Benedikt XVI.: Vom richtigen Umgang mit Hab und Gut

„Der wahre Schatz, den wir unablässig suchen sollen, besteht für uns Christen in dem, was im Himmel ist“

| 910 klicks

ROM, 17. August 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die offizielle Übersetzung der Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am Sonntag, dem 5. August, in Castel Gandolfo zum Angelus gehalten hat.



Der Heilige Vater lud die Gläubigen mit Blick auf das Fest der Verklärung des Herrn, das jedes Jahr am 6. August begangen wird, dazu ein, „den Blick ‚nach oben‘ zu richten, hin zum Himmel“.

* * *

Liebe Brüder und Schwestern!

Am heutigen 18. Sonntag im Jahreskreis regt uns das Wort Gottes an darüber nachzudenken, wie unsere Beziehung zu den materiellen Gütern sein soll. Obwohl der Reichtum in sich ein Gut ist, darf er nicht als ein absolutes Gut angesehen werden. Vor allem stellt er nicht das Heil sicher, er könnte es im Gegenteil ernsthaft aufs Spiel setzen. Gerade vor dieser Gefahr warnt Jesus seine Jünger im heutigen Evangelium. Es ist Ausdruck von Weisheit und Tugend, sein Herz nicht an die Güter dieser Welt zu hängen, weil alles vorübergeht, weil alles ganz plötzlich zu Ende sein kann. Der wahre Schatz, den wir unablässig suchen sollen, besteht für uns Christen in dem, »was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt«. Daran erinnert uns heute der hl. Paulus im Brief an die Kolosser und fügt dann hinzu, daß unser Leben mit Christus verborgen ist in Gott (vgl. 4,1–3).

Den Blick nach »oben« zu richten, hin zum Himmel, dazu lädt uns das Fest der Verklärung des Herrn ein, das wir morgen feiern werden. Im Bericht des Evangeliums über die Verklärung auf dem Berg ist uns ein Vorzeichen gegeben, das uns ermöglicht, einen flüchtigen Blick in das Reich der Heiligen zu werfen, wo auch wir am Ende unseres irdischen Daseins an der Herrlichkeit Christi teilhaben können werden, die vollkommen, absolut und endgültig sein wird. Dann wird das ganze Universum verklärt werden und der göttliche Heilsplan wird sich schließlich vollenden. Der Tag des Festes der Verklärung bleibt eng verbunden mit der Erinnerung an meinen verehrten Vorgänger, den Diener Gottes Paul VI., der im Jahr 1978 gerade hier in Castelgandolfo seine Sendung vollendete und gerufen wurde, in das Haus des himmlischen Vaters zu gehen. Sein Angedenken möge uns einladen, in die Höhe zu blicken und dem Herrn und der Kirche treu zu dienen, wie er es in den nicht leichten Jahren des letzten Jahrhunderts getan hat.

Diese Gnade erwirke uns die Jungfrau Maria, deren wir heute in besonderer Weise gedenken, indem wir das liturgische Gedächtnis des Weihetages der Basilika »Santa Maria Maggiore« feiern. Wie bekannt ist, ist sie die erste Basilika im Westen, die zu Ehren Marias erbaut und im Jahr 432 von Papst Sixtus III. neu errichtet wurde, um die göttliche Mutterschaft Marias zu feiern, das Dogma, das ein Jahr vorher auf dem Ökumenischen Konzil von Ephesus feierlich verkündet worden war. Die Jungfrau, die mehr als jedes andere Geschöpf am Geheimnis Christi teil hatte, möge uns auf unserem Weg des Glaubens stützen, wie die Liturgie uns heute einlädt zu beten, damit, »wenn wir mit unseren Kräften dafür arbeiten, die Erde untertan zu machen, wir uns nicht von der Habsucht und vom Egoismus beherrschen lassen, sondern immer das suchen, was vor Gott von Wert ist« (vgl. Tagesgebet).

[Nach dem Gebet des „Engel des Herrn“ erklärte der Papst:]

Ich möchte jetzt einen besonderen Gedanken an die Verantwortlichen und Gläubigen der Rumänischen Orthodoxen Kirche wenige Tage nach dem Tod des Patriarchen, Seiner Seligkeit Teoctist, richten. Zu den feierlichen Exequien, die am vergangenen Freitag in der Patriarchalkathedrale von Bukarest stattfanden, habe ich als meinen Vertreter den Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Walter Kardinal Kasper, zusammen mit einer eigens dazu bestimmten Delegation entsandt. Es ist mir ein Herzensanliegen, mit Achtung und Zuneigung dieser edlen Gestalt eines Hirten zu gedenken, der seine Kirche geliebt und einen positiven Beitrag zu den Beziehungen zwischen Katholiken und Orthodoxen geleistet hat, indem er ständig die Gemischte Internationale Kommission für den theologischen Dialog zwischen der katholischen Kirche und der orthodoxen Kirche in ihrer Gesamtheit ermuntert hat. Klare Zeugnisse für seinen ökumenischen Einsatz sind auch die beiden Besuche, die er meinem verehrten Vorgänger Johannes Paul II. abgestattet hat, sowie die Aufnahme, die der Patriarch seinerseits dem Bischof von Rom während der historischen Pilgerreise nach Rumänien im Jahr 1999 hat zuteil werden lassen. »Ewig sei sein Angedenken«: mit diesen Worten beschließt die liturgische orthodoxe Tradition die Bestattungsfeierlichkeiten all derer, die im Herrn entschlafen. Machen wir uns diese Anrufung zu eigen und bitten wir den Herrn, daß er diesen unseren Bruder in sein Reich unendlichen Lichtes aufnehme und ihm die Ruhe und den Frieden gewähre, die den treuen Dienern des Evangeliums verheißen sind.

[Die Pilger aus dem deutschen Sprachraum begrüßte Benedikt XVI. mit folgenden Worten:]

Frohen Herzens grüße ich alle Pilger und Besucher aus den Ländern deutscher Sprache hier in Castelgandolfo. Viele Menschen erfreuen sich in diesen Tagen ihres Urlaubs. Im Schöpfungsbericht lesen wir, daß auch Gott an einem Tag »ruhte«, nachdem er sein Werk vollbracht hatte. Gott läßt der Schöpfung sozusagen Zeit, um ihm in Freiheit zu antworten. Diese Zeit der Erholung öffne eure Sinne für die Schönheit der Schöpfung, in der die Stimme Gottes erklingt. Sie schenke euch Wege der Begegnung mit dem Herrn, der unserem Leben Licht, Liebe und Kraft gibt. – Euch allen wünsche ich einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

[© Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]