Benedikt XVI. wieder im Vatikan: eine stille Rückkehr

Zwei Heilige Väter leben hundert Meter voneinander entfernt

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Jan Bentz | 742 klicks

Eine neue Phase in der Geschichte des Vatikans hat begonnen: Erstmals lebt ein Papst Emeritus in unmittelbarer Nähe zu seinem Nachfolger. Bedingungslose Ehrerbietung und bedingungslosen Gehorsam hatte Benedikt bereits vor der Wahl seinem künftigen Nachfolger versprochen.Er selber wolle, wie er am 11. Februar bekanntgab, die Kirche nach seinem Rücktritt als Pontifex vor allem im Gebet begleiten.

Am Nachmittag des 2. Mai ist Papst em. Benedikt XVI. nunmehr nach zweimonatigem Aufenthalt in der Sommerresidenz der Päpste in Castelgandolfo in den Vatikan zurückgekehrt. Wie man sich erinnert, hatte sich Benedikt XVI. am Nachmittag des 28. Februar nach seinem Rücktritt und zu Beginn der Sedisvakanz dorthin begeben. Am 23. März hatte sein gerade gewählter Nachfolger ihm einen Besuch abgestattet. Für seine Rückkehr in den Vatikan hatte Papst Emeritus den Abschluss der Umbauarbeiten im Kloster „Mater Ecclesiae“ im Herzen der Vatikanischen Gärten abgewartet.

Benedikt landete um 16.45 Uhr im Helikopter in Begleitung von Msgr. Georg Gänswein, Präfekt des päpstlichen Haushaltes, im Vatikan. Kardinaldiakon Angelo Sodano, Kardinalsstaatssekretär Tarcisio Bertone, der Präsidenten des Governatorats, Giuseppe Bertello, sein Stellvertreter Angelo Becciu, der Sekretär für die Beziehungen der Länder, Msgr. Dominique Mamberti, und der Generalssekretär des Governatorates, Msgr. Giuseppe Sciacca, begrüßten ihn. Diesmal gab es keine Life-Übertragung des Vatikanischen Fernsehens CTV wie bei seinem Abschied.

Vom Helikopterlandeplatz fuhr der Papst Emeritus mit dem Wagen zum renovierten und umgebauten Kloster „Mater Ecclesiae“, das sich im Westen des Vatikans unweit des Brunnens „Aquilone“ befindet. Nachdem er von Papst Franziskus herzlich begrüßt worden war, verweilten beide in der Kapelle des Hauses für einige Momente kniend im Gebet.

Wie vorgesehen werden in der neuen Residenz des Papstes em. Msgr. Georg Gänswein und die vier Laienschwestern „Memores Domini“ wohnen, die schon in den letzten Jahren Mitglieder des Päpstlichen Haushalts waren und der Bewegung „Comunione e Liberazione“ angehören.

Diese Angestellten hatten die letzten Tage damit verbracht, das Haus für Benedikts Rückkehr vorzubereiten. Der „Familie“ wird sich noch Birgit Wahnsing anschließen, die Sekretärin aus den Kardinalszeiten Joseph Ratzingers, die als einzige die Handschrift des emeritierten Papstes lesen und verstehen kann. Auch für den 88-jährigen Bruder Benedikts XVI., Msgr. Georg Ratzinger, wird ein Privatzimmer im Kloster für geplante Besuche zur Verfügung stehen.

Das Gebäude diente einstmals unter anderem als Gärtnerhaus und wurde auf Wunsch von Johannes Paul II. zu einem Kloster umgebaut. 19 Jahre lang beteten hier kontemplative Benediktinerinnen, Klarissen, Unbeschuhte Karmelitinnen und Salesianerinnen. Das vierstöckige Gebäude mit seinen 650 Quadratmetern Wohnfläche liegt in einem kleinen, eigenen Garten im Herzen der berühmten Vatikanischen Gärten. Benedikt wird lediglich das Erdgeschoss nutzen, auch um das Treppensteigen zu vermeiden.

Seine neue Bleibe ließ der emeritierte Papst mit den Möbeln aus seiner Kardinalszeit ausstatten, alles andere verblieb für seinen Nachfolger in der Päpstlichen Räumen im Vatikanischen Palast. Einige vermuten, dass Benedikt XVI. auch sein Klavier ins Kloster bringen lassen wird, sicherlich aber seine große Bibliothek in der Hoffnung, dass die vorhandenen 240 Meter Bücherschrank der kleinen Bibliothek alle Bände aufnehmen können.

Der lateinamerikanische neue Papst lebt ungefähr hundert Meter entfernt weiterhin im „Domus Sanctae Marthae“, dem vatikanischen Gästehaus, obwohl die päpstliche Wohnung bereits fertiggestellt ist. Gründe dafür wurden bisher nicht genannt. Die von jeher von den jeweils residierenden Päpsten bewohnten Räume stehen jetzt leer und werden nur zu besonderen Anlässen benutzt, wie das geöffnete Fenster zum sonntäglichen Angelus/Regina Coeli-Gebet. Das sonst in den Abendstunden vom Petersplatz aus zu erblickende vertraute Licht in den päpstlichen Räumen bleibt aus.

„Der em. Papst ist zufrieden, in den Vatikan zurück zu kehren, denn das ist jetzt die normale Situation für ihn. Er wird normal leben. Ich glaube, dass er spazieren gehen und auch Besuch empfangen kann und so weiter. Aber das hängt von ihm ab und davon, wie er sein Leben gestalten will“, so Pressesprecher P. Federico Lombardi SJ in einer Pressekonferenz. Er dementierte bei dieser Gelegenheit die Vermutung, der Papst leide an einer schlimmen Krankheit. Den Journalisten, die nach dem Gesundheitszustand fragten, entgegnete er: „Er ist ein Mann, der nicht mehr jung ist, ein vom Alter gezeichneter Mann, aber es gibt keine besondere Krankheit.“