Benedikt XVI.: Wie Petrus immer neu auf Jesus hören

Ansprache zum Abschluss der Fastenexerzitien im Vatikan

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ROM, 22. Februar 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die offizielle Übersetzung der Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am 16. Februar zum Abschluss der Fastenexerzitien in der Kapelle „Redemptoris Mater“ des Apostolischen Palastes im Vatikan gehalten hat. Prediger war diesmal der Jesuitenkardinal Albert Vanhoye.

Der gebürtige Franzose war nach Kardinal Marco Cé, Altpatriarch von Venedig, und Kardinal Giacomo Biffi, Alterzbischof von Bologna, der dritte Fastenexerzitien-Prediger des Pontifikats Benedikts XVI. Der 84jährige Vanhoye ist Exeget und Bibeltheologe. Er lehrte von 1963 bis zu seiner Emeritierung 1993 als Spezialist für das Neue Testament am Päpstlichen Institut Biblicum in Rom. Im Konsistorium am 24. März 2006 hatte ihn Papst Benedikt XVI. als Kardinaldiakon in das Kardinalskollegium aufgenommen.

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Liebe Mitbrüder,

am Ende dieser Exerzitientage möchte ich Ihnen von ganzem Herzen danken, Eminenz, für ihre geistliche Führung, die Sie uns mit großer theologischer Kompetenz und ebenso großer geistlicher Tiefe geboten haben. Von meinem Blickwinkel aus hatte ich immer das Bild Jesu vor Augen, der vor Petrus kniet, um ihm die Füße zu waschen. Durch Ihre Meditationen hat dieses Bild zu mir gesprochen. Ich habe gesehen, daß sich gerade hier, in dieser Verhaltensweise, in diesem Akt äußerster Demut, das neue Priestertum Jesu verwirklicht. Und es verwirklicht sich in eben diesem Akt der Solidarität mit uns, mit unseren Schwächen, unserem Leiden, unseren Prüfungen, bis hin zum Tod. So habe ich auch mit neuen Augen das rote Gewand Jesu gesehen, das von seinem Blut zu uns spricht. Sie, Herr Kardinal, haben uns gelehrt, wie das Blut Jesu durch sein Gebet mit dem »Sauerstoff« des Heiligen Geistes gesättigt war. Und so ist es zur Kraft der Auferstehung und Quelle des Lebens für uns geworden.

Aber ich konnte nicht umhin, auch die Gestalt des hl. Petrus zu betrachten, der mit dem Finger auf seine Stirn weist. Es ist der Moment, in dem er den Herrn bittet, ihm nicht nur die Füße zu waschen, sondern auch den Kopf und die Hände. Mir scheint dies – über diesen Moment hinaus – ein Ausdruck der Schwierigkeit des hl. Petrus und aller Jünger Jesu zu sein, die überraschende Neuheit des Priestertums Jesu zu verstehen, dieses Priestertums, das Hinabsteigen, Solidarität mit uns ist und uns so den Zugang zum wahren Heiligtum öffnet, dem auferstandenen Leib Jesu.

Während der gesamten Zeit seiner Jüngerschaft und, so scheint mir, bis zu seiner eigenen Kreuzigung mußte der hl. Petrus immer neu auf Jesus hören, um tiefer in das Geheimnis seines Priestertums einzutreten, des Priestertums Christi, das den Aposteln und ihren Nachfolgern übertragen worden ist.

In dieser Hinsicht scheint mir die Gestalt des Petrus für uns alle in diesen Tagen zu stehen. Sie, Eminenz, haben uns geholfen, die Stimme des Herrn zu hören und so von neuem zu lernen, was sein und unser Priestertum ist. Sie haben uns geholfen, in die Teilhabe am Priestertum Christi einzutreten und so auch das neue Herz zu empfangen, das Herz Jesu als Mittelpunkt des Geheimnisses des Neuen Bundes.

Vielen Dank für dies alles, Eminenz. Ihre Worte und ihre Meditationen werden uns in dieser Fastenzeit auf unserem Weg zum Pascha des Herrn begleiten. In diesem Sinne wünsche ich euch allen, liebe Mitbrüder, eine gute, geistlich fruchtbare Fastenzeit, damit wir wirklich durch Ostern zu einer immer tieferen Teilhabe am Priestertum unseres Herrn gelangen können.

 

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