Benedikt XVI. weihte am Erzengel-Fest sechs neue Bischöfe

„Seid ‚Schutzengel‘ für die Kirchen, die euch anvertraut sind!“

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ROM, 1. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Am Samstag, dem Festtag der Erzengel Michael, Gabriel und Rafael, weihte Papst Benedikt XVI. im Petersdom sechs neue Bischöfe und ermutigte sie, sich wie wahre Schutzengel um ihre Gläubigen zu kümmern.



Bei den Neugeweihten handelt es sich um: Msgr. Mieczysław Mokrzycki aus der Erzdiözese Lemberg, geboren am 29 März 1961, vormaliger zweiter Privatsekretär von Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI., am 16. Juli zum Erzbischof-Koadjutor von Lemberg (Ukraine) ernannt; Msgr. Francesco Giovanni Brugnaro aus der Erzdiözese Mailand, geboren am 16 März 1943, am 3. September zum Erzbischof von Camerino–San Severino (Italien) ernannt; Msgr. Gianfranco Ravasi aus der Erzdiözese Mailand, geboren am 18. Oktober 1942, am 3. September zum Titularerzbischof von Villamagna di Proconsolare sowie zum Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Kultur und der Päpstlichen Kommissionen für die Kulturgüter der Kirche und die „Archaeologia Sacra“ ernannt; Msgr. Tommaso Caputo aus der Erzdiözese Neapel, geboren am 17 Oktober 1950, am 3. September zum Titularerzbischof von Otricoli und Apostolischen Nuntius in Malta und Libyen ernannt; Msgr. Sergio Pagano aus der Kongregation der Barnabiten, geboren am 6. November 1948, Präfekt des Vatikanischen Geheimarchivs, am 4. August 2007 zum Titularbischof von Celene ernannt, und Msgr. Vincenzo Di Mauro aus der Erzdiözese Mailand, geboren am 1. Dezember 1951, am 3. September zum Titularbischof von Arpi und zum Sekretär der Präfektur für wirtschaftliche Angelegenheiten des Heiligen Stuhls ernannt.

Benedikt XVI. widmete die Predigt der ersten Bischofsweihen in diesem Pontifikat den Erzengeln. Zunächst wandte er sich mit einem Grußwort an den langjährigen zweiten Privatsekretär Johannes Pauls II., Mieczysław Mokrzycki, und würdigte dessen Tätigkeit, die dieser nach der Wahl Benedikts XVI. mit Demut, Kompetenz und Hingabe weitergeführt habe.

Anschließend ging Benedikt XVI. auf das Fest der Erzengel ein und auf die Tatsache, dass die Bischöfe der alten Kirche als „Engel ihrer Kirche bezeichnet wurden, womit die innige Verbindung zum Ausdruck gebracht wird, die zwischen der Aufgabe des Bischofs und der Aufgabe des Engels besteht“.

Der Engel ist nach Worten des Papstes ein Geschöpf, das, wie der Heiligen Schrift und der Tradition zu entnehmen ist, „vor Gott steht und mit seinem ganzen Wesen auf Gott ausgerichtet ist“ Das wahre Wesen dieser Geschöpfe „besteht in ihrem Dasein mit Bezug auf Gott und für Gott. Auf diese Weise lässt sich auch der zweite Aspekt erklären, der die Engel auszeichnet: Sie sind Boten Gottes. Sie bringen Gott zu den Menschen; sie öffnen den Himmel, und so öffnen sie die Erde. Gerade weil sie bei Gott sind, können sie auch den Menschen sehr nahe sein.“

Dadurch würden die Engel auch zum Vorbild für den Bischof. Denn auch Bischöfe sollten „Männer Gottes sein und ihr Leben auf Gott ausrichten“. Der Bischof müsse ein Beter sein, der bei Gott für den Menschen eintritt. Je mehr er dies tue, umso mehr verstehe er auch die Menschen, die ihm anvertraut sind. So werde er für sie zum Engel, das heißt zum „Boten Gottes“, der ihnen hilft, ihr wahres Wesen zu finden und die Vorstellung umzusetzen, die Gott von ihnen hat.

Die Gestalten der drei Erzengel Michael, Gabriel und Rafael dienten dem Papst dazu, um die Aufgaben eines Bischofs zu umreißen.

Der Erzengel Michael „verteidigt den einen Gott vor dem Drachen, der alten Schlange, wie Johannes sagt. Es ist die immerwährende Versuchung der Schlange, die die Menschen glauben macht, dass Gott verschwinden muss, damit sie selbst groß werden können; dass Gott uns in unserer Freiheit behindert, und wir ihn deshalb loswerden müssen.“

Wer aber Gott anklage, klage auch den Menschen an. „Der Glaube an Gott schützt den Menschen bei all seiner Schwäche und Unzulänglichkeit: Der Glanz Gottes färbt auf jeden Einzelnen ab.“ Es sei die Aufgabe des Bischofs als Mann Gottes, Gott gegen alle Verleugnung in der Welt zu verteidigen, ihm Raum zu geben und damit auch die Größe des Menschen zu schützen.

