Benedikt XVI.: Wer Gott fürchtet, hat keine Angst

Religiöse Gleichgültigkeit, Ursprung der modernen Ängste

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ROM, 23. Juni 2008 (ZENIT.org).- Wer Gott liebt, hat keine Angst, da er weiß, dass das Böse und Irrationale nicht das letzte Wort haben.



Mit dieser Botschaft wandte sich Papst Benedikt XVI. am gestrigen Sonntag in seiner Ansprache vor dem traditionellen Gebet des „Engel des Herrn“ an die rund 50.000 Pilger, die sich auf dem Petersplatz versammelt hatten. Der Heilige Vater sprach über die Ängste der modernen Welt, die in seinen Augen eine Folge der verbreiteten Gleichgültigkeit Gott gegenüber sind.

Zum Ausgangspunkt seiner Überlegungen nahm Benedikt XVI. das Sonntagsevangelium, in dem Jesus die Jünger dazu aufruft, nicht die Menschen, sondern Gott zu fürchten.

Heute gebe es eine tiefere Form von existentieller Furcht, die zuweilen zur Angst werde, so der Papst. Sie entstehe aus einem Sinn der Leere heraus, die mit einer Kultur einhergehe, die vom theoretischen und praktischen Nihilismus durchdrungen sei.

Angesichts des weit gesteckten und mannigfaltigen Panoramas der menschlichen Furcht sei das Wort Gottes eindeutig. „Wer Gott fürchtet, hat keine Angst“, bekräftigte der Heilige Vater.

Die Gottesfurcht, die die Heilige Schrift als „den Anfang der wahren Weisheit“ bezeichne, falle mit dem Glauben an Gott zusammen, „mit der heiligen Achtung vor seiner Hoheit über das Leben und die Welt“. Ohne „Gottesfurcht“ zu leben, komme der Tatsache gleich, sich an Gottes Stelle zu setzen, sich als Herr über Gut und Böse, über Leben und Tod zu fühlen.

Wer Gott fürchte, so Benedikt XVI., der bleibe auch inmitten von Stürmen ruhig und gelassen. Denn wer Gott, den barmherzigen und gütigen Vater, liebe, habe keine Angst.

Der Glaubende lasse sich durch nichts erschrecken, da er sich in den Händen Gottes wisse. Und er sei wisse, dass das Böse und das Irrationale nicht das letzte Wort hätten, sondern dass der einzige Herr der Welt und des Lebens Christus sei. Je mehr die Christen in der Vertrautheit mit Gott wüchsen, die von Liebe durchdrungen sei, desto leichter besiegten sie jede Form von Angst.

Benedikt XVI. stellte zum Schluss seiner Ansprache den heiligen Paulus als Beispiel dessen vor, der alle Angst verlor, nachdem er Gott entdeckt hatte. Damit erinnerte der Heilige Vater an das Paulus-Jahr, das er am kommenden Samstag um 18.00 Uhr in der Basilika St. Paul vor den Mauern mit der Liturgie der ersten Vesper zum Hochfest der Heiligen Petrus und Paulus feierlich eröffnen werden wird.

Benedikt XVI. sprach den Wunsch aus, dass dieses große geistliche und pastorale Ereignis in uns allen neues Vertrauen zu Jesus Christus wecken möge, „der uns dazu beruft, furchtlos sein Evangelium zu verkünden und Zeugnis dafür abzulegen.“