Benedikt XVI. verabschiedet sich von L’Aquila und den Abruzzen

„Der verletzte Adler wird wieder fliegen“

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ROM, 28. April 2009 (ZENIT.org).- Mit einem Gebet für die Verstorbenen, einem Zuspruch der Hoffnung für die Überlebenden und einem Appell zur Solidarität hat Papst Benedikt XVI. seinen Besuch in Coppito vor den Toren der Regionalhauptstadt L’Aquila im mittelitalienischen Erdbebengebiet der Abruzzen abgeschlossen.



Der Adler werde, auch wenn er jetzt verletzt sei, wieder fliegen können, rief der Heilige Vater in Anspielung auf den Namen der Stadt L’Aquila (Adler) den Menschen zu.

Erzbischof Giuseppe Molinari und Bürgermeister Massimo Cialente dankten dem Papst für den Besuch und für das große Zeichen der Hoffnung, das seine Anwesenheit für die vom Erdbeben schwer in Mitleidenschaft gezogenen Menschen bedeutet habe.

Angst ist auch heute noch ein ständiger Begleiter der Einwohner der Region. Seit dem 6. April - damals waren innerhalb von nur 30 Sekunden ganze Ortschaften zerstört worden - hat die Erde nicht mehr aufgehört zu beben. Eine Erschütterung war sogar kurz vor der Ankunft Benedikts XVI. zu spüren, wenn auch nur mit der Stärke 2,2 auf der Richter-Skala.

Rund 2.000 Menschen hatten sich auf dem großen offenen Platz der Kaserne der „Guardia della Finanza“ versammelt, um stellvertretend für die 55.000 Obdachlosen und die Hilfskräfte aus der Zivilbevölkerung und dem Militär mit dem Heiligen Vater zusammenzukommen. Der Papst nahm auf einer bescheidenen provisorischen Holztribüne Platz, neben der die Holzstatue der „Madonna di Monte Roio“ aufgestellt worden war. Die Statue war aus einer nahe gelegenen Wallfahrtskirche zur Kaserne gebracht worden. Zum Abschluss seines Besuchs schenkte Benedikt XVI. nach dem gemeinsamen Gebet des Regina Caeli der Gottesmutter eine „Goldene Rose“. Bei dieser besonderen päpstlichen Auszeichnung handelt es sich um eine aus Gold geschmiedete Blüte, die mit wohlriechenden Essenzen wie Balsam, Weihrauch und Weihwasser gefüllt ist. Die „Goldene Rose“ ist rund 30 Zentimeter lang und die höchste Auszeichnung des Heiligen Vaters für einen Wallfahrtsort.

In seiner Ansprache brachte Benedikt XVI. seine besondere Wertschätzung für die Arbeit aller zum Ausdruck, die sich seit dem Erdbeben für die betroffenen Menschen einsetzen. Der Papst dankte ihnen vor allem für das Beispiel, das damit gegeben worden sei, und rief die Menschen auf, mit vereinten Kräften und gut koordiniert weiterzuarbeiten, damit allen Menschen, die jetzt in den Zeltstädten leben müssten, wirksam geholfen werden könne.

Der Heilige Vater bekräftigte, dass er alle Opfer der Naturkatastrophe in seinem Herzen trage, und betonte, dass sein Aufenthalt im Katastrophengebiet es ihm noch klarer habe werden lassen, wie schwerwiegend die Folgen des Bebens gewesen seien.

Mit seinem Besuch beim heiligen Papst Coelestin V. habe er der Geschichte und dem Glauben des Landes sowie all seinen Einwohnern die Ehre erweisen wollen. Besonders berührend sei auch das stille Gebet vor dem Studentenwohnheim gewesen.

Der Heilige Vater erinnerte die Anwesenden daran, dass auf dem Platz der Kaserne auch der Gottesdienst für die Toten des Erbebens stattgefunden hatte. Ihm hatte Kardinalsstaatsekretär Tarcisio Bertone am Karfreitag vorgestanden. Vom ersten Augenblick an habe er, so Benedikt XVI., den Wunsch gehabt, die vom Erdbeben betroffenen Orte zu besuchen - „als Zeichen meiner Nähe zu jedem von euch und als Zeichen der brüderlichen Solidarität der ganzen Kirche“.

Papst Benedikt informierte die Bürger darüber, dass er aus der ganzen Welt zahlreiche Erweise der der Solidarität geistlicher und materieller Natur für die Abruzzen empfangen habe. Viele Persönlichkeiten der orthodoxen Kirchen hätten ihm geschrieben, um ihn ihres Gebetes zu versichern.

„Das tragische Ereignis des Erdbebens fordert die zivile Gemeinschaft und die Kirche zu einem tiefen Nachdenken auf“, so der Papst. „Als Christen müssen wir uns fragen: Was will uns der Herr durch dieses traurige Ereignis mitteilen?“

Während des vergangenen Osterfestes hätte man sich mit diesem Trauma auseinandergesetzt und Licht aus dem Wort Gottes erhalten. Als Zivilgesellschaft sei es jedoch nötig, sich einer eingehenden Gewissenserforschung zu unterziehen, damit es niemals an Verantwortungsbewusstsein fehle. „Unter dieser Bedingung wird L’Aquila (das heißt: der Adler) wieder fliegen können.“

Abschließend betete der Papst für die Verstorbenen und legte dann „Unserer Lieben Frau vom Kreuz“ als Geschenk eine Goldene Rose zu Füßen.