Benedikt XVI. verweist auf die Verbindung von Armut und Umweltschutz

Empfang des neuen Botschafters aus Haiti - unterweg zu „Caritas in veritate“

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ROM, 6. Juli 2009 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. gewährte heute, Montag - einen Tag vor der Veröffentlichung seiner dritten Enzyklika, die den Titel „Caritas in veritate“ trägt -, Einblick in einige Inhalte seines neuen Lehrschreibens.



In seiner Ansprache anlässlich der Übergabe der Beglaubigungsschreiben des neuen Botschafters von Haiti beim Heiligen Stuhl, Carl-Henri Guiteau, ging Benedikt XVI. auf den Grundzusammenhang von Armut, Umweltschutz und politischer Verantwortung ein. Der Papst verwies auf die Verbindung zwischen Mensch und Schöpfung und betonte, dass der Mensch verpflichtet sei, jeden Bereich des Lebens zu achten. In diesem Zusammenhang gedachte er der jüngsten Naturkatastrophen, von denen die Karibikinsel betroffen war und die „die bereits schwere Situation vieler Familien verschlimmert haben“.

Der Papst appellierte an die internationale Staatengemeinschaft, „konkret den bedürftigen Menschen beizustehen“. Gerade die Verwundbarkeit Haitis durch Naturkatastrophen das Bewusstsein dafür geschärft, wie wichtig es sei, sich um die Schöpfung zu sorgen. Der Umweltschutz gehe jeden an, denn es gehe darum, ein kollektives Gut zu schützen, das für jeden bestimmt sei. Deshalb könne man der gedankenlosen Ausnutzung der natürlichen Ressourcen und die daraus folgenden Konsequenzen, die insbesondere den Ärmsten schadeten, nur durch politische und wirtschaftliche Entscheidungen wirksam begegnen, die der Menschenwürde entsprächen. Und dazu bedürfe es einer wirksamen internationalen Kooperation.

Benedikt XVI. hob auch die „Zeichen der Hoffnung“ hervor, an denen es in Haiti nicht mangle und die auf den menschlichen und christlichen Werten gegründet seien. Zu ihnen gehörten die Achtung vor dem menschlichen Leben, die Verbundenheit mit der Familie, der Verantwortungssinn und vor allem der Glaube an Gott.

Der Papst ermahnte die Regierung von Haiti, den Armen beizustehen und vor allem für die Sicherheit der Frauen und Kinder zu sorgen, da diese die Hauptopfer von Gewalt und Ungerechtigkeit seien.

Die Enzyklika „Caritas in veritate“ wird an die sozialen Themen anknüpfen, die in der von Paul VI. im Jahr 1967 verfassten Enzyklika „Populorum progressio“ enthalten sind. Das morgen erscheinende Lehrschreiben will dazu beitragen, einige Aspekte der ganzheitlichen und nachhaltigen Entwicklung im Licht der Liebe in der Wahrheit zu vertiefen.

In seiner Ansprache an die Teilnehmer der Tagung der Stoftung „Centesimus annus – Pro Pontifice“ (13. Juni 2009) hatte Benedikt XVI. erklärt: „Wir ihr wisst, wird demnächst eine Enzyklika von mir veröffentlicht, die sich gerade mit dem weiten Thema der Wirtschaft und der Arbeit befasst: in ihr wird herausgestellt werden, welche Ziele wir Christen zu verfolgen haben und welche Werte unermüdlich zu fördern und zu schützen sind, um ein wirklich freies und solidarisches menschliches Zusammenleben zu verwirklichen.“

Den Grundzusammenhang von Liebe und Wahrheit, von Werken der Nächstenliebe, die nur in der Dimension der Wahrheit in ihrem Sinn erfasst werden können, sprach Benedikt XVI. in seiner Predigt zum Abschluss des Paulusjahres während des Vespergottesdienstes in St. Paul vor den Mauern an. Der Papst betonte die Grundforderung, die an jeden Christen ergehe und sich als „neuen Denken“ beschreiben lasse. Benedikt XVI. forderte seine Zuhörer mit Worten des Apostels Paulus zu einem „christlichen Nonkonformismus“ auf, der darin bestehe, sich nicht „dem Schema des gegenwärtigen Zeitalters zu unterwerfen“.

Außerdem bekräftigte er: „Das neue Denken, das uns der Glaube schenkt, richtet sich zuallererst auf die Wahrheit. Die Macht des Bösen ist die Lüge. Die Macht des Glaubens, die Macht Gottes ist die Wahrheit. Die Wahrheit über die Welt und über uns selbst wird sichtbar, wenn wir auf Gott hinschauen. Und Gott wird uns sichtbar im Antlitz Jesu Christi. Im Hinschauen auf Christus erkennen wir ein weiteres: Wahrheit und Liebe sind untrennbar. In Gott ist beides unteilbar eins: Gerade dies ist das Wesen Gottes. Deshalb gehören für den Christen Wahrheit und Liebe zueinander. Die Liebe ist der Beweis für die Wahrheit. Daran werden wir immer wieder gemessen werden müssen, dass Wahrheit Liebe wird und Liebe uns wahr macht.“

Der wahre Mut des „erwachsenen Glaubens“ liege darin, „zum Glauben der Kirche zu stehen, auch wenn er dem 'Schema' dieser Weltzeit widerspricht“. Ein Mitlaufen mit den Winden und Strömungen der Zeit sei hingegen kindisch.

„So gehört es zum Beispiel zu einem mündigen Glauben, für die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens vom ersten Augenblick an einzustehen und damit dem Prinzip der Gewalt von Grund auf, gerade auch in der Verteidigung der wehrlosesten menschlichen Geschöpfe entgegenzutreten. So gehört es zum erwachsenen Glauben, die lebenslängliche Ehe zwischen einem Mann und einer Frau als die Ordnung des Schöpfers anzuerkennen, die Christus von neuem wiederhergestellt hat.“

Ein mündiger Glaube sei sich bewusst, dass die Moden, die gerade aktuell seien, „nicht der Heilige Geist sind; dass der Geist Gottes sich in der Gemeinschaft mit Jesus Christus ausspricht und zeigt“.