Benedikt XVI. warnt vor einengendem Einfluss einiger Interessensgruppen

Die Wahrheit ist es, die Einigkeit ermöglicht

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ROM, 2. Juni 2009 (ZENIT.org).- Damit Interessensgruppen nicht die Öffentlichkeit einengen, müsse der Wahrheit in der sozialen Sphäre Raum gegeben werden, bekräftigte Benedikt XVI. am Freitag, dem 29. Mai, in einem Schreiben an den neuen Botschafter Neuseelands beim Heiligen Stuhl, Robert Carey Moore-Jones. Insgesamt empfing der Heilige Vater an diesem Tag acht neue Botschafter. Nach der Ansprache, die er an alle richtete, überreichte er jedem der Anwesenden einen Brief. Außer dem offiziellen Vertreter von Neuseeland waren Diplomaten aus der Mongolei, Indien, Benin, Südafrika, Burkina Faso, Namibia und Norwegen unter den Gästen.

„Der Einsatz der Kirche in der Zivilgesellschaft ist in der Überzeugung verankert, dass authentischer menschlicher Fortschritt - sei er nun individuell oder gemeinschaftlich - von der Anerkennung der jedem Menschen gebührenden spirituellen Dimension abhängt." Freilich: „Einige stellen nach wie vor den Platz der Religion im öffentlichen Raum in Frage" - was die Verantwortung der Gläubigen erhöhe, Zeugnis für die essentielle Beziehung zu Gott abzulegen.

Auch auf die von Gott verliehene Fähigkeit, Sonderinteressen zu überschreiten und das Wahre und Gute aufzuspüren, kam Papst Benedikt zu sprechen. „Wenn Gottes Geschenk der menschlichen Vernunft in Bezug auf die Wahrheit, die er uns offenlegt, benützt wird, dann schmückt er unsere Kräfte zur Reflexion mit Weisheit." Wir würden dann mit unserer Vernunft „über das Empirische und Bruchstückhafte hinausgelangen", selbst „unsere tiefsten menschlichen Sehnsüchten" würden in Erfüllung gehen. Das habe gewichtige Auswirkungen auch auf die Öffentlichkeit: „Auf diese Weise wird die öffentliche Debatte, statt in dem begrenzten Horizont partikulärer Interessensgruppen gefangen zu sein, ausgeweitet, und bleibt der wahren Quelle des Gemeinwohls und der Würde jedes Mitglieds der Gesellschaft verantwortlich." 

Wahrheitsfähigkeit sei kein Grund zur Zwietracht, sondern ermögliche im Gegenteil gerade Eintracht: „Weit davon entfernt, die Toleranz von Unterschieden und kultureller Pluralität zu bedrohen, macht die Wahrheit Konsens erst möglich; sie garantiert, dass politische Entscheidungen von Prinzipien und Werten bestimmt sind, und bereichert Kultur mit allem, was gut, erbaulich und gerecht ist."

Nach einem Lob für Neuseelands diplomatische Aktivitäten, die durch einen „starken Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden gekennzeichnet" seien, versicherte der Heilige Vater, die Kirche werde „großzügig auf neue gesellschaftliche Herausforderungen antworten".