zweite Vatikanische Konzil sagt, dass uns unsere Liebe Frau auf dem Weg des Glaubens vorangeht, weil sie geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ (vgl. Lk 1,45).

An den Marienwallfahrtsorten, die Benedikt XVI. als Stationen seiner apostolischen Reisen bisher besucht hat, lauschten Millionen seinen Gebeten und Meditationen. Die Stationen reichen von der schwarzen Madonna in Tschenstochau über Altötting, die Mariensäule in München, das Marienheiligtum ‚Meryen Aria Evi in Ephesus und die Basilika des Heiligtums von Aparecida in Brasilien bis nach Mariazell und zur Mariensäule in Wien, Altötting und jetzt Lourdes. Überall wird durchsichtig, was der Papst in seiner Botschaft zum XVI. Welttag der Kranken, 18. Januar 2008) prägnant formulierte: „Man kann Maria nicht betrachten, ohne von Christus angezogen zu sein, und man kann Christus nicht betrachten, ohne sofort die Gegenwart Marias wahrzunehmen".

Maria, der Blick auf sie, ihre Anrufung und Verehrung wie es beispielhaft auch im Rosenkranzgebet geschieht ist auf Christus hin orientiert. Vor Pilgern erklärt er in Rom, das eine Praxis wie das Rosenkranzgebet als „Geschenk" Mariens an die Menschheit dazu diene, „auf Jesus zu schauen, ihn in der Betrachtung seines Lebens zu lieben und ihm immer treuer nachzufolgen"(vgl. Zenit vom 8. Okt. 2007) .

So ist die kämpfende Esther als Vorausbildung Mariens ist für Benedikt XVI. durchaus vereinbar mit der Anrufung der Gottesmutter als „Königin des Friedens", da er ihre Gestalt als Frau des jüdischen Volkes aus der Perspektive Christi sieht.

Esther kämpft und tut es nach Vorbereitung durch Fasten und Gebete zum Herrn, dem Gott Israels. Bei Esther kommt ein femininer Aspekt hinzu: ihre Rettungsaktion wird mit weiblicher List, Entschlossenheit und Wahrhaftigkeit durchgeführt. Gott erweicht das Herz des Königs, und er gab einen Erlass zum Schutz der Juden heraus.

In diesem Kontext und mit diesem Profil soll Maria, die Hörerin des Wortes gemäß Benedikt das „exemplarische Bild aller Mütter" sein. Maria, die Mutter des Meisters ist seine Lehrerin, was die Kunst des Lebens und der Liebe angeht. Deshalb lud er Anfang des Jahres ein, „sich von ihr an die Hand nehmen und führen zu lassen, um selbst das ‚fiat' zum Willen Gottes zu sprechen mit der ganzen aus Freude und Traurigkeit, Hoffnungen und Enttäuschungen gewobenen Existenz, im Bewusstsein, dass die Prüfungen, der Schmerz und das Leiden unserem irdischen Pilgerweg reichen Sinn schenken"(Botschaft zum XVI. Welttag der Kranken, 18. Januar 2008).

Von Angela Reddemann