Benedikt XVI. verwies in Brasilien auf das Wesentliche

Gespräch mit Stefano Fontana, Direktor des Internationalen Beobachtungszentrums Cardinale Van Thuân

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ROM, 15. Mai 2007 (ZENIT.org).- Die Grundbotschaft Benedikts XVI. an die Kirche in Lateinamerika ist die Aufforderung, die Verkündigung Christi als das absolute Zentrum des kirchlichen Seins hervorzuheben. In diesem Sinn äußerte sich Stefano Fontana, Direktor des Internationalen Beobachtungszentrums Cardinale Van Thuân zur katholischen Soziallehre.



In einem Gespräch mit ZENIT hob Fontana hervor, dass Benedikt XVI die V. Generalversammlung des lateinamerikanischen und karibischen Episkopats mit einer Ansprache eingeleitet habe, die ganz darauf ausgerichtet ist, den Weg für die Zukunft vorzugeben. Dabei sei der Papst weniger auf eine Analyse spezifischer Problemstellungen eingegangen.

Benedikt XVI. rücke nicht die „ungerechten sozialen Strukturen“ oder die „indigenen Kulturen, die das Christentum nicht unterdrückt, sondern geläutert hat“, in den Mittelpunkt der kirchlichen Pastoral des amerikanischen Subkontinents, und auch nicht „die Volksfrömmigkeit, die Praxis oder die Erfahrung der engagierten Christen oder der Basisgemeinden, sondern die Verkündigung Gottes, der sich in Christus als Wahrheit und Liebe offenbart“.

Stefano Fonatana, Mitglied des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, präzisierte, dass der Heilige Vater bereits durch die bloße Bezugnahme auf das Thema der Generalsversammlung („Jünger und Missionare Jesu Christi, damit unsere Völker Leben haben in Ihm. ‚Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben‘“) Jesus Christus als den wahren Weg hervorgehoben habe.

Dies sei auch der Weg gewesen, „der es in der Vergangenheit erlaubt hat, die vorkolombianischen Kulturen zu läutern und von der Entfremdung zu befreien, der Weg, um den Völkern Lateinamerikas ihre kulturelle Identität zu geben. Denn das Wort Gottes wird auch Geschichte und Kultur, es wird der Weg, um die Wirklichkeit zu erkennen. Nur wer Gott kennt“, so Benedikt XVI. in seiner Predigt, „kennt die Wirklichkeit und kann ihr in angemessener und wirklich menschlicher Weise antworten“.

Fontana merkte des Weiteren an, dass man Christus nach Worten Papst Benedikts „in der Kirche, im Wort Gottes, das die Kirche verkündet, und in der Lehre der Kirche“ kennen lerne. „Der theologische Ort der Gotteserkenntnis und der Kenntnis seines Planes für den Menschen sind also nicht die soziologischen Daten Südamerikas, sondern der apostolische, von der Kirche überlieferte Glaube.“

Der Katholik könne sich nur als durch die Katechese unterwiesenes und von der Eucharistie gespeistes Glied der Kirche für eine immer menschlichere Gesellschaft einsetzen, bekräftigte Fontana. Darüber hinaus sei es sehr wichtig, dass der Heilige Vater in seiner Predigt an den „Katechismus der Katholischen Kirche“ und an das „Kompendium der Soziallehre der Kirche“ erinnert und damit die Aufforderung verknüpft habe, eine im wahrsten Sinn des Wortes „soziale“ Katechese durchzuführen sowie eine angemessene Ausbildung in der katholischen Soziallehre zu gewährleisten.

Abschließend wies Stefano Fontana darauf hin, dass es für Benedikt XVI. ohne eine vorhergehende individuelle und soziale Moral keine Strukturen der Gerechtigkeit geben könne. „Aus diesem Grund besteht Bedarf nach Gott im öffentlichen Leben, um diese höhere Moralität zu gewährleisten.“