Benedikt XVI. ermahnte die Bischöfe: „Seid wahre ‚Schutzengel‘ der Kirchen, die euch anvertraut sind! Helft dem Volk Gottes, dem ihr auf seiner Pilgerschaft vorangehen sollt, die Freude am Glauben zu finden, und lehrt sie die Unterscheidung der Geister: damit sie das Gute annehmen und das Böse ablehnen; damit sie kraft der Hoffnung des Glaubens Menschen bleiben und es mehr und mehr werden, Menschen, die in der Gemeinschaft mit dem Gott leben, der Liebe ist.“

Der Erzengel Gabriel ist, wie Papst Benedikt ausführte, der Bote der Menschwerdung Gottes. „Er klopft an die Pforte Mariens, und durch ihn bittet Gott selbst Maria um ihr Ja zu dem Angebot, Mutter des Erlösers zu werden.“ Genauso klopfe der Herr immer wieder neu an die Pforte des menschlichen Herzens… „Der Herr steht an der Tür, an der Tür der Welt und an der Tür jedes einzelnen Herzens. Er klopft, damit man ihn Einlass gewährt: Die Menschwerdung Gottes, sein Eintreten ins Fleisch, soll bis in alle Ewigkeit dauern.“

„Christus klopft an“, bekräftigte der Papst. „Auch heute braucht er Menschen, die sozusagen den eigenen Leib zur Verfügung stellen, die ihm die Materie der Welt und ihres Lebens schenken, indem sie sich in den Dienst der Einheit von Gott und Welt stellen, in den Dienst der Aussöhnung des Universums. Liebe Freunde, es ist eure Aufgabe, im Namen Christi an die Herzen der Menschen zu klopfen. Indem ihr selbst eins werdet mit Christus, werdet ihr auch die Aufgabe des Gabriel übernehmen können: den Menschen den Ruf Christi zu überbringen.“

Der Erzengel Rafael schließlich ist nach Worten des Heiligen Vaters für die Heilung verantwortlich. „Wenn Jesus seine Jünger in die Mission aussendet, um das Evangelium zu verkünden, wird dies auch immer mit der Aufgabe des Heilens verbunden sein.“ Schon die Verkündigung des Evangeliums allein bedeute Heilen: „Denn der Mensch braucht vor allem Wahrheit und Liebe.“

Im Buch Tobias heile der Erzengel Rafael die „gestörte Gemeinschaft zwischen Mann und Frau“; er heile ihre Liebe. Im Neuen Testament werde die Ehe dadurch geheilt, dass Christus sie in seine erlösende Liebe aufnehme: „Er macht aus der Ehe ein Sakrament. Seine Liebe, die für uns ans Kreuz gestiegen ist, ist die heilende Kraft, die in aller Verwirrung die Fähigkeit zur Versöhnung verleiht, das Klima bereinigt und die Wunden heilt.“ Der Priester müsse immer „der heilende Engel“ sein, der den Menschen hilft, ihre Liebe im Sakrament zu verankern und sie immer wieder neu vom Sakrament her zu leben.

Danach bezog sich Benedikt XVI. auf die Rede von der „Heilung der Augen“ und sagte: „Wie groß ist heute die Gefahr, dass wir angesichts des Vielen, das wir über die materiellen Dinge wissen und mit ihnen tun können, blind werden für das Licht Gottes.“ Dem Priester und insbesondere dem Bischof sei der Dienst anvertraut, diese Blindheit durch die Botschaft des Glaubens zu heilen. Dabei denke man spontan „an das Sakrament der Versöhnung, das Sakrament der Buße“, das – wie Benedikt XVI. unterstrich – „im tiefsten Sinn des Wortes ein Sakrament des Heilens ist. Die wahre Wunde der menschlichen Seele nämlich, der Ursprung all unserer anderen Wunden, ist die Sünde. Und nur wenn es ein Vergeben kraft der Macht Gottes gibt, kraft der Macht der Liebe Christi, können wir geheilt, können wir erlöst werden.“

Abschließend erinnerte der Heilige Vater die neuen Bischöfe an die Bitte des Herr im Evangelium: „Bleibt in meiner Liebe“, und ermahnte sie: „Bleibt in seiner Liebe! Bleibt in jener Freundschaft mit ihm, die von der Liebe erfüllt ist, die er in dieser Stunde von neuem schenkt! Dann wird euer Leben Früchte hervorbringen – Früchte, die bleiben.“