Benedikt XVI.: Vorbehaltlose Liebe zur Kirche

Der Papst verweist auf das Vorbild des heiligen Anslem von Canterbury

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ROM, 23. September 2009 (ZENIT.org).- Die heutige Katechese während der Generalaudienz widmete Papst Benedikt XVI. vor rund 9-000 Pilgern und Besuchern in der Audienzhalle „Paolo VI“ dem Theologen, Philosophen und heiligen Benediktinermönch Anselm von Canterbury (* um 1033 in Aosta; † 21. April 1109 in Canterbury), genannt auch Anselm von Aosta (Geburtsort) oder Anselm von Bec (sein Kloster).



In diesem Jahr begeht die Kirche den 900. Todestag des großen mittelalterlichen Kirchenmannes. Die Liebe zur Wahrheit und der Durst nach Gott, die das gesamte Leben des heiligen Anselms ausgezeichnet hatten, mögen nach Worten Benedikts XVI. jeden Christen dazu anspornen, unermüdlich eine immer innigere Verbundenheit mit Christus anzustreben, der der Weg, die Wahrheit und das Leben sei.

Der mutige Eifer, der das pastorale Wirken des heiligen Anselm gekennzeichnet und diesem mitunter auch Unverständnis, Bitterkeit und sogar Verbannung eingebracht habe, solle den Hirten, den geweihten Personen und den Laiengläubigen zum Beispiel gereichen, die Kirche Christi zu lieben, für sie zu beten und für sie zu leiden, „ohne sie je zu verlassen oder zu verraten“.

Der Papst charakterisierte den heiligen Anselm als einen Ordensmann „von intensivem geistlichen Leben“, der „ein herausragender Erzieher der Jugend“, ein „Theologe mit einer außergewöhnlichen spekulativen Begabung“ gewesen sei, „ein weiser Mann der Regierung und ein unnachgiebiger Verteidiger der ‚libertas Ecclesiae’“. All diese Eigenschaften machten Anselm zu einer der herausragendsten Gestalten des Mittelalters, die es verstanden habe, diese unterschiedlichen Eigenschaften dank einer tiefen mystischen Erfahrung miteinander in Einklang zu bringen. Diese Erfahrung habe stets sein Denken und Handeln geleitet.

Anselm sei eine „mystische Seele“ gewesen, hob Benedikt XVI. mit Blick auf den Gründer der scholastischen Theologie mit dem Beinamen „doctor magnigicus“ hervor. Diesen Namen habe er erhalten, da er die Sehnsucht hegte, die göttlichen Geheimnisse in dem Bewusstsein zu vertiefen, „dass der Weg der Erkenntnis Gottes nie vollendet ist - wenigstens nicht auf dieser Erde“.

Nach den Ausführungen Benedikts XVI. ist besonders ein Wort des heiligen Anselms für die moderne theologische Forschung und allgemein für all jene von Bedeutung, die ihr theologisches Wissen vertiefen wollten: „Wer beabsichtigt, Theologie zu betreiben, darf nicht nur auf seinen Verstand zählen, sondern auf eine tiefe Erfahrung des Glaubens.“ Theologie verwirkliche sich nämlich in drei Stufen: im Glauben, der ein Geschenk Gottes sei; in der Erfahrung und in der Fleischwerdung des Wortes Gottes im persönlichen Leben. Benedikt XVI: fügte diesbezüglich hinzu, dass es sich hierbei nicht nur darum gehe, Überlegungen anzustellen.

Mit besonderem Nachdruck betonte der Papst den Einsatz des heiligen Anselms für die Freiheit der Kirche. Er habe mutig die Unabhängigkeit der geistlichen Macht von der zeitlichen Macht bekräftigt. „Er verteidigte die Kirche vor den unangemessenen Einmischungen der politischen Autoritäten, vor allem der des Königs William II. Rufus und Heinrichs I.; dabei fand er die Unterstützung des Papstes, dem gegenüber Anselm immer eine mutige und herzliche Anhängerschaft an den Tag legte.“

Diese Treue habe ihm im Jahr 1103 auch die Bitternis der Verbannung aus Canterbury eingebracht. Erst 1106, als König Heinrich I. auf den Anspruch auf die kirchliche Investitur sowie auf die Besteuerung und Beschlagnahmung von Kirchengütern verzichtet habe, sei es Anselm möglich geworden, nach England zurückzukehren, wo er von Klerus und Volk feierlich in Empfang genommen worden sei. So sei es zum Abschluss eines langen Kampfes gekommen, den Anselm mit den Waffen der Beständigkeit, des Demut und der Güte geführt habe, was bis in unsere Tage hinein Aufmerksamkeit errege.