Benedikt XVI. warnt vor der Habgier, Wurzel der Weltwirtschaftskrise

Die Kirche kann nie von Jesus Christus getrennt werden

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ROM, 22. April 2009 (ZENIT.org).- Am heutigen Mittwoch setzte Papst Benedikt XVI. seine Katechesenreihe über die großen Gestalten der Kirche des Mittelalters fort. Vor rund 40.000 Besuchern und Pilgern stellte der Heilige Vater auf dem Petersplatz Leben und Werk des heiligen Ambrosius Autpertus vor. Der heilige Benediktinerabt südfranzösischer Herkunft und theologische Autor († 784) habe Texte verfasst, so der Papst, „die auch in unseren heutigen Zeiten einen wertvollen theologischen und geistlichen Schatz darstellen“.



Am Ende der Generalaudienz überreichte der Papst einer Gruppe von jungen Menschen das Weltjugendtagkreuz, das sein Vorgänger Johannes Paul II. vor 25 Jahren zum ersten Mal der Weltjugend anvertraut hatte.

Der heilige Autpertus habe in seinen Schriften betont, dass die Habgier „die einzige Wurzel aller Laster“ sei, ein Urteil, dem sich Benedikt XVI. anschloss, der darauf aufmerksam machte, dass auch an der Wurzel der aktuellen Wirtschaftskrise die menschliche Habgier stecke. Ähnliches hatte der Papst während seiner jüngsten Pastoralreise nach Afrika in Luanda hervorgehoben, als er von der Habgier gesprochen hatte, die das Herz des Menschen verdirbt. Ebenso hatte der Heilige Vater anlässlich des letzten G-20-Gipfels in einem Brief an den britischen Premierminister Gordon Brown darauf hingewiesen, dass der Ursprung der Krise auch in einem „Rückgang korrekten ethischen Verhaltens“ zu suchen sei.

Autpertus ist nach den Ausführungen Benedikts XVI. am Hof des Königs Pippin des Jüngeren für eine kurze Zeit auch Lehrer der späteren Kaisers Karl des Großen gewesen. Bei den Quellen des italienischen Flusses Volturno sei er 771 in das Benediktinerkloster von San Vincenzo eingetreten, das „eine Oase der klassischen und christlichen Kultur“ gewesen sei. Sechs Jahre später sei Autpertus mit Unterstützung der Franken und gegen den Willen der Langobarden zum Abt des Klosters gewählt worden. Damit sei es auch innerhalb der Klostermauern zu einer politischen Auseinandersetzung gekommen.

Die nationalistischen Spannungen seien nicht zur Ruhe gekommen. 778 habe Autpertus deshalb auf sein Amt verzichten wollen und sich zusammen mit einigen Gefährten unter den Schutz Karls des Großen begeben. Nichtsdestoweniger sei der Streit im Kloster von San Vincenzo nicht zur Ruhe gekommen: Als einige Jahre später beim Tod des dem Autpertus nachgefolgten Abtes ausgerechnet Potone gewählt wurde (782), der ehemalige Rivale des Autpertus, sei der Konflikt neu entflammt und erst nach einer Anzeige des neuen Abtes bei Karl dem Großen zu seinem Ende gekommen. Dieser habe beide Seiten an das päpstliche Gericht verwiesen, das sie nach Rom berufen habe. Als Zeuge sei auch Autpertus geladen worden, der jedoch auf der Reise plötzlich – wahrscheinlich ermordet – am 30. Januar 784 starb.

Unter seinen Werken von „hohem theologischen und moralischen Gehalt“ erinnerte Benedikt XVI. an die Schrift „De cupiditate“ (Von der Habgier), die dem Widerstreit von Tugend und Laster gewidmet ist, sowie an den Kommentar zur Offenbarung des Johannes.

In „De cupiditate“ habe Autpertus beabsichtigt, die Mönche konkret darin zu unterweisen, wie sie dem täglichen geistlichen Kampf begegnen könnten. Diesbezüglich betone der Heilige Vater, dass es heute nicht mehr so sehr um eine äußere Verfolgung der Christen gehe als vielmehr um eine innere, die sich im „Kampf gegen die Mächte des Bösen“ ausdrücke.

Autpertus habe die Habgier der Mächtigen in der Gesellschaft seiner Zeit angeklagt, die auch in der Seele der Mönche zu sehen sei. Gleichzeitig habe der Abt die Habgier als „die Wurzel allen Übels, die einzige Wurzel aller Laster“ bezeichnet. Angesichts der heutigen Weltwirtschaftskrise, so der Papst kommentierend, offenbare diese Botschaft ihre ganze Aktualität: „Wir sehen, dass gerade aus dieser Wurzel der Habgier diese ganze Krise entstanden ist.“

Autpertus habe den Mönchen gezeigt, dass die Geringschätzung der Welt für ihre Spiritualität wichtig sei. Dabei handle es sich nicht um eine Geringschätzung der Schöpfung, sondern um die Geringschätzung einer falschen Sicht der Welt, zu der die Habgier vernlassen könne. Sie führe nämlich zur Ansicht, dass der höchste Sinn des Daseins im Haben bestehe und dass am wichtigsten das Äußere sei, der Schein.

Benedikt XVI. betonte, dass heute ein „falscher Freiheitsbegriff“ weit verbreitet sei, der darauf abziele, über alles verfügen zu können. Bereits Autpertus jedoch habe geschrieben, dass der Herr nur zwei Wege vorgesehen habe: einen breiten und einen engen, einen bequemen und einen steilen.

Die Zeit des heiligen Autpertus sei eine Zeit der politischen Instrumentalisierungen gewesen, der Nationalismen und der Stammesfehden gewesen, die das wahre Antlitz der Kirche entstellt hätten. Dieses Problem würden auch wir heute kennen.

Gerade aber im Kommentar zur Offenbarung des Johannes zeige Autpertus das wahre Antlitz der Kirche. Demjenigen, der sie als einen zweigeteilten Leib aus Christus und dem Teufel ansehe, antworte Autpertus, dass „die Kirche nie von Jesus Christus getrennt werden kann“.

Der Heilige habe es verstanden, das wahre Antlitz der Kirche in den Heiligen und vor allem in Maria zu entdecken und zu erfassen, was es bedeutet, ein Christ zu sein: „vom Wort Gottes leben, in den Abgrund des Geheimnisses eintreten, dem Wort Gottes neues Leben geben und ihm unser Fleisch anbieten, um ihm in unserer Zeit neues Leben zu verleihen“.