Benedikt XVI. warnt vor einer „relativistischen Logik“ in weltpolitischen Debatten

Von Armin Schwibach

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ROM, 3. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Am Samstag empfing Benedikt XVI. im Vatikan die Vertreter christlich inspirierter Hilfswerke im Rahmen eines Forums des Heiligen Stuhls für katholische Nichtregierungsorganisationen. Der Papst rief seine Gäste dazu auf, dem moralischen Relativismus unserer Tage entgegenzutreten und die Soziallehre der Kirche beherzt in die Gesellschaft einzubringen. Der Heilige Vater äußerte sich in diesem Zusammenhang kritisch zu einer immer mehr um sich greifenden relativistischen Logik in der Weltpolitik.

Benedikt XVI. würdigte zunächst die Ergebnisse des Fortschritts der internationalen Kooperation. Er erwähnte hierbei insbesondere die universale Anerkennung des juridischen und politischen Primats der Menschenrechte; die Festlegung gemeinsamer Zielsetzungen, damit alle Bürger der Erde in den Genuss der wirtschaftlichen und sozialen Rechte kommen können; die Suche nach einem gerechten Weltwirtschaftssystem, den Umweltschutz und die Förderung des interkulturellen Dialogs.

Allerdings sei die internationale Debatte oft einer „relativistischen Logik“ unterworfen, die den Eindruck erwecke, als ob die einzige Garantie für ein friedliches Zusammenleben unter den Völkern in der Verleugnung der Tatsache bestünde, dass „die Wahrheit über den Menschen und seine Würde sowie die Möglichkeit eines ethischen Handelns auf der Grundlage der Anerkennung des natürlichen Sittengesetzes“ auch im internationalen Kontext Existenzrecht besitzt. So käme es dazu, dass sich ein Konzept des Rechts und der Politik durchgesetzt habe, in dem der Konsens unter den Staaten, der auf der Grundlage von „kurzatmigen oder von ideologischem Druck manipulierten Interessen“ erreicht wird, dabei die „einzige und letzte Quelle der internationalen Normen“ zu sein scheint.

Für Benedikt XVI. sind die „bitteren Früchte“ einer derartigen relativistischen Logik offensichtlich. Er erinnerte vor allem an „den Versuch, die Folgen gewisser egoistischer Lebensstile als Menschenrechte zu betrachten, an das Desinteresse für die wirtschaftlichen und sozialen Bedürfnisse der schwächsten Völker und an die Verachtung des humanitären Rechts sowie an die selektive Verteidigung der Menschenrechte“.

Auch die jüngste Entscheidung der internationalen Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“, die Abtreibung unter bestimmten Umständen als „Menschenrecht“ zu definieren, scheint den Papst in seiner Sorge um die nur selektive Verteidigung der Menschenrechte zu bestätigen.

Die beiden größten italienischen Zeitungen (der Mailänder „Corriere della Sera“ und die römische „La Repubblica“) interpretierten diese Äußerungen dann als direkten „Angriff“ des Papstes auf die Vereinten Nationen. Der Direktor des vatikanischen Pressesaals, P. Federico Lombardi SJ, erklärte diesbezüglich, dass es nicht die Absicht des Papstes gewesen sei, der UNO einen ethischen Relativismus vorzuwerfen, sondern dass die ethische Debatten oft in einer relativistischen Manier geführt werden.

Der Sprecher des UN-Generalsekretärs Ban Ki Moon, Farhan Haq, wies hingegen in einer Stellungnahme die Warnung des Papstes vor einem moralischen Relativismus und der Ausgrenzung des natürlichen Sittengesetzes aus der internationalen politischen Debatte nicht gänzlich zurück. Der „moralische Relativismus“ ist für Fahran Haq eine Tatsache. „Leider aber ist er notwendig, um einer für uns ständigen Herausforderung Rechung zu tragen, die darin besteht, viele Regierungen miteinander übereinstimmen zu lassen“, so der UN-Sprecher. Dabei aber gebe es Werte, die die Vereinten Nationen jenseits der Notwendigkeit eines Kompromisses verteidigten. Dazu zähle die Menschrechtserklärung, „einer der Ecksteine, auf dem Organisation basiert“.

P. Lombardi erinnerte daran, dass die Äußerungen Benedikts XVI. nichts Neues darstellen und zu seinem Lehramt gehören. Der Papst warnte immer wieder vor einer Idee einer globalisierten Ethik mit dem Anspruch, weltweit Norm gebend zu sein, ohne zu prüfen, auf welchen Grundlagen sie beruht. Die Menschenrechte können in den Augen des Papstes ihren Grund nicht in einem freien Spielraum des Rechtspositivismus finden. Sie müssen in der Anerkennung der nicht verhandelbaren Werte verankert sein, die der unverletzlichen Würde des Menschen entspringen.